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Wiedersehen vor Gericht: Werner L. (links, mit Verteidiger Harald Baumgärtl) und Brigitta K. kurz vor dem Prozess.

Prozess in München

Betrugsprozess: Hauskauf mit fünf Euro auf dem Konto

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München/Holzkirchen/Salzburg - Ein Gaunerpaar aus Holzkirchen war auf eine 2,8-Millionen-Immobilie scharf. Doch der Betrug ging schief, jetzt stehen die beiden in München vor Gericht.

Als sie sich in der Anklagebank gegenüber stehen, fallen sich Werner L. (56) und Brigitta K. (57) in die Arme und drücken sich. Anscheinend mögen sie sich immer noch, auch wenn ihre Liebe vorerst ein jähes Ende gefunden hat. Seit 2. Juli sitzen sie wegen Betrugsverdachts in Haft – er in Bernau am Chiemsee, sie in München-Stadelheim. Seitdem haben sie sich nicht mehr gesehen. Seit gestern aber sitzen sie gemeinsam wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs vor dem Landgericht München II, weil sie sich angeblich eine luxuriöse Villa in Salzburg erschleichen wollten.

Der Möbelverkäufer und die Fotografin, die sich bei der Tafel in Holzkirchen (Kreis Miesbach) kennengelernt hatten und erst in Holzkirchen, dann in Rimsting (Kreis Rosenheim) wohnten, stießen im Februar 2013 im Internet auf ein historisches Bauernhaus am Stadtrand von Salzburg, das eine Immobilienfirma für 3,9 Millionen Euro anbot. Das Anwesen gefiel ihnen zwar bei der Besichtigung nicht, dafür aber ein anderes: ein Haus mit dem Titel „Hoch über den Dächern der Stadt“ am Salzburger Heuberg für 2,85 Millionen Euro. Dieses Anwesen wollten sie haben – und sollen dafür, obwohl mittellos, Bonitätsnachweis und Überweisungsbestätigung gefälscht haben.

Zu Prozessauftakt nimmt Werner L. alle Schuld allein auf sich. Über seinen Verteidiger Harald Baumgärtl lässt er erklären, dass er ohne Wissen seiner Lebensgefährtin den Bonitätsnachweis einer Bank gefälscht und unterschrieben habe. Darin hieß es, dass er 3,5 Millionen Euro auf dem Konto habe. Tatsächlich verfügte er nur noch über fünf Euro. L. soll damals aber auf eine Erbschaft gehofft haben. Angeblich hatte er vor seiner Beziehung zu Brigitta K. eine Verbindung mit einer Italienerin, deren reicher Vater ihm etwas vererben wollte.

Beim Notartermin am 29. März 2013 in Salzburg sollte dann alles fix gemacht werden. Dort musste das Paar eine Überweisungsbestätigung über den Kaufpreis von 2,85 Millionen Euro sowie über 322 186 Euro für Rechtsanwaltskosten, Grunderwerbssteuer und Maklerkosten vorlegen. Auch diesen Beleg habe L. ganz allein angefertigt und dem Notar vorgelegt, erklärt Baumgärtl. „Er wusste, dass die angenommene Erbschaft noch nicht realisiert war.“

Entsprechend dem Geständnis ihres Lebenspartners beteuert Brigitta K, dass sie nicht an W.s Fälschungen beteiligt gewesen sei und nichts davon gewusst habe. „Sie hat auf die Zusicherungen des Herrn L. vertraut, dass er eine Erbschaft erhalten wird“, lässt sie über Verteidigerin Garina Hamel erklären. Er habe das Erbe nicht als vage dargestellt, sondern als sicher. So stehe es auch in K.s Tagebuchaufzeichnungen. Immer wieder habe sie seinen Beteuerungen geglaubt. „Das war ein Fehler von ihr.“ „Aus Naivität heraus“ sei sie in die jetzige Situation geraten. „Sie hat nichts hinterfragt.“

Werner L., in Augsburg geboren und in Südafrika aufgewachsen, war früher erfolgreich im Möbelverkauf. Dann musste er viele Todesfälle in der Familie verkraften, hatte keine Arbeit mehr. „Ich bin völlig abgestürzt.“ Schließlich zog er in den Obdachlosen-Container in Otterfing (Kreis Miesbach) und lernte bei der Tafel in Holzkirchen Brigitta K. kennen, die dort arbeitete.

Nach ihrer Scheidung 2004 musste K. mit vielen Jobs allein für sich und ihre zwei Kinder sorgen. Bis heute fühlt sie sich von ihren Eltern diskriminiert. Sie wollte gerne studieren, doch ihr Weg wurde vorgezeichnet. Ihre Eltern hätten gesagt: „Die braucht kein Abitur und kein Studium. Die heiratet sowieso mal.“ Brigitta K.: „Das Resultat kennt man ja.“ Der Prozess dauert an.

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