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Er hatte einen Schutzengel: Ein Altöttinger (21) stürzte am Blaueisgletscher in den Berchtesgadener Alpen 100 Meter in die Tiefe – und überlebte. Er zog sich allerdings schwere Verletzungen zu und musste im Luftrettungssack ins Tal geflogen werden.

Bergsteiger überlebt 100-Meter-Sturz

Ramsau/Schönau - Ein Bergsteiger aus Altötting wäre um ein Haar nicht mehr von seiner Tour in den Berchtesgadener Alpen zurückgekehrt: Er stürzte 100 Meter in die Tiefe – doch er überlebte. Zwei Bergsteiger konnten nur noch tot geborgen werden.

Der Traum vom Gipfelsturm Ende November – für drei Bergsteiger in den Berchtesgadener Alpen wurde er zum Albtraum. Dabei hatte ein 21-jähriger Altöttinger noch Glück im Unglück: Er rutschte am Samstag am Blaueisgletscher am 2607 Meter hohen Hochkalter rund 100 Meter weit ab – doch er überlebte, wenn auch schwer verletzt. Eine 29-jährige Frau aus Lauf an der Pegnitz (Kreis Nürnberger Land) und ein 51-jähriger Mann aus dem Kreis Traunstein starben jedoch im Gebirge.

Die Stelle, an der der Altöttinger am Samstag am Blaueisgletscher abrutschte, scheint unfallträchtig zu sein. Am 30. August verunglückten dort bereits zwei Bergsteiger, ein 39-jähriger Mann aus der Nähe von Augsburg und ein 54-Jähriger aus dem Kreis Traunstein, tödlich. „Für den Altöttinger ging die Tour über das Blaueis weitaus glimpflicher aus“, sagt Rudolf Fendt von der Bergwacht. Der Bergsteiger wollte über den Gletscher zum Hochkalter-Gipfel aufsteigen. Oberhalb der so genannten Randkluft verstieg er sich im Fels, stürzte im freien Fall etwa 15 Meter auf den Gletscher und rutschte weitere 100 Meter ab. Dabei überschlug er sich mehrmals. „Zum Glück konnte er sich aber wieder von selber fangen“, sagt Rudolf Fendt.

Zwei Bergsteiger, die hinter dem Verunglückten aufstiegen, beobachteten den Unfall und leisteten sofort Erste Hilfe. Per Handy riefen sie bei der Traunsteiner Rettungsleitstelle an. Die Bergwacht Ramsau (Kreis Berchtesgadener Land) und der Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ machten sich sofort auf den Weg. Der Helikopter setzte in etwa 2100 Metern Höhe einen Luftretter am Gletscher ab. Der Altöttinger war schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt. Er musste jedoch liegend transportiert werden.

Eine Frau (29) aus Lauf konnte dagegen am Samstag nur noch tot geborgen werden. Nachdem die Bergsteigerin am Freitagabend nicht nach Hause gekommen war, alarmierte ihr Lebensgefährte die Polizei. Die Beamten fanden ihr Auto in Schönau am Königssee (Kreis Berchtesgadener Land) – und starteten eine Suchaktion mit rund 100 Einsatzkräften. Um ein Uhr in der Nacht mussten sie die Aktion abbrechen, sie ging jedoch gleich am Samstagmorgen weiter. Ein Polizeihubschrauber entdeckte die tote Frau schließlich in der Archenwand, 100 Meter unterhalb der Archenkanzel. Die 29-Jährige war etwa 100 Meter tief abgestürzt. Sie war zuvor mit dem Schiff über den Königssee gefahren und wollte auf die Kührointhütte.

Auch ein 51-jähriger Mann aus dem Kreis Traunstein ließ am Sonntag in den Berchtesgadener Alpen sein Leben. Mit einem Begleiter stieg er am Nachmittag vom Hochstaufen über den „Steinernen-Jager-Steig“ ab. Dabei stürzte er rund 200 Meter in die Tiefe. Er zog sich schwerste Verletzungen zu und starb noch an der Absturzstelle.

Wegen des schönen Wetters stürmten die Wanderer am Wochenende noch einmal die Berge. „Das war das stärkste Wochenende im ganzen Herbst“, sagt Gabi Papesch, Wirtin der Waldherr-Alm bei Wackersberg. Sie spricht von einem „Massenansturm“. Das sei ungewöhnlich für Ende November. Normalerweise sei es jetzt „tot“. Auch wer auf die Zugspitze wollte, brauchte Geduld: Der Ansturm war so groß, dass man am Samstag vom Parkplatz bis aufs Zugspitzplatt gut 75 Minuten brauchte.

Nina Gut

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