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Spezielle Leidenschaft: Andreas Pixis aus dem Münchner Stadtteil Laim ist Imker und sorgt sich um seine Bienen. Sollte doch noch der Frost kommen, sind auch seine Völker vom Kältetod bedroht.

Milder Winter

Bienen: Ganzen Völkern droht der Tod

München - Der milde Winter bringt manches durcheinander – auch die Tierwelt. Für Bienen könnte er fatale Folgen haben: Wenn doch noch eisige Temperaturen kommen, droht ganzen Völkern der Tod.

Eine Biene ist ausgerissen, vorsichtig steigt Andreas Pixis, 56, auf die wackelige Werkbank am Fenster. In der Hand: ein leeres Honigglas. Behutsam stülpt es der Imker über das Insekt, Deckel drauf und ab zurück in seinen großen Garten mitten in München-Laim zum Stock. Eine Biene ist gerettet. Vorerst. Doch bald könnte sie sterben. Sie und Tausende ihrer Artgenossen. Wegen des verkorksten Winters, sagt Pixis.

Der Winter war bisher viel zu warm für die Bienen. Die Folge: „Sie brüten bereits.“ Die Insekten denken wohl, der Winter wäre schon vorbei. Doch jetzt könnten Schnee und Eis die Brut, ja ganze Bienenvölker töten. So wie 2012: Da war der Januar mild, der Februar eisig.

Pixis, Imker in dritter Generation, erklärt das so: Wenn es zum Winteranfang kälter wird, kuscheln sich die Bienen in ihrem Stock eng zusammen. Sie bilden eine Traube. Die Königin sitzt in der Mitte. Die Arbeiterinnen um sie herum bleiben in Bewegung, erzeugen Wärme. Gemütliche 22 Grad hat es dann im Trauben-Kern. Mit genug Futter im Stock überwintert das Volk problemlos.

Ist es so richtig kalt, sollte der Bienenkasten besser nicht geöffnet werden. Der Wärmeverlust wäre fatal. Doch jetzt, bei diesen milden Temperaturen, wagt Pixis einen Blick hinein: Langsam hebt der Imker den Deckel eines Bienenstocks ab. Knapp 30 solcher Kästen hat er. Mit spitzen Fingern hebt der Imker eine Wabe heraus. Genau da, wo sich die Bienen zur Traube gesammelt haben. Unzählige Bienen tummeln sich hier.

Viele Bienen spenden Wärme: Den Winter überleben die Insekten nur dicht aneinander gedrängt.

Inmitten der winterlichen Bienen-Traube hat die Königin schon jetzt Eier in die Waben gelegt. Normalerweise tut sie das erst Ende Februar oder März. Ein Großteil der Bienen hockt nun auf der Brut und hält sie warm. Wie ein Wintermantel legen sich derweil die restlichen schwarz-gelben Insekten herum. So weit so gut.

Doch die Bienen kriegen Hunger. Besonders wenn sie brüten: Dann steigert sich der Energieverbrauch. Das Futter in unmittelbarer Nähe der Traube ist bald verputzt. Die Formation muss sich im Bienenstock gemeinsam bewegen, um an neues zu kommen. Die brütenden Bienen bleiben jedoch meist am Brutplatz zurück.

Bleibt es bei den milden Temperaturen, schaffen es die Insekten auch ohne den warmen Bienen-Mantel. Sie können zur Nahrungsaufnahme ihren Platz kurz verlassen. Niemand erfriert, Brut und Bienen überleben.

Kommt aber bald der Wintereinbruch, schweben die Bienen in Lebensgefahr. Die Traube bewegt sich. Die brütenden Bienen stehen dann im Konflikt: Schwirrt die Biene mit der Traube Richtung Futter, erfriert die Brut. Bleibt sie sitzen, verhungert das Insekt. Auch die Brut lebt nicht mehr lange.

Ganze Bienenvölker sterben auf diese Weise. Anfällig sind vor allem die Völker, die bereits im Herbst mit der gemeinen Varroa-Milbe zu kämpfen hatten. Wegen der Milbe kann der Bienennachwuchs zum Winter nicht richtig wachsen – oder stirbt. Das Volk geht geschwächt in die Winterruhe. Es sei nicht leicht, ein wirklich starkes Bienenvolk einzuwintern, sagt Pixis. Die Bekämpfung der Milbe ist schwierig.

Stirbt eines seiner Völker, nagt das sehr an Pixis. „Ich bin ja verantwortlich.“ Doch auch ein Imker kann nicht alle Abläufe im Stock beeinflussen. Besonders Pixis, der als Imker des Verbands „Demeter“ biologisch-dynamisch wirtschaftet. „Ich störe meine Bienen nur so oft wie nötig“, sagt der Fachmann, der bei den „Demeter“-Imkern stellvertretender Sprecher der Bundesfachgruppe ist. Zusätzlich gibt er Imker-Kurse.

„Dass Bienen sterben, gehört aber dazu“, sagt er zerknirscht. Die Sommerbiene lebt höchstens zwei Monate, die Winterbiene etwa sieben. Heuer könnte es weniger werden – wenn das Wetter dreht. Meteorologe Jan Bernd Schröer vom Deutschen Wetterdienst sagt: „In den kommenden Tagen sieht es nicht nach Wintereinbruch aus.“ Doch die Winterzeit ist noch lang. „Die Kaltluft steht in Lauerstellung.“

Auf weniger als Minus zehn Grad müsste das Thermometer fallen. Und das über mehrere Tage, sagt Ferdinand Drexler, Vorsitzender des Landesverbands Bayerischer Imker. Dann könnte es zur Bienen-Katastrophe kommen. Andreas Pixis hat ein gutes Bauchgefühl: „So kalt wird es nicht mehr.“ Doch er gibt zu: Vielleicht ist das nur ein Wunschtraum.

Carolin Nuscheler

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