Terrorverdacht bei Messerattacke in Finnland - Zwei Tote und sechs Verletzte

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Dieses Foto hat ein Verwandter von Sylvia Mützel aus Shanghai mitgebracht. Es hing vor dem dortigen Hofbräuhaus. foto: privat

Bier-Model wider Willen

München - Das staatliche Hofbräuhaus hat mit Bildern von einer Augsburgerin geworben, weltweit. Das Problem: Die 34-Jährige wusste davon nichts. Jetzt fordert sie eine angemessene Gage.

So stellt sich der Chinese vielleicht die perfekte Bayerin vor: Blonde Locken, ein herzliches Lächeln, ein schönes Dekolleté, verpackt im traditionellen Dirndl – und davor stemmt sie drei frische Mass Bier. Es gibt ein Bild von Sylvia Mützel, auf dem die Augsburgerin genau die Kriterien erfüllt. Mit diesem Motiv warb das Hofbräuhaus fast zehn Jahre lang für seine Filialen in Metropolen wie New York, Las Vegas und Shanghai – allerdings ohne das Wissen des Models.

Bild auf Sixpacks und Bierdeckeln

Erst durch Zufall erfuhr die 34-Jährige, dass das Staatliche Hofbräuhaus, ein Wirtschaftsunternehmen des Freistaats Bayern, auf der ganzen Welt ihr Abbild plakatiert. Der Cousin ihres Mannes war im vergangenen Jahr zur Montage in Shanghai. Bei einem Streifzug durch die chinesische Mega-Stadt lief er zufällig am Hofbräuhaus vorbei – dort traute er seinen Augen kaum: Sylvia, überlebensgroß, auf einem Werbeplakat! Darüber der Schriftzug „Hofbräu Shanghai“. Recherchen ergaben, dass die Kellnerin auch von Bierdeckeln und Sixpacks lächelte, im Internet bot Hofbräu die Blondine sogar als Bildschirmschoner zum Herunterladen an.

Es ist nicht so, dass Sylvia Mützel, die in ihrer Freizeit ab und zu als Model arbeitet, mit diesem Weltruhm nicht zurecht käme. Doch die 34-Jährige möchte Geld sehen. Mehr Geld. Denn in der Tat hatte das Hofbräuhaus legal Werbebilder von ihr gemacht – doch Mützels Ansicht nach unter ganz anderen Voraussetzungen. 2001 war die Augsburgerin von einer Fotografin angesprochen worden, als sie auf dem Oktoberfest im brauereieigenen Zelt als Bedienung arbeitete. Sylvia Mützel willigte ein, sich fotografieren zu lassen. Sie posierte mit Bierkrügen im Biergarten und bekam 600 Euro dafür. Mützel ging davon aus, dass die Motive für eine Maibock-Werbung verwendet werden – und nicht für eine weltweite Kampagne.

30 000 Euro Gage

Die Kellnerin beauftragte ihren Anwalt Paul Bucher, Klage beim Landgericht München I einzureichen – gegen das Bayerische Landesamt für Finanzen. Der Betreiber einer Werbeagentur hatte ausgerechnet, dass Sylvia Mützel mit 20 000 bis 30 000 Euro Gage rechnen könnte. Schon Mitte Januar fand die erste Verhandlung statt, zunächst ging es nur um Auskunft und Dauer der Werbekampagne. Die Richter lobten die Plakate als „zeitlos und schön“ und schlugen 1500 Euro als Entschädigung vor. Doch das war Mützel und ihrem Anwalt nicht genug – das Urteil wurde vertagt auf heute Nachmittag, 15 Uhr.

Dreh- und Angelpunkt des Falls: Weil es keine schriftlichen Verträge gibt, muss geklärt werden, welche mündlichen Abmachungen vor dem Foto-Shooting im Jahr 2001 über die Rechte an den Bildern gemacht wurden. Sylvia Mützel fährt selbst von Augsburg nach München, um an der Verhandlung teilzunehmen: „Ich bin sehr gespannt.“

Carina Lechner

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