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Ein Arbeitsplatz im Himmel: Norbert Stadler ist Wetterbeobachter auf der Zugspitze. Wenn er dort auf der Plattform des Deutschen Wetterdienstes die Daten der Messgeräte abliest, kann er sogar auf den Berggipfel hinabblicken.

Sehr besonderer Arbeitsplatz

Beruf Wetterbeobachter: Zu Besuch bei den Wolkenzählern

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Bayerns Wetterbeobachter haben meist beneidenswert schöne Arbeitsplätze. Doch nicht selten kommt es auch vor, dass sie bei minus 20 Grad oder Hagel und Platzregen ihre Daten erfassen müssen. Es ist ein Beruf für Menschen, die die Natur mit all ihren Seiten mögen. Aber auch ein Beruf, der immer mehr durch Technik ersetzt wird.

München – Höher geht’s nicht in Deutschland. Norbert Stadler blickt von seinem Arbeitsplatz aus nicht nur über ein gigantisches Bergpanorama, sondern sogar auf den 2962 Meter hohen Gipfel der Zugspitze hinunter. Der 59-Jährige ist Wetterbeobachter auf der Zugspitze. An vielen Tagen hat er traumhafte Arbeitsbedingungen. Aber das ein oder andere Mal hat es sich auch schon so angefühlt, als wäre er der Hölle näher als dem Himmel. Immer wieder einmal schlägt der Blitz ein. Wenn es stürmt, wackelt der kleine Turm wie bei einem Erdbeben. Die höchste Windstärke wurde am 12. Juni 1985 auf der Zugspitze gemessen: 335 Stundenkilometer. Das sind Tage, an denen an Arbeiten im Freien nicht mehr zu denken ist.

Eine Schicht dauert 24 Stunden

Trotzdem ist die vier Quadratmeter große Station unterhalb der Plattform immer besetzt. Eine Schicht dauert 24 Stunden. Deshalb gibt es dort auch ein ausklappbares Schrankbett. Das ist der Lage Deutschlands höchster Wetterstation geschuldet. In der ältesten Station, am Hohenpeißenberg im Kreis Weilheim-Schongau, dauert eine Schicht nur zwölf Stunden – dort muss keiner übernachten. Wobei – es gab auch Tage, an denen das Wetter den Schichtwechsel fast unmöglich gemacht hat. Alfred Benno Messmer erinnert sich noch gut an einen Tag im vergangenen Jahr. „Es hatte so geschneit, dass ich den Berg zu Fuß hoch musste“, erzählt er. Sein Kollege hatte keine Chance, runterzukommen.

24 Stunden auf vier Quadratmetern: In der Wetterstation gibt es auch ein Schrankbett.

Der 48-Jährige ist seit acht Jahren Wetterbeobachter auf der Station Hohenpeißenberg, davor war er auf einer in Kempten. Er hat schon viele Orkanböen, Blitzeinschläge und Stromausfälle erlebt. Er musste bei Starkregen oder minus 20 Grad auf die Plattform, um Daten und Wetterlage zu erfassen. Trotzdem sagt er: „Es ist ein wunderbarer Beruf. Zumindest für jeden, der die Natur liebt.“

Immer mehr moderne Geräte

Seit Messmer hauptamtlicher Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist, hat sich die Arbeit in den Stationen sehr verändert. Es kamen immer modernere Geräte dazu, die die Arbeit erleichtern. Wetterradar und Satelliten machten eine flächendeckende Wettervorhersage möglich. „Sie sind inzwischen wichtiger als unsere Bodenstationen“, sagt DWD-Sprecher Uwe Kirsche. „Trotzdem würden wir auf unsere Bodenstationen nie verzichten.“ Allerdings werden sie nach und nach alle automatisiert. Ziel ist es, bis spätestens 2021 alle auf den technischen Stand zu bringen, dass dort keine Wetterbeobachter mehr nötig sind.

Dahinter steckt auch ein ganz rationaler Grund, erklärt Kirsche: „Der DWD bekommt immer mehr Aufgaben, aber nicht mehr Personal.“ Keine einzige Stelle wird durch die Automatisierung gestrichen, die Wetterbeobachter sollen andere Aufgaben bekommen. Zum Beispiel in den Beratungsstellen, aber auch bei der Wartung der Geräte.

Daten erfassen im dichten Nebel: Alfred Benno Messmer auf der Wetterstation Hohenpeißenberg.

Nichts kann Augen ersetzen

Natürlich reagierten die Wetterbeobachter nicht begeistert, als sie vor drei Jahren erfuhren, dass nach und nach alle Stationen automatisiert werden. Norbert Stadler von der Zugspitze ist überzeugt: „Kein noch so präzises Messgerät kann die Augenbeobachtung ersetzen.“ Er zitiert gerne einen Schweizer Kollegen mit dem Satz: „Wer auf dem Berg automatisch misst, misst Mist.“ Gewisse Daten wie zum Beispiel die Sichtweite können Geräte nicht liefern, andere Daten wie die Schneehöhe nur punktuell – das räumt auch DWD-Sprecher Kirsche ein. Aber er betont auch: „Alle zentralen Parameter wie Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Windrichtung oder Sonnenscheindauer werden schon seit Jahrzehnten automatisch erfasst.“

Viele arbeiten ehrenamtlich

Bundesweit hat der DWD 182 Wetterstationen, 150 davon sind bereits automatisiert. Dazu kommen 1800 ehrenamtliche Wetterbeobachter, die Daten von ihren Messstationen im Garten weiterleiten. Eine von ihnen ist Kreszenz Buchner aus Altomünster (Kreis Dachau). Seit 2005 geht sie dreimal täglich – um kurz vor 7, 14 und 19 Uhr – in ihren Garten und notiert Daten und ihre Beobachtungen. Alle Informationen gibt sie danach in einen Computer ein – und leitet sie so an den DWD weiter. Nicht einen Tag hat die 79-Jährige versäumt. „Ich bin ein Naturmensch“, sagt sie. Das Ehrenamt übernimmt sie nur zu gerne. Nicht nur für den DWD – für die Umwelt, betont sie.

Das hat sie mit den meisten hauptamtlichen Wetterbeobachtern gemeinsam. Uwe Kirsche sagt: „Das ist kein Alltagsjob – das ist eine Berufung.“ Alfred Benno Messmer hat Glück. Weil sein Hohenpeißenberg die älteste Station mit ununterbrochenen Messungen seit 1780 ist, wird es dort auch künftig dreimal täglich manuelle Messungen geben. Er wird also auch weiterhin im Klimagarten gebraucht. Dazu werden aber neue Aufgaben kommen. Rückblickend sagt er: „Vor ein paar Jahrzehnten haben wir uns alle über die moderne neue Technik gefreut – damals hätten wir nie gedacht, dass sie uns Wetterbeobachter eines Tages ersetzen könnte.“

Von Katrin Woitsch und Paul Winterer

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