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Die Reise des Meteors: Ein aufmerksamer Himmelsbeobachter aus Blaustein (Baden-Württemberg) bei Ulm hat den Flug des Himmelskörpers gefilmt und die Aufnahme in das Internet hochgeladen.

Meteor über Bayern

Besorgte Bürger fürchteten ein UFO

München - Ein helles Leuchten am Himmel und jede Menge Anrufe bei der Polizei – ein Meteor über Bayern sorgt für Aufregung. Einige Bürger fürchteten, es könnte sich um ein UFO handeln.

Ingrid Maier zuckte kurz zusammen, als sie am Sonntagabend gegen 20.45 Uhr mit ihrem Auto auf der B 17 in Richtung Landsberg unterwegs war. Auf einmal spiegelte sich ein gleißend helles Licht in ihrer Windschutzscheibe. „Ich dachte, mich überholt einer von rechts“, sagt die 56-Jährige aus Türkenfeld (Kreis Fürstenfeldbruck). Jetzt lacht sie darüber. Denn der plötzliche Lichtschein kam nicht von den Scheinwerfern eines ungestümen Verkehrsteilnehmers, sondern vom Himmel – und war nach Einschätzung von Experten ein Meteor.

In weiten Teilen Bayerns war der Lichtschweif zu sehen. Viele Menschen wussten wie Ingrid Maier zuerst nicht so recht, was das helle Leuchten zu bedeuten hat. So klingelten ab kurz vor 21 Uhr plötzlich überall die Telefone in den bayerischen Polizeidienststellen. „Ein Bürger hat sich bei uns gemeldet, weil er glaubte, einen Hubschrauber-Absturz beobachtet zu haben“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken. Dem Polizeipräsidium Oberbayern Nord wurden von aufgeregten Beobachtern „unbekannte fliegende Objekte“ beschrieben. Die Polizisten hakten nach. Eine Nachfrage bei der Deutschen Flugsicherung ergab dann: Kein Absturz und schon gar kein UFO, sondern sehr wahrscheinlich ein Meteor.

Der war in Bayern aber nur auf der Durchreise. „Die helle Feuerkugel ist in nord-südlicher Richtung westlich an Ulm vorbeigezogen und dann über den Bodensee in die Schweiz geflogen“, sagt der Augsburger Meteoriten-Experte Dieter Heinlein. Er leitet das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt betriebene Feuerkugelnetz. Mit Hilfe von 16 Beobachtungskameras versucht Heinlein jetzt einzugrenzen, wo Teile des Himmelskörpers gelandet sein könnten, falls der nicht vollständig verglüht ist. „Alles deutet derzeit auf die Zentralschweiz hin“, sagt Heinlein. Ersten Meldungen, wonach Meteoritenteile auch in Bayern, etwa in Freilassing (Kreis Berchtesgadener Land), gelandet sein könnten, widerspricht Heinlein. „Über Bayern ist definitiv nichts heruntergekommen.“ Wohl aber war der Meteor weit zu sehen. Das belegen die Meldungen von Landsberg über München bis nach Tirol.

Das Geschoss aus dem All ist bis zu 4,5 Milliarden Jahre alt. So alt, wie unser Sonnensystem, wie Heinlein erklärt. Über die Größe spekulieren die Wissenschaftler derzeit noch. Bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) spricht man von einer Größe von 30 Zentimetern bis einem Meter beim Eintritt in die Atmosphähre. Laut ESA ist der Himmelskörper etwa 20 Kilometer vor Züruch in einer Höhe von 50 bis 100 Kilometern verglüht. Trotzdem könnten kleine Teile davon auf die Erde gelangt sein.

Meteore sind eigentlich keine Seltenheit. „Wir registrieren zwischen 30 und 80 Stück pro Jahr“, sagt Heinlein. Die meisten davon verglühen aber, bevor sie am Boden auftreffen – und sind wesentlich kleiner, als die Erscheinung vom Sonntagabend. Selbst wenn sie es bis auf die Erdoberfläche schaffen, was nur alle paar Jahre vorkommt, sind meist nur noch sehr kleine Gesteins- oder Metallstückchen übrig, die dann vom Wind verweht werden. „Die finden wir in der Regel nicht mehr“, sagt der Experte.

Der letzte große Meteoritenfall in Bayern ereignete sich im April 2002 in der Nähe von Schloss Neuschwanstein. Damals wurden mehrere Fragmente des Gesteins aus dem All im deutsch-österreichischen Grenzgebiet gefunden. „Da war das Fundgebiet schon sehr ungünstig“, sagt Heinlein. „Und dieses Mal sieht es womöglich noch schlechter aus.“ Sein Bauchgefühl sagt ihm, dass von dem Meteor vom Sonntagabend wohl keine Reste geborgen werden.

Von Dominik Göttler

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