1. Startseite
  2. Bayern

Dauereinsatz am Hochstaufen: Warum viele Wanderer den Berg unterschätzen

Erstellt:

Von: Dominik Göttler

Kommentare

Ein Hubschrauber-Einsatz der Bergwacht Berchtesgaden am Hochstaufen
Rutschpartie: Den Abstieg am Hochstaufen traute sich eine 56-jährige Münchnerin nicht mehr zu. Sie wurde per Helikopter gerettet. © Markus Leitner/BRK BGL

Am Neujahrstag musste die Bergwacht eine Münchnerin am Hochstaufen retten. Sie traute sich den Abstieg durch die Schneefelder nicht mehr zu. Immer wieder unterschätzten Wanderer zuletzt die winterlichen Bedingungen am Berg.

München/Bad Reichenhall – Das neue Jahr war erst wenige Stunden jung, als der Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ die ersten Wanderer vom Berg pflücken musste. Eine 56-jährige Münchnerin war am Neujahrstag mit ihrem gleichaltrigen Begleiter aus Niederbayern zu einer Tour am Hochstaufen in den Chiemgauer Alpen aufgebrochen. Doch auch wenn die Temperaturen nach dem milden Jahreswechsel im Tal schon fast frühlingshaft waren: Am Berg ist der Winter noch nicht zu Ende. Das wurde den beiden Wanderern zum Verhängnis.

Nach Angaben des örtlichen BRK-Kreisverbands hatte die Münchnerin Probleme mit einer alten Verletzung und war auch deshalb nach dem anspruchsvollen Aufstieg bei winterlichen Verhältnissen erschöpft. Als es wieder zurück ins Tal gehen sollte, traute sie sich den Abstieg durch die Schneefelder im alpinen Gelände nicht mehr zu. Kurz nach 14 Uhr ging der Notruf bei der Bergwacht ein. Die 56-Jährige und ihr Begleiter saßen auf einem steilen Schneefeld auf rund 1500 Meter Höhe fest.

Per Helikopter wurden ein Notarzt und ein Bergretter mit der Seilwinde bei den Wanderern abgesetzt. Zuerst brachte der Hubschrauber die erschöpfte Frau und den Notarzt per Winde zurück ins Tal, danach ihren Begleiter und den Bergwachtler.

Am Hochstaufen bei Bad Reichenhall häuften sich in den vergangenen Tagen die Notfälle. Schon vor dem Einsatz am Neujahrstag mussten die Bergretter in einer Woche drei Mal ausrücken. Am zweiten Weihnachtsfeiertag trauten sich zwei 23-jährige Rosenheimer den Abstieg bei Schnee und Eis am Hohenstaufen-Jagersteig nicht mehr zu. Kurz vor Weihnachten war ein 64-jähriger Österreicher auf einem Schneefeld gestürzt und gut 100 Meter abgerutscht. Er musste mit einer Schulterverletzung in eine Klinik geflogen werden. Und wieder zwei Tage zuvor hatte sich ein 27-jähriger Urlauber aus Niedersachsen beim Abstieg am Bein verletzt.

„Der Hochstaufen ist ein Modeberg, doch die Leute unterschätzen ihn“, sagt Markus Leitner vom BRK Berchtesgadener Land. „Die schönen Fotos in den sozialen Medien locken auch Leute an, die alpine Verhältnisse nicht gewohnt sind.“ Für einen klassischen Winterwanderberg sei der Hochstaufen eigentlich zu steil. Immer wieder erlebe er in diesen Tagen, dass Wanderer erst gegen 16 oder 17 Uhr am Gipfel ankommen. „Die haben kein Licht dabei, da wird der Abstieg gefährlich.“ Zwar habe das milde Wetter den Schnee schwinden lassen. „Aber in den Senken liegen immer noch Schneefelder, auf denen man einbrechen oder ausrutschen kann.“

Das gilt nicht nur für den Hochstaufen. Zum Jahresende mussten auch die Bergwachten in Oberau und Grainau zu mehrstündigen Einsätzen ausrücken, weil selbst alpinerprobte Bergsteiger mit den Bedingungen zu kämpfen hatten. Und bei Rottach-Egern suchte die Bergwacht seit Donnerstagabend nach einem 36-jährigen Weilheimer, der sich verirrt hatte und nicht wie geplant im Bodenschneidhaus angekommen war. In der Silvesternacht wurde er schließlich mithilfe einer Drohne samt Wärmebildkamera im dichten Bergwald gefunden. Am Neujahrstag musste zudem eine unterkühlte Urlauberin vom Wallberg gerettet werden.

Hinzu kommt trotz derzeit niedriger Warnstufe die stets präsente Lawinengefahr. So hatte etwa die Bergwacht Benediktbeuern am Donnerstagabend Probleme, zu einem Wanderer im Lainbachtal zu gelangen, der sich die Achillessehne gerissen hatte. Denn zwei abgegangene Lawinen blockierten den Weg für das Einsatzquad. Die Zufahrt musste erst freigegraben werden.  

(mit jm/va/bw)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion