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Der Rottenbucher Fohlenmarkt im Jahr 1940.

"Bei manchem Bauern war das Ross noch mehr wert als die Frau"

Rottenbuch - Als in Bayern die Feldarbeit noch Knochenarbeit war: Bilder aus dieser Zeit zeigt die Foto-Ausstellung "Alte bäuerliche Arbeitswelten in Rottenbuch (Kreis Weilheim-Schongau).

Wer weiß, was eine Riffel ist? Oder eine Breche? Eine Hechel? Die Antwort fällt vermutlich jedem schwer, der nicht vor gut einem halben Jahrhundert auf dem Bauernhof aufgewachsen ist. Denn dabei handelt es sich um Arbeitsgeräte, mit denen Landwirte Flachs bearbeitet haben. Einen Einblick in „Alte Bäuerliche Arbeitswelten“ vermittelt eine gleichnamige Ausstellung der Gemeinde Rottenbuch (Kreis Weilheim-Schongau) im Fohlenhof.

Auf über 250 digital restaurierten Fotografien tut sich den Besuchern eine Welt auf, in der die Felder noch mit Muskelkraft statt Maschinen bestellt wurden. Eine Zeit wird lebendig, „in der bei manchem Bauern das Ross noch mehr wert war als die Frau“, wie Rottenbuchs Bürgermeister Andreas Keller bei der Eröffnung sagte. „Die Rösser waren damals wichtige Arbeitstiere. Wenn eines gestorben ist, dann war unter Umständen die berufliche Existenz bedroht.“

Hinter der Bilderschau stehen die engagierten Heimatforscher Lorenz Obermaier und Gebhard Schauer aus Rottenbuch. Mehrfach haben sie in mühevoller Detailarbeit derartige Fotoausstellungen organisiert – etwa über den Geistlichen Jakob Mois oder über den Bau der Echelsbacher Brücke.

In den „alten bäuerlichen Arbeitswelten“ sind vorwiegend Szenen von der Hofarbeit zu sehen: Bauern beim Mähen mit der Sense, bei der Heuernte oder beim Rechen auf dem Feld. Dazwischen haben Obermaier und Schauer possierliche Bilder gereiht: Da reitet ein Bub auf einem Ochsen, dort spielen zwei Mädchen mit Küken. „Die Mehrzahl der Fotografien stammt aus Rottenbuch und aus der Zeit vom Anfang bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts“, erläutert Obermaier.

Die Organisatoren haben im Fohlenhof den passenden Ort für ihre Ausstellung zu den bäuerlichen Arbeitswelten gefunden: Im Mittelalter wurde der Hof als Wirtschaftsgebäude des Augustiner-Klosters Rottenbuch genutzt. Noch bis Anfang der 1960-er Jahre war darin ein landwirtschaftliches Gut untergebracht.

Öffnungszeiten:

Die Ausstellung „Alte bäuerliche Arbeitswelten“ ist noch bis Sonntag, 9. November, im Fohlenhof zu sehen. Öffnungszeiten: Samstags, sonntags, dienstags und donnerstags, jeweils von 14 bis 18 Uhr.

So finden Sie die Ausstellung:

Rottenbuch liegt an der Bundesstraße 23, zwischen Peiting und Bad Bayersoien (siehe Karte rechts oben). Der Fohlenhof befindet sich im Ortszentrum von Rottenbuch, direkt an der Kreuzung der B 23 und der Staatsstraße 2058.

Aus Richtung München kommend fahren sie über Starnberg, Weilheim, Peißenberg und Böbing nach Rottenbuch.

Aus Richtung Garmisch-Partenkirchen kommend fahren Sie über Oberau, Ettal, Oberammergau, Unterammergau, Saulgrub und Bad Bayersoien nach Rottenbuch.

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