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Mittlerweile gibt es rund 17 000 Biber in Bayern. Während Umweltschützer die Tiere als kostenlose Landschaftsgestalter loben, beklagen Landwirte steigende Schäden durch die Nager.

Kostenloser Landschaftsgestalter

Der Biber ist zurück in Bayern

München - Der Biber ist in Bayern auf dem Vormarsch. Umweltschützer preisen das Tier als kostenlosen Landschaftsgestalter. Doch der pelzigen Nager löst nicht überall Freude aus.

Angefressene Bäume, aufgestaute Bäche und abgenagtes Gehölz: Der Biber hat Bayern zurückerobert. Rund 17 000 Tiere mit dem charakteristischen platten Schwanz bevölkern inzwischen die Gewässer des Freistaats. Selbst im Münchner Stadtgebiet fühlen sich die Biber bereits heimisch - dabei waren die Nager fast 100 Jahre lang in Bayern ausgestorben. „Der Biber ist mittlerweile überall bei uns verbreitet“, sagt Gerhard Schwab, Bibermanager beim Bund Naturschutz. Lücken gebe es nur noch in Ober- und Unterfranken sowie am Alpenrand.

Umweltschützer freut die Rückkehr des Nagers. „Der Biber ist ein Motor für mehr Artenvielfalt“, sagt Peter Martin, Biberberater im Landkreis München. Staut der Biber das Wasser auf, entstehen sogenannte Biberseen, in denen viele Nährstoffe zurückgehalten werden - gut für den Fischreichtum. Zudem drückt das Wasser in die Breite, eine Auenlandschaft entsteht, seltene Tiere und Pflanzen finden eine neue Heimat. Wichtig sei lediglich, entsprechende Randstreifen an den Gewässern frei zu lassen, sagt Schwab. „Um die zu gestalten, brauche ich keinen Bagger und keinen Planer rausschicken, das macht der Biber viel besser - und kostenlos.“

Auch beim Hochwasserschutz könne der Biber nützlich sein. Durch die Dämme werde Wasser zurückgehalten und rausche nicht auf einmal runter ins Tal. „In den USA gibt es dazu Untersuchungen, die das bestätigen“, erzählt Schwab.

Doch nicht überall stößt der Biber auf Freunde. „Die Zahl der Schäden steigt“, sagt Markus Peters vom Bayerischen Bauernverband. Durch den Bau seiner Höhle, der Biberburg, könne der Biber die Felder der Landwirte an den Gewässern unterhöhlen. „Es besteht die Gefahr, dass Maschinen und Menschen einbrechen.“ Auch könnten Felder überflutet werden. „Der Biber besiedelt zunehmend Reviere, die nicht optimal sind, zum Beispiel flache Gebirgsbäche“, sagt Peters. Wenn die Zahl der Schäden weiter steige, müsse auch mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, um die Landwirte zu entschädigen.

Dafür stehen im Rahmen des Bibermanagements des Umweltministeriums jährlich 450 000 Euro zur Verfügung. Im vergangenen Jahr konnten 62 Prozent der gemeldeten Schäden ausgeglichen werden. Biberberater wie Peter Martin treten als Vermittler auf und suchen zusammen mit den Betroffenen nach einer Lösung. „Wir können zum Beispiel Drainagen in die Biberdämme einbauen, dann werden die Felder nicht überflutet.“ Bäume am Ufer lassen sich mit Drahthosen vor den Nagern schützen. Hilft das alles nicht, dürfen Biber in Ausnahmefällen auch aus ihrem Revier entfernt werden - meist werden sie dafür getötet. 2013 gab es in Bayern rund 1200 solcher Entnahmen.

Intensive Jagd hatte dem Biber Mitte des 19. Jahrhunderts den Garaus gemacht. Ende der 1960er-Jahre kam der Nager nach Bayern zurück, 120 Tiere wurden an der Donau ausgewildert. Bald könnte das Biberwachstum jedoch eine natürliche Grenze erreichen. „Biber sind Reviertiere“, sagt Martin. Besetzt eine Familie ein bestimmtes Revier, ist es für andere Tiere tabu. „Da wird gnadenlos verteidigt, Eindringlinge werden attackiert.“ Weil inzwischen so gut wie alle Reviere besetzt sind, dürfte mit dem Wachstum bald Schluss sein.

dpa

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