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Dank des Papstes aus dem Freistaat fühlten sich viele Bayern der Weltkirche ganz nah. Auch dem Papst lag seine Heimat sehr am Herzen.

Was bleibt im Freistaat von Benedikt XVI?

Das bedeutet der Papst-Rücktritt für Bayern

München - Gebirgsschützen im Vatikan, Trachtler in Castel Gandolfo: Dank des Papstes aus dem Freistaat fühlten sich viele Bayern der Weltkirche ganz nah. Auch dem Papst lag seine Heimat sehr am Herzen.

Wird Joseph Ratzinger noch einmal Bayern besuchen?

Ratzinger wird sich komplett zurückziehen, um seinem Nachfolger nicht im Weg zu stehen. Seine Gebrechlichkeit - der Grund für seinen Rücktritt - dürfte dem Reisen entgegenstehen. Aber: Sein Bruder Georg lebt nach wie vor in Regensburg. Gut möglich, dass sich die beiden hochbetagten Männer noch so oft wie möglich sehen möchten. Das dürfte dann aber abseits der Öffentlichkeit stattfinden.

Wie sehr ist der Papst seiner bayerischen Heimat emotional verbunden?

Bei seiner Reise in den Freistaat im September 2006 war Ratzinger sichtlich bewegt. Noch tiefer berührt zeigte er sich aber im August vergangenen Jahres, als eine Delegation des Erzbistums München-Freising für ihn an seinem Sommersitz Castel Gandolfo eine Art Heimatabend initiierte. Er habe sich richtig daheim gefühlt, sagte er damals. Die Bayern sollten ihrem Herrgott für ihr schönes Land danken. Die bayerische Volksfrömmigkeit und das Brauchtum schätzt er sehr, obwohl er schon vor seiner Wahl zum Papst lange Jahre in Rom gearbeitet hatte. An Weihnachten wurde ihm regelmäßig zu Weihnachten ein Christbaum und Gebäck nach Rom gebracht.

Pressestimmen zum angekündigten Papst-Rücktritt

Pressestimmen zum angekündigten Papst-Rücktritt

Und wie gut kennt er die Kirche und die Politik in Bayern?

Benedikt gilt als bestens informiert über die Vorgänge in den bayerischen Bistümern. Auch das politische Leben im Freistaat kennt er gut. Personalentscheidungen im Freistaat fällte Ratzinger wohlüberlegt. So holte er den einstigen Trierer Bischof Reinhard Marx als Erzbischof nach München und Freising und ermöglichte Marx damit eine Profilierung auf hoher Ebene. Umgekehrt war der Draht der bayerischen Hirten nach Rom kurz. Man habe sich mit ihm in der gleichen Sprache unterhalten können, das habe eine große Nähe hergestellt, sagt beispielsweise der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

Und jetzt?

Nun wird sich das sicher ändern. Egal wer Papst wird, der Freistaat Bayern wird aus dem Blickfeld rücken. Es wird keine regelmäßigen Besuche von bayerischen Politikern in Rom mehr geben. Denn im Pontifikat von Benedikt XVI. sonnten sich viele Politiker und andere Prominente im Glanze des Vatikan. Antrittsbesuche bayerischer Ministerpräsidenten waren obligatorisch - selbst der Protestant Günther Beckstein (CSU) unternahm seine erste Auslandsreise in den Vatikan.

Wird sich etwas an den Problemen der Kirche in Bayern ändern?

Das wird weniger von Rom abhängen, sondern vielmehr von den Menschen vor Ort. Das Bistum Regensburg, unter Gerhard Ludwig Müller noch tief gespalten, hat seit kurzem einen neuen Bischof. Es wird auf Rudolf Voderholzer ankommen, ob ein Neuanfang in der Diözese gelingt. Der Priestermangel zwar ist kein Problem, das alleine Bayern betrifft. Aber bei den Strategien zur Neuordnung der Seelsorge sind die Bischöfe vor Ort gefragt.

Was wird in Bayern von Benedikt XVI. bleiben?

Touristiker hatten sich gefreut. Ob Papst-Benedikt-Stadtführungen oder das Geburtshaus als Museum - der berühmte Kirchenmann sollte Gäste anlocken. Gut möglich, dass das Interesse nun etwas nachlassen wird. In Regensburg bleibt natürlich das „Institut Papst Benedikt“ erhalten, das sich den Werken und der Theologie von Joseph Ratzinger widmet. In seinem früheren Wohnhaus in Pentling nahe Regensburg ist eine Begegnungs- und Dokumentationsstätte eingerichtet worden.

dpa

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