Hochschule für angewandte Wissenschaften

Bevölkerungsschwund: Hof setzt auf Hochschule

Hof - Wenn es um den demografischen Wandel in Bayern geht, wird meist der Nordosten Oberfrankens als Beispiel bemüht. Weil hier die Bevölkerungszahl dramatisch sinken wird. Die Stadt Hof setzt große Hoffnungen in ihre Hochschule.

Das Gebäude ist nagelneu und schick. Das Institut für Informationssysteme an der Hochschule Hof ist erst im Januar eröffnet worden. Es ist die einzige speziell für die Forschung geschaffene Einrichtung an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften in Bayern. Hochschulpräsident Jürgen Lehmann schaut sich deshalb stolz um. Aber ob die modernen Räumlichkeiten ein Grund zum Bleiben für die Studenten ist, wenn sie ihren Abschluss in der Tasche haben?

„Enorm wichtig“ für die Entwicklung der Stadt sei die Hochschule, sagt Oberbürgermeister Harald Fichtner (CSU). Die Wirtschaftsförder-Initiative Kuratorium Hochfranken hat am Dienstagabend in die Hochschule eingeladen. Es sollte um die Frage gehen, wie man die Studierenden auch für ein Berufsleben in der Region begeistern kann.

Die vom demografischen Wandel gebeutelte Stadt Hof setzt große Hoffnungen in die Hochschule, deren Studentenzahl seit Eröffnung im Jahr 1994 kontinuierlich steigt. Mehr als 3000 junge Menschen studieren hier derzeit. Die Hochschule, scheint es, ist attraktiv. Die Region weniger. Studentisches Leben, wie man es aus Unistädten wie Regensburg oder Bamberg kennt, ist in Hof kaum zu finden.

Derzeit hat Hof 46 000 Einwohner. Es gibt aber mehr Sterbefälle als Geburten. Prognosen zufolge werden 2028 in der oberfränkischen Stadt nur noch knapp über 40 000 Menschen leben. Wie sehr eine Hochschule eine Stadt verändern kann, zeigt sich im etwa 100 Kilometer entfernten Bamberg. Die Bevölkerungszahl steigt, die Stadt ist so attraktiv, dass die Wohnungen knapp werden. Die „Dynamik der Bamberger Universität“ sei eine wichtige Ursache für den Aufschwung der Stadt, sagt OB Andreas Starke (SPD). Freilich ist die Bamberger Uni bedeutend größer und hat um die 12 000 Immatrikulierte.

Artjom Verlatov, der in Hof studiert hat und nun seit kurzem für ein großes Unternehmen in der Region arbeitet, findet deutliche Worte. Die Innenstadt in Hof habe wenig zu bieten, sagt er. Als Single eine geeignete Wohnung zu finden sei gar nicht so einfach. Und Kathrin Klug (24), Management-Studentin, sagt, dass Hof natürlich ein schönes Theater und die Symphoniker zu bieten habe. Aber für die meisten jungen Menschen sei das eben nicht wirklich interessant.

Hochschulpräsident Lehmann nimmt auch die Firmen der Region in die Pflicht. Nur ein Teil der Unternehmen zahle den jungen Akademikern angemessene Gehälter, sagt er. Von Absolventen erfahre er immer wieder, dass Firmen das Gehalt drücken wollen - mit der Begründung, dass die Lebenshaltungskosten hier niedriger seien als in Ballungsräumen. „Da muss man kritisch hinsehen“, mahnt er. „Ich will das nicht pauschalisieren: Aber es gibt Unternehmen, die wollen das Billig-Image nutzen.“ Und dann dürfe man sich nicht wundern, wenn die jungen Menschen abwanderten.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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