Kneipensterben in Bayern: Hunderte Wirte weg

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München - Immer mehr bayerische Wirte geben auf. In Hunderten Gemeinden gibt es bereits keine Gaststätte mehr. Die Ursachen sind die gleichen wie beim Verschwinden der Dorfläden.

In Deutschland machen immer mehr Wirtshäuser dicht. Seit 2001 wurde jedes vierte Gasthaus geschlossen, ohne dass ein neues öffnete. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundeamtes hervor. Bundesweit sank die Zahl der Schankwirtschaften von fast 48 000 auf 36 000 im Jahr 2010. Besonders betroffen vom Kneipensterben waren Hamburg (-48,1 Prozent) und Niedersachsen (-41,2). Gegen den Trend stemmte sich Berlin, hier stieg die Zahl der Wirtschaften um 95,8 Prozent. Deutlich bergab ging es auch in Bayern (-24,5 Prozent).

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In rund 500 Gemeinden gibt es demnach gar keine Gaststätte mehr. Die Ursachen sind die gleichen wie beim Verschwinden der Dorfläden. „Bevölkerungsrückgang auf dem Land, Mobilitätszuwachs, Veränderungen von Arbeitswelt und Freizeitverhalten und die Konkurrenz durch Vereinsheime“, listet Florian Kohnle vom Lehrstuhl der Kulturgeografie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt die Gründe auf. Insbesondere die immer besser ausgebauten Vereinsheime sind eine starke Konkurrenz für die Wirte. Inge Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Hotelund Gaststättenverbandes, spricht von „Wettbewerbsverzerrung“. In vielen Vereinsheimen herrsche inzwischen ein beinahe professioneller Barbetrieb – unversteuert und ohne behördliche Auflagen.

„Der Stammtisch existiert oft, wenn überhaupt, nur noch im Vereinsheim“, sagt auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) unserer Zeitung. In Bayern haben sich Gastronomen mittlerweile zu einer Gegenbewegung formiert. Sie schlossen sich zu einer Initiative „Feiern mit dem Wirt“ zusammen, um bei Festen und Veranstaltungen wieder mehr einbezogen zu werden. Zeil räumt eine Mitverantwortung der Politik ein: steigende bürokratische Auflagen für Mittelständler, auch die Debatte über das Rauchverbot. Er appelliert an Gastwirte, vor einer Aufgabe des Betriebs gründlich zu prüfen, ob Mittelstandskreditprogramme, regionale Wirtschaftsförderung, Tourismushilfen oder in Einzelfällen Gelder aus Denkmalschutzprogrammen helfen könnten. „Wir unterstützen nach Kräften“, verspricht er.

mr/cd

Rubriklistenbild: © dpa

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