Dioxin: Teilentwarnung für Bayern

München - Die abschließenden Ergebnisse werden erst später vorliegen - doch erste Stichproben machen Hoffnung: Bayern könnte im Skandal um Dioxin-belastete Eier weniger stark betroffen sein als befürchtet. Die Staatsregierung gerät trotzdem immer stärker in die Kritik.

Im Skandal um Dioxin-belastete Eier aus Niedersachsen haben die bayerischen Gesundheitsbehörden am Freitag teilweise Entwarnung gegeben. Die an einen Oberpfälzer Großhändler gelieferten 410 000 Eier seien anscheinend keineswegs alle mit Dioxin belastet. Dies geht aus jüngsten Untersuchungen des bayerischen Landesamtes für Gesundheit- und Lebensmittelsicherheit (LGL) hervor. Politiker von FDP, SPD und Grünen forderten unterdessen schärfere Futter- und Lebensmittelkontrollen, um solche Skandale in Bayern zu verhindern.

Nach Angaben des Landesamtes sind in einer kleineren Charge von knapp 22 000 Eiern, die ein bayerischer Weiterverarbeiter zu Flüssigei vermischt habe, nur ganz geringe Mengen des gefährlichen Stoffes festgestellt worden. Die untersuchten Flüssigeiproben hätten maximal 0,3 Picogramm Dioxin pro Gramm Fett aufgewiesen, teilte die Behörde am Freitag in Erlangen mit. Der zulässige Grenzwert liege aber bei drei Picogramm. Die Ergebnisse basierten auf fünf Proben, sagte eine Behörden-Sprecherin.

Trotzdem blieben die bayerischen Behörden in Alarmbereitschaft, betonte die LGL-Sprecherin. Denn bislang seien die Informationen aus Niedersachsen unzureichend. “Es gibt zu wenig Informationen über weitere Vertriebswege möglicherweise belasteter Ware. Bayern drängt daher auf rasche und umfassende Auskunft“, heißt es in der Behördenmitteilung.

Um zu verhindern, dass auch in Bayern Dioxin-belastetes Futtermittel in Hühner- und Schweineställe gelangt, plane der Freistaat vorsorglich Futtermittelkontrollen, heißt es. Zusätzlich würden Lebensmittelkontrolleure Proben bei Eiergroßhändlern und fleischverarbeitenden Betrieben nehmen. Dabei sollen auch die Lieferbeziehungen der bayerischen Unternehmen zu Bundesländern überprüft werden, die von dem Futtermittelskandal betroffen seien.

Nach LGL-Einschätzung ist nicht auszuschließen, dass Eier aus der Produktion des niedersächsischen Erzeugers in den bayerischen Einzelhandel gelangt sind. Verbraucher sollten daher auf den Verzehr von Eiern aus Betrieben verzichten, die in den Dioxin-Skandal verwickelt sind. Erkennen könnten Verbraucher die Herkunft der Eier anhand der Stempelnummern; eine entsprechende Liste hat das LGL auf der Internetseite der Behörde unter www.lgl.bayern.de veröffentlicht.

Die bayerischen Behörden waren in den vergangenen Tagen in Alarmbereitschaft versetzt worden, nachdem sie bei einem ostbayerischen Großhändler auf Dioxin-belastete Eier eines niedersächsischen Erzeugers gestoßen waren. Bei den ersten Proben lagen die Dioxin-Werte deutlich über den vorgegebenen Grenzwerten. Nach Angaben der Regierung der Oberpfalz waren im Dezember sechs verdächtige Lieferungen an den Großhändler gegangen. Die Eier stammten von einem Betrieb, in dem das dioxinverseuchte Futter an Hühner verabreicht worden war.

Nach Ansicht der Milchviehhalter ist der Dioxin-Skandal Auswirkung einer verfehlten Agrarpolitik. Eine Politik, die darauf ausgerichtet sei, Lebensmittel immer billiger zu produzieren habe fatale Auswirkungen auf Gesellschaft und die Produzenten, betonte der Bundesverband Deutscher Milchviehalter (BDM) in einer Stellungnahme. Der Verband sprach sich daher für eine offene Deklaration von Futtermittel aus.

Unterdessen gerät auch die bayerische Staatsregierung in die Kritik. Ihr Krisenmanagement sei mangelhaft, kritisierten etwa die Grünen im Landtag. Das der Regierung unterstellte Landesamt habe eine “äußerst schleppende Aufklärungspolitik an den Tag gelegt“. Viel zu spät habe die Behörde die Stempelnummern der womöglich belasteten Eier veröffentlicht. Die Landtags-SPD sprach sich am Freitag für eine schärfere Kontrolle der Futtermittelindustrie aus. Und auch die FDP, die zusammen mit der CSU in der Regierung sitzt, forderte effizientere Lebensmittelkontrollen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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