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In Bayern ist die Biber-Population so stark angewachsen, dass die Beliebtheit des Nagers stark gelitten hat. 

Debatte um strikten Artenschutz

Der Biber: Vom Exoten zur Plage?

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Rund 20.000 Biber gibt es in Bayern. Dabei war Europas größter Nager vor einigen Jahrzehnten sogar vom Aussterben bedroht. Jedoch sind nicht alle glücklich darüber, dass seine Population floriert. 

München – Kleine, wache Augen, weiches, glänzendes Fell und der berühmte platte Schwanz: Der Biber ist, rein äußerlich, eine Sympathiekanone. Auch als Motor für die Artenvielfalt ist er unumstritten: Die Gewässer, die er mit seinen Dämmen staut, verwandelt er in Biotope für Fische, Pflanzen, Vögel. Doch die Beliebtheit des Bibers hat in den vergangenen Jahren stark gelitten – besonders bei Jägern, Förstern und Landwirten. Denn das größte Nagetier Europas legt sich beim Bau seiner Biberburg kräftig ins Zeug, knabbert Bäume und Mais nieder, überflutet und unterhöhlt Wiesen und Felder. Und auch so manchem Fischweiher zieht er durch das Graben seiner Wohnhöhlen den Stöpsel.

Lange ging es dem Biber dabei nicht so gut wie heute. Einst fast ausgerottet, leben derzeit rund 20.000 Exemplare in Bayern. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich der Bestand rasant vermehrt: 2005 waren es nur etwa 7500, schätzt das Landesamt für Umwelt (LfU). Vom Aussterben ist der Biber nicht mehr bedroht, darin sind sich seine Fans und Kritiker einig.

Bayerische Bauernverband: Schutzstatus des Bibers darf „nicht in Stein gemeißelt sein“

Zu letzteren gehört der Bayerische Bauernverband. Dessen Mitglieder klagen immer wieder über Ernteverluste durch den hungrigen Nager und Traktoren, die auf unterhöhlten Feldern einbrechen. „Der Biber ist ein Beispiel, dass ein Schutzstatus nicht in Stein gemeißelt sein darf“, sagt ein Verbandssprecher.

Gemeinsam mit den Bauern rütteln auch die Jäger am Schutz durch die gestrengen Paragrafen des Bundesnaturschutzgesetzes und der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie: Es müsse möglich sein, „künftig flexibler auf positive Bestandsentwicklungen beim Biber zu reagieren“, heißt es in einer Erklärung des Deutschen Jagdverbands. In stark betroffenen Regionen gebe es „kaum noch Verständnis für den strengen Schutz“.

Das Töten eines Bibers ist nur über eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde erlaubt. Wer ohne diese einen Biber fängt, verletzt oder seinen Damm beschädigt, muss in Bayern bis zu 50.000 Euro Strafe zahlen.

Dafür, dass das so bleibt, kämpft Gerhard Schwab (56). Er ist Bibermanager für den Bund Naturschutz und bemüht sich als solcher, die Konflikte zwischen Bibern und Biber-Betroffenen unblutig zu lösen. „Wenn es den Schutzstatus nicht gäbe, wäre es mit dem Biber schnell wieder vorbei“, sagt Schwab und verweist auf ohnehin 1400 genehmigte Bibertötungen 2015, bei denen berechtigte Probleme vorgelegen hätten. Der Bibermanager ist überzeugt, dass den Bibern in Bayern der Platz nicht zu knapp wird. „Mindestens das Doppelte“ an Population sei drin.

Der Biber-Ausgleichsfonds für Nageropfer

„Die Aufregung, weil es nicht mehr so aussieht wie vorher“, wenn der Biber seine Burgen baut, kann Schwab nicht verstehen. Und dass viele dem Nager den Tod wünschen, versteht er noch weniger. Er rät, rechtzeitig vorzubeugen: Drahthosen um Obstbäume, Elektrozäune für Gemüsefelder, Gitter, die das Untergraben von Wegen oder Feldern verhindern, oder die genehmigte Entfernung störender Biberdämme. „Es gibt genügend Lösungen“, sagt der Bibermanager.

Und außerdem gebe es seit 2008 den Biber-Ausgleichsfonds, mit dem der Freistaat freiwillig die Nageropfer in Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft entschädigt: 450.000 Euro stehen darin jährlich bereit, gut drei Viertel der gemeldeten Biberschäden in Höhe von rund 610.000 Euro habe man im vergangenen Jahr damit regulieren können, teilt das LfU mit.

Die Kritiker wird das nicht beruhigen. In ihren Kreisen kursiert die eine oder andere Idee zur Abhilfe gegen den Nager, die diesem gar nicht schmecken dürfte. Zum Beispiel Rezepte für Bibergulasch. Mit Knödeln.

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