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Bezirketagspräsident Josef Mederer. 

Interview mit Bezirketagspräsident Josef Mederer

„Wir brauchen Anreize im Pflegeberuf“

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München - Der Bezirketagspräsident fordert, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, um motivierte Nachwuchskräfte zu gewinnen. Diese Anreize, sagt er, seien dringend nötig.

Nach den ungeklärten Todesfällen in einem Seniorenheim in Unterfranken hat Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) eine Neuregelung der Heimaufsicht gefordert. Ein neues Bewertungssystem für Pflegeheime fordert auch der Bezirketag. Präsident Josef Mederer (CSU) erklärt wieso.

Herr Mederer, was halten die Bezirke von den Pflegenoten für Heime? Wie aussagekräftig sind sie?

Josef Mederer: Die Pflegenoten geben nicht das wieder, was wir Außenstehende als Kriterien für menschenwürdige Pflege betrachten. Organisatorische Abläufe sind zum Beispiel höher gewichtet als menschliche Zuneigung. Aber Zuwendung kann man eben nicht als Note erfassen. Durch die Noten entsteht eher ein verwässerter Eindruck der Wirklichkeit – aber keine Aussage über qualitativ hochwertige und menschennahe Pflege. Deshalb würden die Bezirke ein anderes System befürworten.

Wie müsste es aussehen?

Mederer: Ein Patentrezept dafür, wie man die Qualität eines Heims ermitteln kann, habe ich auch nicht. Ich appelliere an die hohe Verantwortung der Einrichtungsbetreiber. Und die Kontrollen müssen Konsequenzen haben, vor allem in finanzieller Hinsicht. Im schlimmsten Fall – und das gab es bereits – müssen Heime geschlossen werden. Außerdem brauchen wir Anreize für die Pflegekräfte. Sie müssen eine gute Bezahlung bekommen, um ihren Beruf motiviert und engagiert auszuüben.

Wie schwer ist es aktuell, junge Menschen für Pflegeberufe zu gewinnen?

Mederer: Es ist schwierig. Vor allem für Pflegeheime. Wir brauchen dringend eine gleiche Bezahlung. Solange eine Pflegekraft im Krankenhaus besser bezahlt wird als in einem Pflegeheim, wird sich die Situation nicht verbessern. Das Berufsbild muss attraktiver werden – auch was die Entwicklungsmöglichkeiten betrifft.

Inwiefern verbessern die jetzt in Kraft getretenen Pflegestärkungs-Gesetze II und III die Situation?

Mederer: Aus den drei Pflegestufen sind nun fünf Pflegegrade geworden. Das ist ein System, das jedem gerechter wird. Die Pflegebedürftigkeit wird nicht mehr anhand gezählter Minuten beurteilt, sondern an der Frage, wie viel ein Mensch noch selbstständig machen kann. Das ist eine gewaltige Verbesserung.

Wie groß ist der Aufwand durch diese Reform?

Mederer: Jede Person im Pflegeheim musste einen neuen Bescheid bekommen. Allein in Oberbayern sind das 15.000 Fälle. Wir haben bereits alle übermittelt.

Könnte die neue, differenziertere Einordnung für einige Betroffene eine Verschlechterung bedeuten?

Mederer: Nicht für Menschen, die bereits Pflegefälle sind. Es war die Maßgabe, dass keiner schlechtergestellt werden darf als bisher. Wer allerdings vorher noch keinen Antrag gestellt hatte, könnte durch die neuen Gesetze weniger Unterstützung bekommen als durch die alten Pflegestufen.

Kommen dadurch auf die Bezirke mehr Aufgaben im sozialen Bereich zu?

Mederer: Wir gehen davon aus, dass die Menschen mehr Geld von öffentlicher Hand brauchen werden. Aktuell ist etwa jeder dritte Mensch in Pflegeheimen Sozialhilfeempfänger. Unsere Sorge ist, dass diese Zahl steigen wird.

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