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Stolzer Bergretter: Armin Berner aus Garmisch-Partenkirchen mit seiner silbernen Plakette, die er von Innenminister Joachim Herrmann für seine Verdienste um die Bergwacht Bayern überreicht bekam. 

Ehrung für langjährigen Einsatz der Bergwacht

Bergretter ausgezeichnet: Die Helden auf Bayerns Gipfeln

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In der Münchner Residenz sind 18 Mitglieder der Bergwacht Bayern für ihren langjährigen Einsatz geehrt worden. Darunter Armin Berner aus Garmisch-Partenkirchen. Er hat viele unvergessliche Einsätze hinter sich. Einen sogar wegen einer Google-Panne.

München – Dem Google-Übersetzer bedingungslos zu vertrauen, ist so eine Sache. Nicht selten spuckt das Programm Sätze mit gänzlich verfälschtem Sinn aus. Einer Gruppe von tschechischen Männern wäre dies 2005 beinahe zum Verhängnis geworden. Bergretter Armin Berner, der gestern mit einer Ehrenplakette ausgezeichnet wurde, erinnert sich an einen seiner skurrilsten Einsätze.

Zur Vorbereitung auf ihre Tour über den Jubiläumsgrat, der Alp- und Zugspitze verbindet, hatten die Tschechen den deutschen Beschreibungstext in das Übersetzungsprogramm eingegeben – und waren zu dem Trugschluss gekommen: alles halb so wild, geht auch ohne Kletterausrüstung. Eine fatale Fehleinschätzung, wie Berner weiß. Gemeinsam mit seinen Kollegen von der Garmisch-Partenkirchner Bergwacht rückte der Notarzt damals aus, um die überforderten Hobby-Bergsteiger von der anspruchsvollen Route im Wetterstein-Massiv zu bergen. „Sie waren komplett entkräftet und unterkühlt“, sagt Berner. Zusätzlich litt einer der Männer an einem Höhen-Lungen-Ödem. Heißt: aufgrund von Sauerstoffmangel hatte sich Wasser in der Lunge angesammelt. „Eine äußerst ungewöhnliche Erscheinung in den bayerischen Alpen“, versichert Berner. „Wir waren sehr überrascht und hatten große Sorge, dass er uns wegstirbt.“ Doch Berner und Co. kämpften um den Mann – mit Erfolg: Am Ende überlebten alle Teilnehmer ihren Höllen-Bergtrip.

Wegen Einsätzen wie diesem und seiner 35-jährigen Diensttreue ist Berner nun neben 17 anderen Bergrettern von Joachim Herrmann geehrt worden (siehe Kasten). Der Bayerische Innenminister verlieh im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz Leistungsauszeichnungen für besondere Verdienste um die Bergwacht Bayern.

Herrmann (CSU) sparte bei seiner Rede nicht mit Lob für die Ehrenamtler. „Für mich sind sie die wahren Helden des Alltags“, betonte er. Die rund 3500 aktiven Einsatzkräfte der Bergwacht Bayern seien mit ihrer Bereitschaft, nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere zu denken, Vorbilder für die gesamte Gesellschaft. Ein Verhalten, das Herrmann belohnen will. Um den hohen Standard bei Ausbildung und Ausrüstung zu sichern, versprach er auch in Zukunft finanzielle Unterstützung seitens des Freistaates. Allein im Doppelhaushalt 2017/2018 stünden hierfür mehr als sechs Millionen Euro zur Verfügung. Denn: „Retten und bergen will gelernt sein.“

Berner freut sich selbstverständlich über solche Nachrichten. Weiß der leitende Oberarzt im Klinikum Garmisch-Partenkirchen doch, dass die Einsätze in den bayerischen Alpen gewiss nicht weniger werden. „Vielen Leuten fehlt es heutzutage an Vernunft und Verantwortungsgefühl“, moniert er. „Dass man etwa trotz der technischen Möglichkeiten, dank denen man mit Handy-Apps Regenschauer bis auf zehn Minuten vorhersagen kann, bei schlechtem Wetter mit seinen Kindern einen Klettersteig geht, kann ich nicht verstehen.“ Allerdings ist Berner wichtig, dabei nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf andere zu deuten. Solche Beispiele zeigen nur, dass noch viel Aufklärungsbedarf innerhalb der Bevölkerung bestehe. „Wir sind alle Menschen und Menschen machen Fehler. Das ist nun mal so. Wenn jeder immer alles richtig machen würde, bräuchte es uns Bergretter ja praktisch gar nicht.“

Die ausgezeichneten Bergretter 

Insgesamt 18 Männer bekamen eine Plakette überreicht: 

In Gold: Bruno Büchs (Bischofsheim), Manfred Falkner (Passau), Herbert Forster (Hinterstein), Thomas Küblbeck (Marktschellenberg) und Rudi Wuttig (Bayrischzell). 

In Silber: Wulf Beer (Kaufbeuren), Armin Berner (Garmisch-Partenkirchen), Jürgen Dörfler (Bischofsheim), Martin Greinwald (Bad Kohlgrub), Manfred Keller (Füssen), Manfred Kleinhans (Wertach), Engelbert Mayer (Inzell), Michael Schmid (Steingaden) und Achim Tegethoff (Marquartstein). 

In Bronze: Hans Fischl (Viechtach), Edgar Göhr (Frankenjura), Peter Kolbeck (Furth im Wald) und Markus Unglaub (Bischofsgrün).

von Simon Nutzinger

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