Die Naturidylle lockt Millionen Touristen nach Bayern. dpa

Bedroht die Krise jetzt Bayerns Tourismus?

München - Nach fünf Rekordjahren in Folge droht der bayerischen Tourismusbranche heuer die Konjunkturdelle. Ein Vorschlag, wie die Wachstumsbremse gelöst werden könnte, liegt in der Schublade.

Eigentlich war die Jahrespressekonferenz zum Tourismus in Bayern ein erfreulicher Anlass. Die Zahlen für 2008 stimmen. Mit knapp 27 Millionen Gästen verzeichnet die Branche ihr fünftes Rekordjahr in Folge. Das Gastgewerbe verbuchte – entgegen dem Bundestrend – ein reales Plus beim Umsatz von einem Prozent. Vor allem im Winter wird der Freistaat immer beliebter. Seit Jahren klettern die Gästezahlen nach oben. Von November bis einschließlich April verbuchte man rund 18 Prozent mehr Übernachtungen als vor zehn Jahren im gleichen Zeitraum. Die Branche boomt.

Doch die allgegenwärtige Finanzkrise verdirbt auch am Freitag im Wirtschaftsministerium die Stimmung. „Sie glauben nicht, wie unsere Branche innerlich kocht“, hebt Siegfried Gallus, der Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes an. „Sollte sich an den Rahmenbedingungen nichts ändern, werden viele Betriebe den Winter nicht überleben.“ 82 Prozent aller Betriebe – egal ob auf dem Land oder in der Stadt – spürten die Wirtschaftskrise bereits. Zum Teil „sehr deutliche Umsatzeinbrüche“ seien die Folge. In schlechten Zeiten würden zwar mehr Deutsche ihren Urlaub im Inland verbringen, dafür blieben zunehmend ausländische Reisende aus. Auch die Zahl der Geschäftsreisen werde spürbar zurückgehen.

Das beste Rezept, um dem drohenden Hotelsterben entgegenzutreten, sei die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent für die Tourismusbranche. Energisch unterstützt Gallus eine entsprechende Bundesratsinitiative der Staatsregierung und droht unterschwellig: „Wir werden sehr genau beobachten, wer uns unterstützt.“

Mit FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil hat Gallus einen Freund im Geiste gefunden. „Die Milliarden scheinen zurzeit sehr locker zu sitzen“, sagt er. In solchen Zeiten – so seine Schlussfolgerung – müsse auch Geld für den Tourismus vorhanden sein.

Im Gegenzug gehörten die zahllosen Ausnahmen bei der Mehrwertsteuer auf den Prüfstand. „Wissen sie den Unterschied zwischen einem kalten und einem warmen Leberkäs?“, fragt Gallus. „Zwölf Prozentpunkte.“ Auch die Bundesregierung könne das nicht erklären, meint Zeil. „Das versteht kein Mensch.“

Bis zu 70 000 neue Arbeitsplätze könnten im Gastgewerbe entstehen, wenn die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent sinke. „Das wiederum kann man erklären“, meint Zeil. Schätzungen zufolge würde das Steuergeschenk rund 3,5 Milliarden Euro kosten. Anlass für Gallus, noch einmal nachzulegen: „Die Rettung einer einzigen Landesbank verschlingt ein Vielfaches dessen, wovon man bundesweit eine ganze Branche retten könnte.“

Die Bayern-SPD wird derweil ihrer Oppositions-Rolle gerecht und erinnert, dass es Horst Seehofer war, der als damaliger Bundesminister die Erhöhung der Mehrwertsteuer federführend mit durchgesetzt habe. Der Wirrwarr bei den reduzierten Sätzen sei bereits schlimm genug, so Fraktionsvorsitzender Franz Maget. „Anstatt endlich für Transparenz zu sorgen, wollen CSU und FDP weiterhin jeder Klientelgruppe einen eigenen Mehrwertsteuersatz schnitzen.“ Das sei keine seriöse Steuerpolitik.

Von Thomas Schmidt

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