Bergunfall am Hohenstaufen: Rettung in letzter Minute

Bad Reichenhall - Es war eine schwierige Situation für die Bad Reichenhaller Bergwacht am Samstagabend: Ein Bergsteiger liegt schwer verletzt am Hohenstaufen, auf 1700 Metern.

Eben noch waren die beiden Bergsteiger in der Staufenhütte gesessen. Sie hatten für den Abstieg auf ein kleines Wetterfenster gewartet. Es ist Samstagabend am Hohenstaufen, das Wetter ist unbeständig. Als die Wolken aufreißen, ziehen die beiden Salzburger Wanderer weiter. Kurz danach passiert es. Nur ein „Hoppala“-Schrei ist zu hören – dann rutscht jemand ab. Staufenwirt Andreas Frommelt springt auf, rennt den Weg von der Hütte hinunter. Einer der Männer kommt ihm schon entgegen: Sein Kletterpartner ist abgestürzt, ruft er. Nur wenige Meter zwar. Aber: Der Unterschenkel ist gebrochen. Er muss sofort geborgen werden. Sofort.

Andreas Frommelt ist schon in der dritten Saison Wirt auf der Staufenhütte. „So etwas kommt leider immer wieder mal vor“, erzählt der Wirt später. „Aber mit so schweren Verletzungen haben wir Gottseidank nicht oft zu tun.“ Frommelt rennt zurück zur Hütte und alarmiert die Bergwacht. Es ist 18.46 Uhr. Er packt seinen Erste-Hilfe-Koffer und rennt zur Absturzstelle am Jagersteig. Da liegt der Salzburger in einer Mulde – glücklicherweise ist er nur wenige Meter abgerutscht. Frommelt sieht sofort: Eine schwere Beinverletzung. Der Wirt und der Kletterpartner können zwar ohne Probleme zum Verletzten hinabsteigen. „Bei solch einem Bruch kann man aber nicht viel machen. Wir haben versucht, ihn warm zu halten.“ Dann heißt es: Warten. Auf Rettung.

Die Zeit verrinnt. Und die nächste Regenwolke zieht schon unheilvoll hinter dem Berg auf. Zu allem Überfluss wird es langsam dunkel – die Umstände für eine Rettung per Hubschrauber verschlechtern sich zusehends. Und der Verletzte hat furchtbare Schmerzen. Die Minuten ziehen dahin. Es dauert nur eine Viertelstunde, bis Rettung auftaucht – den drei Männern kommt es wie eine Ewigkeit vor.

Das Team des Rettungshubschraubers Christoph 14 muss erst einmal die Lage überblicken: Die Unfallstelle liegt 1700 Meter hoch, die Wetterlage ist ungewiss. Der Pilot dreht noch einmal um, zurück in die Reichenhaller Kaserne, um einen Notarzt und den Einsatzleiter zu holen. Sie werden per Rettungstau an die Unfallstelle gebracht, noch vor Ort müssen sie den schwerverletzten 43-Jährigen versorgen und ihn transportfähig machen. Am Rettungstau wird er mit dem Arzt ins Tal geflogen, von dort per Rettungswagen in die Klinik Bad Reichenhall gebracht. „Kurz bevor es dunkel wurde und unmittelbar vor den nächsten schweren Regenschauern“, erzählt Markus Leitner vom Roten Kreuz. Gerade noch rechtzeitig. Kurz darauf wird es eiskalt auf dem Hohenstaufen: In der Nacht gibt es 20 Zentimeter Neuschnee.

Nun gehe es dem Verletzten den Umständen entsprechend gut, hat Frommelt erfahren. Er ist heilfroh über den Ausgang der Geschichte. Der Weg war wohl glitschig, der Mann ist einfach ausgerutscht. „Die beiden waren erfahrene Bergsteiger“, sagt Frommelt achselzuckend. „So etwas passiert eben.“

Nina Praun

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