Münchner (53) brutal zusammengeschlagen - Täter flüchtig

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Annemarie Biechl und ihre versammelte Enkelschar: Hinten rechts Bernhard (mit fast 11 Jahren der Älteste). Daneben sein Bruder Lorenz (6). Links oben im blauen Dirndl Johanna (9) und davor im roten Dirndl Schwesterchen Barbara (2). Die Zwillinge auf dem Schoß der Oma sind Charlotte (links) und Bernadett, beide ein Jahr alt; rechts über ihnen deren Bruder Jakob (3). Annemarie Biechl führt mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb.

Biechl: „Warum nicht eine Bauernpräsidentin?“

München - Warum nicht eine Bauernpräsidentin? Die scheidende Landesbäuerin Annemarie Biechl erklärt, weshalb sie eine Frau im Amt für denkbar hält - und wie es um die Gleichberechtigung bestellt ist.

Zehn Jahre lang war Annemarie Biechl Landesbäuerin. Am 18. April wird ihre Nachfolgerin gewählt. Es kandidiert die oberfränkische Bezirksbäuerin Anneliese Göller. Die 63-jährige Biechl aus Feldkirchen-Westerham (Kreis Rosenheim) legte in ihrer Amtszeit Wert auf die Gleichberechtigung der Bäuerinnen. Sogar eine Bauernpräsidentin hält sie im Interview für denkbar.

Frau Biechl, was ist eine Landfrau heute in erster Linie: Ehefrau oder Unternehmerin?

Es gibt keinen Vorrang der einen Aufgabe vor der anderen. Die Anforderungen haben sich verändert im Laufe der Zeit, aber der Grundauftrag ist geblieben: Man ist Mutter, man ist Bäuerin, man ist Botschafterin. Man kümmert sich um den Betrieb genauso wie man sich um agrarpolitische Angelegenheiten kümmert. Das Spektrum ist breiter geworden, aber es ist nichts weggefallen.

Wenn Sie die Agrarpolitik ansprechen: Kann man wirklich sagen, dass die Landfrauen im Bauernverband gleichberechtigte Partnerinnen sind?

Das entwickelt sich immer weiter. Wir haben in dieser Periode viel erreicht. Dass die Kreisbäuerinnen jetzt bei der Kreisobmännertagung dabei sind und die Agrarpolitik mitgestalten können, ist ein wichtiger Schritt. Wir haben gemerkt, dass die Frauen das auch wollen. Mir war aber ganz wichtig, dass auch die originäre Landfrauenarbeit nicht zu kurz kommt.

Haben die Männer die Landfrauen bereitwillig aufgenommen?

Ja, da hat sich ganz viel getan. Kreisobmänner und Kreisbäuerinnen arbeiten eng zusammen.

Sie sind Mitglied im Landtag. Ist es wichtig, dass die Landesbäuerin politisch so verankert ist?

Das ist keine Voraussetzung für das Amt – und es wird auch nicht wieder gleich so sein. Ich hab damals die Chance bekommen und mir gedacht: Man sollte sich dort beteiligen, wo man für den Berufsstand etwas bewegen kann. Es war nicht immer ganz einfach, mehrere Hüte aufzuhaben – aber im Nachhinein weiß ich: Es war wichtig und richtig.

Werden Sie 2013 noch einmal antreten?

Die Entscheidung ist bei uns im Wahlkreis noch nicht gefallen.

Lust hätten Sie schon?

Ich bin nicht müde. Als Landesbäuerin aber ist es jetzt der richtige Zeitpunkt zum Aufhören. Ich habe mich fast eine ganze Generation für die Landfrauen engagiert. Und hab das gern gemacht. Wir haben Gott sei Dank so viel junge Frauen, die Ideen haben. Dieser Erneuerungsprozess muss sein, sonst lebt der Verband nicht.

Worum beneiden Sie die jungen Frauen?

