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Elena Hammerschmid liebt Poetry Slam.

Das Portrait

Auf in die Poesie-Schlacht

Ehrlich, direkt, grenzenlos – das ist Poetry Slam für Elena Hammerschmid (16). Vor gut einem halben Jahr hat sie die Poesie-Schlachten für sich entdeckt und sich in das Genre verliebt. Nun wurde sie beim Landeswettbewerb Bayernslam U20-Meisterin – und das soll erst der Anfang gewesen sein.

Fünf Minuten Zeit hat Elena Hammerschmid beim Nachwuchswettbewerb des Bayernslam in der Münchner Schauburg, um das Publikum mit ihrem Text zu überzeugen. Kulanz: 15 Sekunden. Ob der Text sich reimt oder nicht, ist egal. Das Zeitlimit einzuhalten ist nicht einfach, denn die Uhr läuft nur hinter der Bühne. So sehen weder sie noch die rund 400 Zuhörer, wie viel Zeit schon verstrichen war.

„Poetry Slam ist wahnsinnig ehrlich und direkt.“

Doch Elena Hammerschmid hat ein Gefühl für ihre Gedichte. Sie zu schreiben liebt sie genau so sehr, wie sie vor Publikum vorzutragen. Mal trägt sie sie leise vor und langsam, dann lauter, mit mehr Tempo – und mit viel Humor. In ihrem Final-Text geht es um Angela Merkel und die Flüchtlingsproblematik. Das Fünf-Minuten-Limit hält die Gymnasiastin mühelos ein. Sie setzt sich letztlich bei den unter 20-Jährigen gegen sieben Konkurrenten durch. Die Elftklässlerin fühlt sich wohl auf der Bühne. Dabei hat sie die Lyrik-Schlachten erst vor einem guten halben Jahr für sich entdeckt.

„Poetry Slam ist wahnsinnig ehrlich und direkt“, sagt sie. „Und es gibt keine Grenzen.“ Es sei egal, ob ihre Texte lustig, ernst oder gar traurig sind oder ob sie von Politik oder der Fantasy-Welt von Herr der Ringe handeln. „Das Wichtigste ist, dass der Slammer seinen Text selber gut findet. Denn wenn er sich auf der Bühne schämt, überträgt sich das aufs Publikum“, erklärt sie. Slammer heißen die Lyrik-Artisten, die bei einem Poetry Slam gegeneinander antreten. Die Jury bilden zufällig ausgewählte Leute aus dem Publikum. Beim Bayernslam waren es sieben.

Automatisch für den nächsten Bayernslam qualifiziert

Mit ihren Reimen will die Schülerin ihre Zuhörer berühren. Sie sollen Spaß daran haben, ihr lauschen und ihre Botschaft verstehen. Gelungen ist ihr das schon bei ihrem ersten Dichterwettstreit im vergangenen Sommer. Spontan trat sie bei einem Poetry Slam an ihrer Schule an – und gewann prompt. „Das hat mir super gefallen, also habe ich weitergemacht.“ Ihre nächste Station war der Mälze-Slam in Regensburg vergangenen November. „Die Zuschauer waren richtig gut drauf“, erinnert sich Elena Hammerschmid. Das Publikum stand hinter ihr – und sie ging als Siegerin hervor.

Gerechnet hat sie damit nicht, denn ob ihre Texte gut sind, merkt sie erst auf der Bühne. Sie probt nur allein. „Meine Familie etwa würde mir ehrlich sagen, was sie denken, und das will ich vor einem Slam nicht hören“, erklärt sie lachend.

Mit dem Sieg beim U20-Bayernslam hat sich die Regensburgerin automatisch für den Wettkampf im kommenden Jahr qualifiziert. Da will sie ihren Titel verteidigen. Im Herbst finden die deutschsprachigen Meisterschaften statt. Im Mittelpunkt steht für sie aber nie der Wettkampf: „Ich bin mit vielen Slammern sehr gut befreundet. Es gibt den Begriff der Slamily, also der Slam-Family, und wir sind wirklich wie eine Familie.“ 

Regina Mittermeier

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