Schneearmer Winter

Das ist die Bergwacht-Bilanz für 2014

Bad Tölz - Die Bergwacht Bayern ist 2014 zu deutlich weniger Einsätzen gerufen worden als im Vorjahr. Der schneearme Winter spielte dabei eine wesentliche Rolle.

Für die Bergwacht in Bayern stand im vergangenen Jahr ein Einsatz im Mittelpunkt des Geschehens: die aufwendige und spektakuläre Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser aus der Riesending-Höhle bei Berchtesgaden. 700 meist ehrenamtliche Retter aus mehreren europäischen Ländern waren an der Aktion im Juni beteiligt. Doch auch in der übrigen Zeit des Jahres hatten die bayerischen Bergretter alle Hände voll zu tun. 5830 Mal mussten sie ausrücken, um in Not geratenen Bergsportlern zu helfen. Das geht aus dem Jahresrückblick der Bergwacht hervor. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Einsatzzahlen allerdings deutlich gesunken.

Im Jahresbericht 2014 sind die Einsätze von Dezember 2013 bis November 2014 berücksichtigt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren die Helfer weitaus häufiger unterwegs: 7076 Einsätze wurden damals registriert. „Diese Schwankungen sind nichts Ungewöhnliches, die haben wir immer“, sagt Bergwacht-Sprecher Thomas Griesbeck. Verschiedene Faktoren wie Wetter, die Lage der Feiertage und Schulferien spielten dabei eine Rolle. „Wenn das Wetter passt und die Feiertage günstig liegen, sind mehr Menschen in den Bergen unterwegs.“ Frühlingshafte Temperaturen im Winter und wenig Schnee – so wie Anfang 2014 – schmälerten dagegen die Lust aufs Skifahren.

Die Art der Verletzungen oder Erkrankungen, mit denen es die Bergretter zu tun haben, hängt von der Jahreszeit ab. Während im Sommer bei Hitze häufig Wanderer mit Kreislaufproblemen Hilfe brauchen, überwiegen im Winter die Verletzungen von gestürzten Skifahrern, Snowboardern oder Rodlern. Am häufigsten seien bei Wintersportlern Verletzungen an der Hand sowie an Ellenbogen, Knie und Kopf. 80 Menschen konnten im vergangenen Jahr nur noch tot aus den Bergen geborgen werden, im Jahr zuvor waren es 73.

Trotz des schneearmen Winters ist auch 2014 am meisten auf der Skipiste passiert. Weit mehr als die Hälfte aller Bergwacht-Einsätze (3537) betraf Unfälle mit Skifahrern und Snowboardern. „Das liegt daran, dass Skifahren eine sehr dynamische Sportart ist. Bei höheren Geschwindigkeiten passiert einfach mehr“, sagt Griesbeck. Im Vergleich: 1084 Mal kümmerte sich die Bergwacht im zurückliegenden Jahr um Wanderer.

Vergleichsweise wenig passiert beim Schneeschuhwandern, das nach Angaben des Experten stark boomt. „Wir erkennen hier einen neuen Trend, der sicherlich mit der Schneesituation zu tun hat.“ Immer mehr Menschen erkundeten mit Schneeschuhen die Berge, weil sie bei dieser Sportart auf keine durchgängige Schneedecke angewiesen seien. 2014 wurden zehn Einsätze mit Schneeschuhwanderern registriert.

Griesbeck hat noch einen weiteren Trend ausgemacht: Bergsportler seien nicht mehr ausschließlich am Wochenende und tagsüber aktiv. „Die Menschen sind sportlicher und Taschenlampen leistungsfähiger geworden“, sagte er. Immer häufiger seien Mountainbiker, Skitourengeher oder Cross-Country-Läufer nach Feierabend bei Dunkelheit unterwegs. „Diese Verschiebung ist sehr auffällig.“

Die Bergwacht in Bayern mit Hauptsitz in Bad Tölz hat 3200 ehrenamtliche Einsatzkräfte und 300 Stützpunkte in den Bergen – davon 90 Rettungswachen im Talbereich. Die Bergwacht gehört zum Bayerischen Roten Kreuz.

Birgit Ellinger

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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