Ein Bergwachtmann und eine aus dem Schnee geretteten Person werden bei einer Lawinenübung des Alpinen Einsatzzuges der Polizei und Bergwacht in einen Polizeihubschrauber gezogen
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Die Bergwacht Bayern ist der Helfer in der Not, wenn es um die Rettung aus unwirtlichem Gelände geht.

Rettungsdienste in Bayern

Bergwacht Bayern: Alle Infos zur Organisation

An Berghängen, auf Skipisten oder in Höhlen – die normale Feuerwehr ist in solchen Gebieten schnell überfordert. Anders die Bergwacht Bayern – die ausgebildeten Helfer retten Menschen auch aus großen Höhen oder Höhlen.

  • Seit 1920 retten vornehmlich ehrenamtliche Helfer in Bayern in Not geratene Menschen aus den Bergen.
  • Die Bergwacht Bayern gehört heute zum Deutschen Roten Kreuz (DRK), früher war sie Teil des Alpenvereins.
  • Die Bergwacht Bayern hat etwa 3.500 ehrenamtliche Mitglieder, die pro Jahr etwa 8.500 Einsätze bewältigen.

Bad Tölz – Etwa ab 1850 wurde Wandern zur Mode. Es gründeten sich zahlreiche Wander- und Gebirgsvereine. Der Adel und das Bürgertum entdeckten die Welt zu Fuß, denn das galt als chic und modern. Entsprechend stark wuchs der Tourismus in den bayerischen Mittelgebirgen und Alpen. Unfälle waren nicht selten. Daher entstand 1896 die erste Bergrettung im österreichischen Mürzzuschlag in der Steiermark. Die Idee verbreitete sich und zwei Jahre später erfolgte die Gründung des „Alpinen Rettungsausschusses“ in München als Teil des Deutschen Alpenvereins und Vorläufer der Bergwacht Bayern.

Bergwacht Bayern: Entstehungsgeschichte

In den nachfolgenden Jahren entstanden Standorte für alpine Rettungsstellen von Berchtesgaden bis zum Allgäu, die gemeinsam vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein betrieben wurden. Zuständig für den Unterhalt waren immer die örtlichen Sektionen dieser Vereinigungen. Im Jahr 1920 entschieden sich die Sektionen, die Bergwacht Bayern als „Sitten- und Naturschutzwacht“ zu gründen. Noch im gleichen Jahr folgten Standorte in Bad Tölz, Mittenwalde und Wolfratshausen, wo Sektionen eine Bergwacht einrichteten. In Bad Tölz hat die Bergwacht Bayern bis heute ihren Hauptsitz.

In der Zeit vor 1920 waren der Rettungsdienst in den Bergen und die Rettung in Skigebieten getrennt organisiert. Während sich die Vorläufer der Bergwacht Bayern um Wanderer und Bergsteiger sowie den Schutz der Natur kümmerten, war der „Gebirgsunfalldienst“ des Roten Kreuzes für Skifahrer zuständig. Deren Einsatzgebiete waren allerdings auf wenige Standorte und Brennpunkte beschränkt.

1923 übernahm die Bergwacht Bayern noch unter dem Namen „Deutsche Bergwacht“ den Rettungsdienst in den bayerischen Alpen und Mittelgebirgen flächendeckend. 1945 wurde der Deutsche Alpenverein als nationalsozialistische Organisation verboten. Die Bergwacht wurde daher als Sonderformation in das Bayerische Rote Kreuz eingegliedert und gehört noch heute dazu.

Bergwacht Bayern: Die Organisation heute

Die Bergwacht Bayern ist als Spezial-Rettungsdienst für den alpinen Raum rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr für die Menschen da. In der Organisation engagieren sich rund 3.500 ehrenamtliche Bergretter, die rund 8.500 Einsätze pro Jahr absolvieren. Dabei handelt es sich auch um ca. 1.000 Einsätze zur Suche und Rettung und rund 5.000 einfache Hilfeleistungen.

Die Organisation der Bergwacht Bayern gliedert sich in sieben Bergwacht-Regionen:

  • Bergwacht-Region Allgäu
  • Bergwacht-Region Bayerwald
  • Bergwacht-Region Chiemgau
  • Bergwacht Region Fichtelgebirge
  • Bergwacht-Region Frankenjura
  • Bergwacht-Region Hochland
  • Bergwacht-Region Rhön-Spessart

Diese sieben Bergwacht-Regionen sind in weitere 36 Bergrettungsbereiche unterteilt, in denen die Standorte der 113 Bergwacht-Bereitschaften liegen. Erkennbar ist die Bergwacht Bayern am Logo der Organisation: einem roten Kreuz eingebettet in einer Edelweißblüte.

Bergwacht Bayern: Spezialisten für viele Einsätze

Die Bergwacht Bayern bildet ihre Ehrenamtler sehr gut aus. Daher gibt es an den verschiedenen Standorten Spezialisten für verschiedene Einsätze. Das sind unter anderem:

  • Staffel mit ausgebildeten Lawinenhunden
  • Spezialkräfte für die Canyonrettung
  • Gruppe mit Bergwachtnotärzten
  • KID-Berg (Krisenintervention der Bergwacht für psychosoziale Betreuung nach traumatischen Erlebnissen)
  • Höhlenrettung
  • Suchhunde für die Vermisstensuche ohne Lawinenabgang
  • Fachberater für Natur und Umwelt
  • LKLD-Team

Die LKLD-Teams sind eine junge Einrichtung der Bergwacht Bayern. Die Abkürzung LKLD steht für Lokalisation, Kommunikation, Lagedarstellung und Dokumentation. Diese Spezialisten der Bergwacht Bayern sind mit Drohnen und Wärmebildkameras sowie einem speziell ausgestatteten Fahrzeug, dem sogenannten Technikbus, ausgerüstet. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn vermisste Menschen am Berg gesucht werden müssen und ein Hubschrauber nicht infrage kommt. Das ist z. B. bei Dunkelheit oder im Nebel der Fall oder wenn schlichtweg keine Hubschrauberkapazitäten frei sind.

Die Spezialteams sind möglichst zentral in ihrem Einsatzgebiet meist in der Nähe der Autobahn stationiert, sodass der Weg vom Standort bis zum Einsatz kurz bleibt und schnell bewältigt werden kann.

Bergwacht Bayern: Die Ausstattung der Standorte

Die verschiedenen Regionen der Bergwacht Bayern haben unterschiedliche Brennpunkte, die die Schwerpunkte der Einsätze bestimmen. Schließlich sind in einem bekannten Skigebiet andere Situationen zu erwarten als an den bei Bergsteigern beliebten Hängen oder in Regionen mit vielen und vor allem tiefen, weitverzweigten Höhlen. Daher sind die sieben Untergruppen der Region ihren Standorten entsprechend ausgerüstet.

  • Allgäu: 500 aktive Bergretter in 13 Rettungswachen und fünf ergänzenden Bergwachten mit Lawinenhunden, Canyonrettung, LKLD-Team, Höhlenrettung, Bergwachtnotarzt und KID-Team
  • Bayerwald: 587 aktive Bergretter in 20 Bergwachten und vier ergänzenden Bergwachten mit LKLD- und KID-Team
  • Fichtelgebirge: 254 aktive Bergretter in acht Rettungswachen und zwei ergänzenden Bergwachten mit KID-Team, Rettungshundestaffel mit neun einsatzfähigen Hunden und Höhlenrettung
  • Chiemgau: 475 aktive Bergretter in 14 Rettungswachen und einer ergänzenden Bergwacht mit Lawinenhunden, Bergwachtnotarzt, LKLD-Team, Höhlen- und Canyonrettung sowie KID-Team
  • Frankenjura: 265 aktive Bergretter in sieben Rettungswachen und vier ergänzenden Bergwachten mit KID- und LKLD-Team sowie Höhlenrettung
  • Hochland: 1704 aktive Bergretter in 25 Rettungswachen und vier ergänzenden Bergwachten mit KID- und LKLD-Team, Höhlenrettung, Canyonrettung, Hundeführern sowie Bergnotärzten
  • Rhön-Spessart: 126 aktive Bergretter in sieben Rettungswachen und einer ergänzenden Bergwacht mit Bergwachtnotärzten, Fachberatern für Natur und Umwelt sowie KID-Berg und LKLD-Team

Bergwacht Bayern: Brennpunkte der Einsätze

Die Bergwacht Bayern hilft immer, wenn sich Personen in den bayerischen Mittelgebirgen verirren, verletzen oder anderweitig in Not geraten. Doch für die Einsätze der Retter gibt es verschiedene Brennpunkte. Dazu gehören:

  • Skifahrer: Im Winter zieht es halb Europa in die Berge und auf die Pisten. Dabei gehen Stürze nicht immer glimpflich aus. Die Bergwacht Bayern leistet bereits auf der Piste Erste Hilfe und sorgt für den sicheren Transport vom Berg in die nächste Klinik.
  • Bergsteiger und -wanderer: Ob schlechtes Wetter Kletterer in der Wand festhält, jemand abstürzt, Touristen sich im Nebel verirren oder aufgrund einer Verletzung nicht weiter können, die Bergwacht Bayern macht sich auf den Weg, um die Betroffenen zu bergen.
  • Kletterer und Höhlenbegeisterte: Treten auf ausgedehnten Klettertouren oder bei der Erforschung von Höhlen Probleme auf, sind die Spezialisten für Canyon- und Höhlenrettung der Bergwacht Bayern zur Stelle und tun ihr Möglichstes.
  • Seilbahnen: Nicht immer arbeiten die Seilbahnen in den Skigebieten einwandfrei. Kommt es zu Schwierigkeiten, sind die Canyonretter auch hier die ersten Ansprechpartner.
  • Lawinen: Lawinen verschütten leider oft Menschen und dann kommt es auf jede Minute an. Die Lawinenhundestaffeln der Bergwacht Bayern arbeiten sich auch durch meterdicke Schneewände.

Bergwacht Bayern: Trotz Ehrenamtlern kostspielig

Damit die Bergwacht Bayern ihre Aufgaben erfüllen kann, benötigen die ehrenamtlichen Mitarbeiter ein großes Budget. Die Anschaffung und der Unterhalt der Fahrzeuge, Bergwachtstationen und Ausrüstung sowie das Material sind teuer. Der jährliche finanzielle Aufwand liegt bei etwa 7,1 Millionen Euro. Damit finanziert die Bergwacht Bayern unter anderem:

  • 113 Bergwacht-Bereitschaften
  • 393 Fahrzeuge
  • 33 Mitarbeiter in der Verwaltung

Obwohl die Einsatzkräfte der Bergwacht Bayern die anspruchsvollen Rettungseinsätze ehrenamtlich übernehmen, entstehen hohe Kosten. Zur Deckung derselben tragen verschiedene Mechanismen bei. Die Bergwacht Bayern erhält für die notfallmedizinische Bergrettung Pauschalbeträge von der Krankenkasse des Geretteten. Bei nicht-medizinischen Einsätzen müssen die Verursacher die Kosten selbst übernehmen. Das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration stellt Fördermittel für Rettungsgeräte und Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Doch das reicht für die Finanzierung nicht aus, daher ist die Bergwacht Bayern auf Spenden von Privatleuten, Unternehmen und kommunalen Einrichtungen angewiesen.

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