Neid ist nicht das richtige Wort. Ich freu mich mit ihnen, dass wir landwirtschaftlich wieder Perspektiven haben. Und ich freu mich, dass die Jungen unwahrscheinlich viele Möglichkeiten haben. Diese Vielfalt ist großartig. Mir geht da nichts ab. Ich habe viele Chancen nutzen können.

Was sagen Sie einer Städterin, die auf einen Hof einheiraten will. Was darf sie keinesfalls machen?

Das allerwichtigste ist erst einmal der Partner. Das muss im Vordergrund sein. Alles andere ist wie in anderen Bereichen auch: Sie muss wissen, was sie will. Im speziellen Fall: Will ich aufs Land? Geht mir die Stadt ab? Dann muss sie sich im klaren sein, ob sie in den Betrieb einsteigen oder Hausfrau sein will. Wenn sie sich auf das Abenteuer einlässt, dann ist das wirklich eine Erfüllung. Da kann aus meiner Überzeugung ein Stadtleben nicht mithalten.

Wenn Sie dann sehen, wie Landwirte bei „Bauer sucht Frau“ dargestellt werden, ärgert Sie das?

Das ist wirklich eine furchtbare Sendung. Wenn man hinter die Kulissen schaut, weiß man, wie solche Sendungen entstehen. Dass die Männer etwas dafür bezahlt bekommen, dass das zum Teil gar nicht ihre Höfe sind. Ein junger Bauernbursche, der gut drauf ist, der findet auch eine Partnerin. Die Sendung verbreitet ein schreckliches Klischee. Ich schau’s auch gar nicht mehr an.

Was hatten Sie sich als Landesbäuerin vorgenommen und nicht erreicht?

Mein Ziel war, die Frauen zu unterstützen wo es nur geht. Besonders die jungen Frauen, die auf einen Bauernhof heiraten. Da haben wir die Weiterbildung zur Agrarbürofachfrau entwickelt. Die Frauen weiterzubilden – das haben wir in allem verfolgt, was wir gemacht haben. Wichtig ist schon, dass wir im Verband die Gleichberechtigung weiterverfolgen. Als Erfolg sehe ich, dass ich als Landesbäuerin gleichberechtigt den Präsidenten vertreten kann. Das habe ich nicht erkämpft, es war einfach die Zeit reif dafür. Ich bin auch davon überzeugt, dass es einmal eine Bauernpräsidentin geben kann. Von der Satzung spricht nichts dagegen. Nicht dass das jetzt das große Ziel wäre: Eine Frau muss Präsident werden. Der, der für den Verband das beste erreichen kann, sollte es werden.

Können Sie sich wirklich mittelfristig eine Bauernpräsidentin in Bayern vorstellen?

Ich sehe jetzt zwar keine, die den Ehrgeiz hätte, es machen zu wollen. Aber warum nicht? Wenn eine das Format hätte und es wollte? Ich bin überhaupt keine feministische Kämpferin. Ich hab es nicht mit Frauenquote. Aber da, wo es passt, sollte eine Frau auch nicht verhindert werden. Vor Ort haben wir jetzt gemeinsame Ortsvorstandssitzungen. Es ist wichtig, dass man die Kooperation von Männern und Frauen von unten rauf zusammenführt.

Welchen Traum erfüllen Sie sich, wenn Sie mehr Zeit haben?

Dass ich mich ein bisserl mehr um meine sieben Enkel kümmern kann. Wieder eintauchen kann daheim in Garten, Haushalt, Landwirtschaft. Ich möchte gerne meinen Töchtern und meiner künftigen Schwiegertochter einiges zurückgeben von dem, was sie für mich getan haben. Sie ein wenig zu unterstützen, das ist mir wichtig. Jetzt rufen die Enkel an und fragen: „Oma, wie sieht Dein Terminkalender aus? Wann darf ich bei Dir übernachten?“

Was wünschen Sie Ihrer Nachfolgerin?

Dass sie die Herzen der Bäuerinnen erreicht. Es ist das Allerwichtigste, dass man spürt, was sie brauchen und wo man sie unterstützen kann.

Interview: Claudia Möllers

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