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Justizministerin Beate Me rk und Gefängnis-Leiter Matthias Konopka präsentieren ein nagelneues Verwahrtenappartemen.

Besseres Leben für Straftäter

Zu Besuch im neuen "Super-Knast" in Straubing

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Straubing – Mehr Platz, ein hübsches Zimmer – und Sonderrechte: Bayern muss gefährlichen Straftätern in Sicherungsverwahrung ab Samstag ein besseres Leben bieten. Zu Besuch im fast fertigen neuen Super-Knast in Straubing.

Der Knast im Knast ist wie eine Ferienanlage mit Mauern und Stacheldraht drumherum. 45 Schwerverbrecher werden hier, im neuen Straubinger Gefängnis, leben: Vergewaltiger, Totschläger und Mörder. Sie dürfen sich frei bewegen, im Fitnessraum trainieren, draußen Volleyball spielen, nur ganz rausspazieren können sie nicht. Dabei haben sie ihre Strafe abgesessen und müssten entlassen werden – doch sie sind zu gefährlich und deshalb in Sicherungsverwahrung. Für sie hat der Freistaat ein 24 Millionen Euro teures Gefängnis gebaut, innerhalb der bestehenden Mauern der Justizvollzugsanstalt. Aber warum eigentlich?

Beate Merk (CSU), bayerische Justizministerin, steht in dem neuen Bau, Block B. Sie öffnet die schwere, grüne Sicherheitstür zu einem 15-Quadratmeter-Raum, „Verwahrtenzimmer“ steht draußen auf einem Schild. Hier wird schon bald einer der 45 Straftäter wohnen, ab Freitag zieht einer nach dem anderen aus dem Nachbargebäude um. Jetzt schaut Merk in den Kühlschrank, zeigt auf helle Holzmöbel, schaltet den Induktionsherd ein. Da rutscht ihr das falsche Wort raus: „Hier in der Zelle...“ Stopp! Falsch! Merk korrigiert sich fix: „Das hier ist ein Appartement!“

Der Unterschied zu einer normalen Zelle: Der Sicherungsverwahrte hat sechs Quadratmeter mehr Platz. Er kann sich Essen zubereiten, deshalb die Küchenzeile, er darf sogar Messer besitzen. Er kann einen Sessel anschaffen, Vorhänge, einen größeren Fernseher. Er schläft auf einem breiteren Bett, die Bettwäsche sucht er selbst aus. Durch das Fenster sieht er nicht nur einen schmalen Streifen Himmel, sondern eine hübsche Gartenanlage. Er muss nicht mehr in die Gemeinschaftsdusche, sondern hat ein eigenes Bad mit hochwertigen Armaturen und einem beheizten Handtuchhalter von der Art, wie es sie in guten Hotels gibt. Kein Luxus, aber doch eine bessere Studentenwohnung. „Der Insasse soll in diesem Appartement so normal wie möglich leben“, sagt Merk und schubst die Kühlschranktür zu.

So normal wie möglich – und nicht wie ein Gefangener. Juristen nennen das Abstandsgebot. Das ist der Grund für den Straubinger Millionen-Neubau. Bislang lief das in Deutschland so: Ein Täter blieb auch nach Verbüßen seiner Strafe eingesperrt, wenn Gutachter ihn weiter für gefährlich hielten. Haft ohne Strafe? Das kritisierte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, das Bundesverfassungsgericht forderte neue Gesetze. Der Knackpunkt: Sicherungsverwahrung ist keine Strafe, also müssen die Bedingungen besser sein als im normalen Knast. 2011 fielen die Urteile, bis 1. Juni hatten die Bundesländer Zeit für Neuerungen. Die meisten bauten nur um – Bayern stampfte einen Knast mit vier zweistöckigen Wohnblöcken und Gemeinschaftsgebäude aus dem Boden, 84 Straftäter haben Platz. „Damit gehen wir kein Risiko ein“, sagt Ministerin Merk. Der Innenausbau ist noch nicht ganz fertig, überall pinseln, bohren, sägen Arbeiter noch. Die Bauzeit war schließlich kurz: ein Jahr, sieben Monate. An manchen Tagen arbeiteten hier 150 Männer von 28 Firmen. Aber JVA-Chef Matthias Konopka sagt: „Ich bin froh, dass wir das in einem Guss hinbekommen haben.“

Denn das bayerische Konzept sieht nicht nur ein schickeres Verwahrtenzimmer vor – sondern eben auch einen lockeren Tagesablauf, der im normalen Vollzug aus Sicherheitsgründen kaum umsetzbar wäre. Der Insasse läuft frei herum, sein Zimmer kann er von außen absperren, nur nachts verriegeln Wärter die Tür. Er hat zwölf statt fünf Stunden Besuchszeit monatlich, Treffpunkt ist eine Caféteria mit Terrasse und Brunnen. Er darf einmal pro Woche Lebensmittel bestellen statt zwei Mal im Monat. Für heiße Tage ist sogar ein Eisverkauf geplant.

Bilder des Straubinger Millionen-Neubaus

JVA Straubing: Bilder aus dem "Super-Knast"

Im Zentrum steht jedoch Therapie, Therapie, Therapie. Denn die Sicherungsverwahrung ist nicht für die Ewigkeit – hier werden die Straftäter auf ihr Leben in Freiheit vorbereitet. 71 Stellen hat der Freistaat geschaffen: Neben Wärtern, einem Arzt, vier Krankenschwestern und einem Lehrer arbeiten gleich sieben Psychologen, sieben Sozialpädagogen sowie ein Psychiater in dem Sondergefängnis. Freilich: „Wir wissen, dass wir Sicherungsverwahrte haben, deren Gefährlichkeit wir wahrscheinlich nicht herunterfahren können“, sagt Merk. Da ist zum Beispiel der 76-Jährige, vielfach vorbestraft, weil er Kinder missbraucht hat. Er verweigert jede Therapie, findet nichts Falsches an seinen Taten. Oder der „Mittagsmörder“, der seit 48 Jahren sitzt, weil er fünf Menschen umgebracht hat. Wer mit ihm zu tun hat, sagt: „Der ist gemeingefährlich.“ Wie die anderen Verwahrten haben auch diese Männer einmal jährlich die Chance, rauszukommen: Dann überprüfen Gutachter und Juristen, ob sie eingesperrt bleiben müssen.

In dem neuen Knast gibt es aber auch eine Senioren-WG und rollstuhlgerechte Zimmer. Für die, die hinter Gittern alt werden. Und nie mehr ein Leben in Freiheit führen dürfen.

Carina Lechner

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