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Fliegender Wechsel: Wenn Schüler im G9 aufs G8 wollen, dann sind sie auf der „Überholspur“. 

In der 8. Klasse kann man sich entscheiden

Begabte Schüler sollen schneller ans Ziel kommen: Das G9 erhält eine G8-Überholspur

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Das neue G9 nimmt Formen an. Das Kultusministerium hat Pläne für die „Überholspur“ vorgelegt. Das bedeutet: Begabte Schüler sollen das Gymnasium weiterhin in acht Jahren absolvieren. Wie viele das sein werden, ist eine der spannenden Fragen.

München – Das neunjährige Gymnasium hat gerade erst begonnen. Die Schüler, die derzeit in der 5. und 6. Klasse sind, werden die ersten G9-Abiturienten sein, alle älteren Schüler sind noch G8. Daher ist die Überholspur eine Sache für die Zukunft, nicht für heute. Sie wird erst im Jahr 2021 aktuell. Der neue Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) stellte die Planungen vor. Er sprach von einem „G8 in einem grundständigen G9“ und einem „hoch attraktiven“ Angebot.

Und das sieht wie folgt aus: In der 8. Klasse sollen sich die Schüler entscheiden, ob sie der darauffolgenden 9. und 10. Klasse die „Überholspur“ besuchen. Piazolo nennt das „Modulphase“. Sie besteht aus einem zweistündigen Seminar am Nachmittag. Im wöchentlichen Wechsel wird dabei Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache belegt, in der 10. Klasse kommt ein Fach nach Wahl („Profilfach“) hinzu. Die Schüler bekommen einen Lehrer ihrer Wahl als „Mentor“ an die Seite gestellt, so dass individuelles Lernen garantiert sei. Allerdings wird vorausgesetzt, dass der Schüler eine zusätzliche Studierzeit im Umfang von ungefähr zwei Stunden je Woche zu Hause investiert – und zwar für selbständige Auseinandersetzung mit dem Schulstoff sowie Zusatz-Hausaufgaben. Am Ende der 10. Klasse gibt es eine Art Bestandsaufnahme: Hat der Schüler so viele Zusatz-Kompetenzen erhalten, dass er die 11. Klasse überspringen darf? Falls ja, rückt er im nächsten Schuljahr direkt in die 12. Jahrgangsstufe vor.

In der Überholspur 38 Stunden für den Zehntklässler

Als sich die CSU-Landtagsfraktion vor zwei Jahren mit Hängen und Würgen auf die Rückkehr zum G9 einließ, war die Überholspur die Bedingung dafür. Die Erwartungshaltung damals war riesig: Bis zu 40 Prozent der Schüler sollten so für das G8 erhalten bleiben. Davon ist nun keine Rede mehr. Die Überholspur sei „für anstrengungsbereite, begabte Schüler“ gedacht, sagte der Vorsitzende des Philologenverbands, Michael Schwägerl, der das Konzept zusammen mit Direktorenvereinigung, Eltern-Vertretung und Landesschülerrat mit entworfen hat. Er rechne mit etwa zehn bis 15 Prozent Teilnahme. Immerhin komme auf die Schüler einiges an Mehrbelastung zu – denn ein Zehnklässler hat im G9 ohnehin schon 34 Schulstunden. Wenn man zweistündiges Seminar am Nachmittag und die „Studierzeit“ dazuzähle, sei man bei mindestens 38 Stunden. „Es wird im ersten Jahr nicht der große Renner sein“, meinte Walter Baier, Vorsitzender der Direktorenvereinigung und Leiter eines Gymnasiums in Bruckmühl. Gleichwohl versprach er, für das Konzept offensiv zu werben, denn es sei für Schulen „leicht zu organisieren“.

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Susanne Arndt, Vorsitzende des Landeselternvereinigung, fand lobende Worte für die neuen „Mentoren“. Allerdings ist noch offen, für wie viele Schüler so ein Mentor zuständig sein darf. „Maximal drei“, verlangte Arndt. Die Lehrer sollten von den Schülern frei gewählt werden, meinte Landesschülerrat Florian Schwegler. Die „Chemie“ müsse stimmen. Wenig freundlich urteilte der Bildungsexperte der Landtags-Grünen, Thomas Gehring: Er sprach von einer „Billigversion des früheren CSU-G8“ und von einem „ganz schwachen Aufschlag des FW-Kultusministers“.

Als nächster Schritt werden nun die Gymnasien informiert. Sie sollen sich melden, wenn sie Detailprobleme sehen. Auch die Frage, wie viele zusätzliche Lehrerstunden sie für die Überholspur veranschlagen dürfen, wird sie umtreiben. Eine fixe Antwort gibt es noch nicht. Er schätze, dass pro Schule etwa eine halbe Stelle notwendig sein werde, meinte Schwägerl. Piazolo wollte dazu nichts versprechen.

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