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Mit schwerer Schutzausrüstung waren die Polizisten von Bundes- und Landespolizei während des G20-Gipfels in Hamburg im Einsatz.

Interview eine Woche nach Hamburg

Bayerischer Bundespolizist bei G20-Gipfel: „Angst kommt nach dem Einsatz“

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Bernhard Hüttmann, Bundespolizist aus Deggendorf, war beim G20-Gipfel in Hamburg im Einsatz. Er berichtet, was er erlebt hat.

Deggendorf/Hamburg– Bernhard Hüttmann ist seit 14 Jahren bei der Bundespolizei in Deggendorf. Der G20-Gipfel in Hamburg war für den 35-Jährigen nicht der erste Großeinsatz. Obwohl er nicht an den Brennpunkten stationiert war, sei die Anspannung spürbar gewesen, berichtet er. Aber er hat auch eine Seite des Einsatzes kennengelernt, die nicht in den Nachrichten zu sehen war.

Haben Sie sich von dem Einsatz in Hamburg bereits erholt?

Ja, inzwischen schon. Ich bin nach gut zehn Tagen vergangenen Sonntag abends aus Hamburg zurückgekommen. Und im Gegensatz zu vielen Kollegen hatte ich nicht gleich den nächsten Einsatz vor mir.

Was war Ihre Aufgabe bei dem Einsatz?

Ich war zuständig für die Überwachung der Bahnanlagen und damit auch für die An- und Abreise der Versammlungsteilnehmer. Wir mussten aber auch sicherstellen, dass die anderen Reisenden ungestört ihre Fahrten antreten können. Eingesetzt waren wir im Bahnhofsbereich und an unterschiedlichen Haltepunkten. Während der Demos und Ausschreitungen mussten wir zum Beispiel Aufzugstrecken an S-Bahn-Haltepunkten überwachen.

Wie viel haben Sie von den schweren Ausschreitungen mitbekommen?

Relativ wenig. Wir haben die Bilder im Fernsehen gesehen. Und natürlich sind ständig Meldungen über Funk gekommen.

Hatten Sie Angst?

Angst weniger. Aber wir waren darauf eingestellt, die Kollegen unterstützen zu müssen. Wir mussten damit rechnen, angefordert zu werden. Bei den jüngeren Kollegen war die Anspannung spürbar. Die Angst kommt eher danach – wenn der Einsatz vorbei ist und einem bewusst wird, was alles hätte passieren können.

Wie viel Schlaf haben Sie bekommen?

Wir hatten das Glück, dass wir in einem Hotel untergebracht waren. Allerdings haben wir nicht viel Schlaf bekommen. Als der Gipfel losging, wurden die Ruhezeiten auf ein Minimum reduziert. Aber es war noch im erträglichen Bereich. Die Einsatzzeiten sind länger geworden – das war der Lage geschuldet. Es gab aber auch Bereitschaftsphasen, in denen wir einige Stunden im Hotel bleiben konnten. Die Kollegen der Landespolizei haben wesentlich weniger Schlaf bekommen als wir.

Wie groß war die körperliche Belastung?

An manchen Tagen sehr groß. An jenem 8. Juli, als die Ausschreitungen besonders schwer waren, waren wir über zwölf Stunden im Einsatz – mit zehn Kilo schwerer Schutzausrüstung. Das ist je nach Kondition eine große Belastung. Ich habe aber von keinem Kollegen mitbekommen, dem es zu viel wurde.

Bernhard Hüttmann, von der Bundespolizei in Deggendorf

Wie haben Sie die Menschen in Hamburg erlebt? Wie aggressiv war die Stimmung?

Wir haben an unseren Einsatzorten eine ganz andere Stimmung erlebt als die Kollegen an den Brennpunkten. Von der Hamburger Bevölkerung haben wir sehr viel Lob und Dankbarkeit bekommen. Ich bin selten bei einem Großeinsatz so häufig von Anwohnern angesprochen worden. Sie haben uns sogar Eis und Getränke angeboten.

Waren Sie schon einmal bei einem vergleichbaren Einsatz?

Ja, ich habe schon einige Großeinsätze mitgemacht. Auch den G7-Gipfel in Elmau, der ja völlig friedlich ablief. Aber uns war klar, dass es in Hamburg größere Proteste geben würde.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Das geschlossene Vorgehen im Einsatzzug wird immer wieder trainiert und die Ausstattung überprüft. Aber die Ausschreitungen in Hamburg waren keine normalen Demonstrationen mehr. Mit den erlernten deeskalierenden Maßnahmen kommen wir Polizisten in solchen Fällen nicht mehr weiter. Aber auch auf gewalttätige Ausschreitungen waren wir eingestellt.

Halten Sie so etwas auch in München für möglich?

Nein, eher nicht. Hier gibt es kein Schanzenviertel, keine Rückzugsmöglichkeiten für die Autonomen. Und das Umfeld ist nicht da.

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