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Die Fotos von Maurice waren für einige der Gottesdienstbesucher schwer zu ertragen. 300 Menschen haben sich am Samstag in Passau von dem 15-Jährigen verabschiedet.

300 Trauernde nehmen Abschied

Bewegende Feier für totgeprügelten Maurice: „Ein blühendes Leben verschwand“

Der Tod des 15-jährigen Maurice hat die kleine Gemeinde Obernzell tief erschüttert. Am Samstag haben neben seiner Familie rund 300 Trauernde Abschied von ihm genommen.

Obernzell – Am Eingang der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Obernzell bei Passau steht eine schwarz gekleidete Frau, in ihrer Hand ein Stapel Karten. Mit einem leichten Nicken drückt sie jedem Gottesdienstbesucher eine davon in die Hand. Auf der Karte sind zwei Fotos von Maurice K. abgebildet, einem blondhaarigen Jugendlichen mit Kopfhörern im Ohr. „Pfiat Eich... bis späda! Eia Maurice“, steht in kursiver Schrift daneben. Manchen Trauernden huscht beim Anblick des 15-Jährigen ein Lächeln über das Gesicht. Aber viele können die Fotos kaum anschauen, sie legen die Karte verkehrt herum auf die Kirchenbank vor sich.

Die Pfarrkirche in Maurice Heimatgemeinde ist am Samstagnachmittag rappelvoll. Familie, Freunde und Nachbarn drängen sich auf den Bänken. Einige müssen stehen. Die Urnenbeisetzung war schon am Vormittag im engsten Kreis. Nun wollen seine Familie und Freunde bei einem Trauergottesdienst in aller Öffentlichkeit Abschied nehmen.

Der Schüler hatte sich am Montagabend mit einem Gleichaltrigen an einer Unterführung in Passau verabredet, um einen Streit auszutragen. Die Situation eskalierte. Maurice ging verletzt zu Boden und starb wenig später im Krankenhaus. Fünf Tatverdächtige im Alter von 15, 17, 21 und 25 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Für einen 14-Jährigen ordnete ein Haftrichter die Unterbringung in einer geschlossenen pädagogischen Einrichtung an. Allen wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

„Die Frage nach dem Warum kann niemand erklären“

„Ein blühendes Leben verschwand, wurde buchstäblich zu Boden getrampelt“, sagt Pfarrer Josef Remberger zu Beginn seiner Predigt. „Die Frage nach dem Warum kann niemand erklären.“ Nach der Predigt ist es mucksmäuschenstill. Zwei Freundinnen des 15-Jährigen wagen sich nach vorne, sie haben ein Gedicht geschrieben: „Dear Maurice, ich will nur noch zu dir...“, setzt eine der beiden mit brüchiger Stimme an. Auch die Lesungen und Fürbitten werden von Jugendlichen übernommen.

Der Schulrektor von Maurice spricht ein paar Worte. „Maurice, wir werden dich nicht vergessen“, verspricht er. Es ist eine besondere Messe, das ist klar. Dass ein 15-Jähriger am helllichten Tag unter den Augen von dutzenden Passanten totgeprügelt wurde, kann niemand fassen. „Bei uns auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung, dachte ich bis Dienstagmorgen“, sagt Josef Würzinger, Bürgermeister von Obernzell. Er appelliert an die Zivilcourage der Trauernden. „Vielleicht ist Maurices Tod eine Mahnung und zugleich eine Aufforderung an uns.“ Nach seinen Worten stimmt der Chor ein letztes Stück an: „Wind of Change“ von der Band Scorpions. Es soll das Lieblingslied von Maurice gewesen sein.

Mirjam Uhrich

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