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Jörg R. klagte – und bekam Recht.

Prozess um Schadenersatz

Katzenurin im Haus: Das stank dem Gericht

Zangberg – Jahrelang erklang Katzenschnurren in einem Haus im Kreis Mühldorf. Doch als neue Besitzer einzogen, war Katzenjammer angesagt: Das Anwesen roch nach Katzenurin. Das stank auch dem Oberlandesgericht.

Ein Beamter (46) und seine Familie waren glücklich, als sie in Zangberg (Landkreis Mühldorf) ein 140 Quadratmeter großes, gemütliches Haus mit viel Holz fanden. Doch die Freude währte nur kurz. Als sie einzogen und das neue Heim von oben bis unten nass wischten, stieg ihnen ein tierischer Geruch in die Nase: Katzenurin. „Vor allem im Sommer, wenn es warm und feucht ist, ist es wirklich unerträglich“, sagt der 46-Jährige. „Selbst wenn es nicht mehr stinkt, ist es nicht gemütlich, wenn ich weiß, dass das Holz mit Katzenurin durchtränkt ist.“

Der Beamte ließ das Haus von einem Sachverständigen überprüfen. Der kam zum Ergebnis, dass das Anwesen „massiv“ mit Katzenurin verseucht sei. Schuld an dem Gestank sind die Tiere der Vorbesitzer. Ein Betriebsschlosser (51) und seine Frau haben stets zwei bis sieben Stubentiger gehalten, die sie vom Tierschutzverein übernommen hatten. „Meine Frau hat ein weiches Herz“, sagt er.

Den neuen Hausbesitzern ging die Tierliebe allerdings zu weit. Ihnen stank es so sehr, dass sie eine Klage auf Schadenersatz einreichten, da die Sanierung des Gebäudes, das 297.000 Euro gekostet hatte, rund 56.000 Euro verschlingen soll. Dazu forderten sie die Feststellung, dass auch künftige Schäden bezahlt werden.

Das Landgericht Traunstein wies die Klage allerdings ab. Die Schäden seien den Käufern nicht arglistig verschwiegen worden. Diese hätten das Anwesen zuvor mehrfach besichtigt, einmal sogar mit einem Holzfachmann – und gewusst, dass Stubentiger im Haus lebten. Den Tierhaltern sei die massive Verseuchung mit Urin außerdem selbst nicht bewusst gewesen, weil sie den Geruch auf die Katzentoiletten oder geringe Urinmengen zurückgeführt hätten. Viele Flecken seien zudem nur mit UV-Licht zu erkennen gewesen.

Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München aber wendete sich der Fall am Mittwoch. Die Richter sahen die Tierhalter in der Verantwortung. Zwar standen den Vierbeinern in der Wohnung zahlreiche Toiletten zur Verfügung. Doch eine der Katzen litt unter epileptischen Anfällen und verlor regelmäßig unkontrolliert Urin.

„Kaum eine Stelle im Haus, wo nicht

Die Katzenfreunde beteuerten zwar, dass sie den Urin immer gleich aufgewischt hätten. Der Vorsitzende Richter Wilhelm Schneider hielt das aber nicht für glaubhaft: „Ich bezweifle, dass Sie der Katze immer so auf der Spur waren, dass sie da jegliches Pfützchen sogleich haben wegwischen können.“ Laut dem Gutachten des Sachverständigen habe es kaum eine Stelle im Haus gegeben, „wo nicht hingebieselt worden ist“. Sogar auf einem Schrank sei uriniert worden, hinter dem die Ausscheidungen ungesehen an der Wand hinab liefen. „Wenn man eine Katze hat, die den Urin nicht so halten kann, dann ist das schon ein bissl Arglist“, sagte der Richter. Auch ihm schien die Geschichte zu stinken: „Im ganzen Haus sind Spuren. Es kann nicht sein, dass die Käufer darauf sitzen bleiben.“

Angesichts der neuen Prozesslage stimmte der Tierhalter einem Vergleich über 30.000 Euro zu. Damit baut der neue Besitzer jetzt neue Fenster, Türen und Böden ein, die herrlich frisch duften.

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