Besucher stürmen Hundertwasserturm

Abensberg - Er sieht aus wie aus Aladins Märchenreich - der Abensberger Hundertwasserturm. Vor einem Jahr wurde das letzte Projekt des weltberühmten Künstlers eröffnet. Die Besucher stürmen seitdem den 35 Meter hohen Märchenturm.

Seine Poster und Kalender verkaufen sich mehr als zehn Jahre nach seinem Tod noch millionenfach. Kunstfans stürmen nach wie vor in Ausstellungen mit seinen Werken und auch seine Bauten sind Publikumsmagnete. Vor einem Jahr wurde in Abensberg das letzte Architekturprojekt von Friedensreich Hundertwasser fertiggestellt - ein 35 Meter hoher Märchenturm.

Schon die erste Saison übertraf alle Erwartungen: Mehr als 150 000 Menschen stiegen im Jahr 2010 auf den Hundertwasserturm, dreimal so viele wie erwartet. Selbst im Winter stapfen die Hundertwasserfans in der niederbayerischen Kleinstadt noch durch tiefen Schnee, um den Kunst-Turm zu bestaunen. Bauherr Leonhard Salleck rechnet damit, dass heuer das Interesse noch einmal zunehmen wird: “Ich glaube, dass wir noch mehr Besucher kriegen. Die Leute sind so begeistert.“

Salleck hatte ein Jahrzehnt lang für die Verwirklichung seines Traums gegen etliche Widerstände gekämpft. Nicht zuletzt von den Denkmalschützern wurde der Turm im Stil von “1001 Nacht“ direkt neben der mittelalterlichen Abensberger Altstadt kritisch beäugt. Bei der Eröffnung hatte Salleck dann eine eher zurückhaltende Prognose ausgegeben - mindestens 50 000 Turmgäste pro Jahr sollten es sein. Viele Beobachter rechneten damals schon mit deutlich mehr, doch der tatsächliche Ansturm hat dann doch viele überrascht.

“Es ist schon erstaunlich, in welch kurzer Zeit der Turm an Popularität gewonnen hat“, meint auch der Geschäftsführer des Tourismusverbandes im Landkreis Kelheim, Klaus Blümlhuber.

Der Turm soll insbesondere Werbeträger für Sallecks Weißbierbrauerei “Kuchlbauer“ sein. Dies funktioniert offenbar: Der Chef berichtete von einem Plus im zweistelligen Prozentbereich beim Bierabsatz. Schon das Geschenkset mit einem Weißbierglas im Hundertwasser-Design und sechs Flaschen “Turmweisse“ kurbelt den Umsatz an: “Wir haben Tage, an denen wir 500 solche Schachteln verkaufen - das ist unser Renner.“

Doch auch die anderen Tourismus- und Gastronomiebetriebe aus der Region bekommen etwas vom Kuchen ab. So wird im benachbarten Bad Gögging die Pauschale “Kur und Architektur“ für einen zweitägigen Kurzurlaub inklusive Turmbesichtigung angeboten. Auch die Reedereien, die mit ihren Passagierschiffen im Altmühltal und auf der Donau unterwegs sind, haben ein Hundertwasser-Paket geschnürt.

“Insbesondere profitiert bislang die Gastronomie in der Innenstadt von Abensberg und das ein oder andere Geschäft noch dazu“, sagt Tourismusexperte Blümlhuber. Er räumt allerdings ein, dass die Marketingkonzepte noch in den Kinderschuhen stecken. Weitere Betriebe müssten mit ihren Angeboten noch folgen.

Selbst im 13 000 Einwohner großen Abensberg herrscht jenseits von Sallecks Brauerei noch große Zurückhaltung - sehr zum Leidwesen von Bürgermeister Uwe Brandl (CSU). “Ich habe mir da mehr Bewegung im Bereich des Einzelhandels erwartet“, gibt der Rathauschef zu und fordert “Mut zur Investition“. Brandl warnt, dass die örtlichen Geschäftsleute den Hundertwasser-Boom vor ihrer Tür verpassen könnten. “Man muss rechtzeitig investieren, wenn die Neugier bei den Besuchern noch vorhanden ist.“

Ulf Vogler

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