Bestanden! TÜV Süd hat Schulbehörde geprüft

Wasserburg - Der TÜV-Süd prüft nicht nur Autos, sondern auch staatliche Stellen – und neuerdings auch Schulbehörden. Den Anfang macht eine Dienststelle für die Realschulen.

Zertifikat ISO 9001:2008 ist gültig bis 4. August 2013, es ist eine Art Zeugnis, auf das der Ministerialbeauftragte (MB) für die Realschulen in Oberbayern-Ost, Peter Peltzer, ziemlich stolz ist. Peltzers kleine Behörde mit acht Mitarbeitern hat sich vom TÜV gründlich durchchecken lassen – als erste Schulbehörde in Bayern überhaupt. Der Ministerialbeauftragte beaufsichtigt von Wassserburg (Kreis Rosenheim) aus die 47 Realschulen in seinem Bezirk, er organisiert die Lehrerfortbildung – und er überprüft die Unterrichtsqualität. „Nachdem wir von unseren Realschulen Qualität einfordern“, sagt der 62-Jährige, „waren wir uns einig, dass es nicht schaden kann, uns selbst diesem Prozess zu unterziehen.“ Peltzer wandte sich an den TÜV.

Der TÜV-Süd hat für solche Fälle eine Management-Service GmbH gegründet. TÜV-Mitarbeiter Willi Lauer kam mehrmals nach Wasserburg. Er wälzte Aktenpläne und prüfte, wie oft die Mitarbeiter auf Fortbildungen geschickt werden. Veranstaltungen, die die MB-Dienststelle organisiert, wurden kontrolliert, Arbeitsprozesse überarbeitet. Ungewöhnlich für eine Behörde: Wer sich an die MB-Stelle wendet, wird jetzt als „Kunde“ bezeichnet – ganz gleich, ob es sich um Eltern oder Schulleiter handelt. Am Ende einer zweijährigen Prüfphase gab es das Zeugnis. „Da steckt ein Riesenpotenzial drin“, wirbt Lauer für die TÜV-Prüfung. Nur in wenigen Behörden gebe es mittlerweile eine klare Aufgabendefinition für alle Mitarbeiter, feste Standards bei der Arbeit selbst sowie klare Zielvereinbarungen. Etwa 8000 Euro kostet so ein TÜV-Zertifikat. Lauer empfiehlt, die Kosten über Sponsoren abzudecken.

Bislang hat der TÜV in Bayern nur einige Privatschulen geprüft, nicht jedoch staatliche Schulen. „Schulen vermarkten ihre Leistung nicht nach außen“, bedauert Lauer – schließlich könne so ein TÜV-Siegel einen Werbeeffekt haben und positiv zum Image einer Schule beitragen. Ein schwieriges Kapitel ist die Beurteilung der Unterrichtsqualität. In Baden-Württemberg hat Lauer erstmals eine staatliche Haupt- und Realschule unter die Lupe genommen. Der TÜV schickte nicht eigene Gutachter in die Klassen, vielmehr begutachteten sich die Lehrer nach einem bestimmten, vom TÜV entwickelten Verfahren selbst. Das bayerische Kultusministerium bewertet die Zertifizierung „sehr positiv“. Hervorzuheben sei, dass die TÜV-Urkunde immer wieder erneuert werden müsse, es sich also „nicht um ein kurzes Schlaglicht der eigenen Arbeit handelt, das mit der Aushändigung der Zertifizierungsurkunde wieder erlischt“, betont Sprecherin Sylvia Schnaubelt. Peltzer selbst hält sich mit Empfehlungen zurück: Ob es sich lohne, ein TÜV-Zertifikat anzustreben, „muss jede Schule selbst entscheiden“. Schon heute gebe es ja Qualitätsmanagement, aber ohne Urkunde und nicht so systematisch wie vom TÜV veranstaltet.

Von Dirk Walter

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