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Die Führerscheinprüfung könnte künftig möglicherweise schon mit 16 Jahren abgelegt werden

Begleitetes Fahren

Pro und Contra: Schon mit 16 Jahren hinterm Steuer?

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Die Verkehrsminister der Länder wollen das begleitete Fahren schon ab 16 Jahren ermöglichen. Sind die Jugendlichen da schon bereit für die Gefahren des Straßenverkehrs?

München – Seit fast 40 Jahren bringt Georg Meier den Wolfratshausern in seiner Fahrschule „kmh“ das Autofahren bei. Der 61-Jährige hat neben unzähligen Fahrschülern auf dem Beifahrersitz gesessen, ihnen das Anfahren am Berg und den richtigen Schulterblick eingetrichtert. Bald könnten seine Schüler noch jünger werden als bisher. Denn die Verkehrsminister der Länder haben vergangene Woche einen Vorstoß gebilligt, wonach Jugendliche künftig schon mit 16 Jahren begleitet Auto fahren könnten. Der Vorschlag für den Modellversuch kam von den Ländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) sagte gegenüber unserer Zeitung: „Wir unterstützen das, weil damit die aktive Begleitung eines jungen Fahranfängers verlängert wird.“ Bevor der Führerschein mit 16 allerdings kommen kann, muss erst noch die EU-Kommission überzeugt werden. Im Herbst soll der EU-Führerschein-Ausschuss zu dem Thema tagen.

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Unter Experten wird die Idee grundsätzlich positiv aufgenommen. So sagt Alexander Kreipl vom ADAC Südbayern: „Wir haben schon mit dem Führerschein mit 17 sehr positive Erfahrungen gemacht. Je länger junge Fahrer begleitet werden, desto sicherer werden sie.“ Laut Zahlen des ADAC machen rund 50 Prozent der Fahrschüler in Bayern den Führerschein schon mit 17. „Mit einem Führerschein ab 16 könnten wir die Quote beim begleiteten Fahren auf 70 oder sogar 80 Prozent steigern.“ Laut einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen verringern die zusätzlichen Kilometer unter Aufsicht – im Schnitt sind es 3800 pro Jahr – das Unfallrisiko im ersten selbstständigen Jahr um ein Fünftel. Zudem werden deutlich weniger Verkehrsordnungswidrigkeiten begangen. Vergleicht man die Unfallzahlen der 17-jährigen Autofahrer mit denen der etwa gleich großen Gruppe der 67-Jährigen, ist der Unterschied ohnehin frappierend: Die Senioren waren im vergangenen Jahr an mehr als sechs Mal so vielen Unfällen in Bayern beteiligt.

Fahrlehrer Georg Meier.

Was die Sicherheit angeht, sieht auch Fahrlehrer Georg Meier nur Vorteile. „Die Übung schadet niemandem.“ Skeptisch ist er wegen eines anderen Aspekts. „Schon bei den 17-Jährigen stellen wir fest, dass viele sich mit dem Führerschein sehr viel mehr Zeit lassen als früher“, sagt Meier. „Da pritschelt die Ausbildung so dahin. Mancher Fahrschüler braucht über ein Jahr, bis er mal zu Potte kommt.“ Er fürchtet, dass sich dieser Trend mit einem Herabsetzen der Altersgrenze verstärken könnte. „Und das ist weder organisatorisch noch für eine gute Ausbildung zielführend.“ Deshalb hat sich der bayerische Fahrlehrerverband bislang gegen die Initiative ausgesprochen.

Die Sorgen mancher Eltern, dass nicht jeder 16-Jährige reif genug für den Straßenverkehr sei, teilt Meier nicht. „Mein Eindruck aus der Praxis ist: Die jungen Leute sind sehr lernwillig und in der Regel auch nicht unsicherer als ältere Fahrschüler.“ Eher vermisse er bei manchen Eltern das Vertrauen in den eigenen Nachwuchs. Alexander Kreipl vom ADAC betont außerdem, dass 16-Jährige ja schon jetzt mit dem Motorrad unterwegs sein können – unbegleitet, mit Beifahrer, teilweise bis zu 100 Stundenkilometer schnell. Warum also solle man den Jugendlichen eine begleitete Autofahrt nicht zutrauen?

Diskussionsstoff liefert dagegen ein weiterer Nebenaspekt: Denn sollte der Führerschein ab 16 erlaubt werden, wäre darin wie bisher auch die Führerscheinklasse AM enthalten. 16-Jährige könnten dann also mit Krafträdern bis Tempo 45 fahren – ohne Begleiter und ohne gesonderte Zusatzausbildung. „Das ist nicht unproblematisch“, sagt Meier. Er würde es für sinnvoll halten, diese Führerscheinklasse bei einer Reduzierung der Altersklasse abzukoppeln.

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