Bayerischer Auswanderer kauft Brauerei

Welcome, Schnickelfritz

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St. Louis/Wolnzach - In Wolnzach steht ne Brauerei – eins, zwei, g’schlossa. Da kommt der Kuplent Flo vorbei... naja, und kauft das Ding. Dazu muss man wissen, dass Kuplent in den USA schon erfolgreich Bier braut – auch eher spezielle Sorten. Aber was heißt das für Wolnzach?

Drüben in St. Louis/Missouri, da haben sie sich längst an zwei Namen gewöhnt. Der eine ist Zwickel. Der andere noch ein bisschen komplizierter für so eine US-Zunge: Schnickelfritz – oder: Snicklfrizz. Das eine ist ein Helles, das andere ein Weißbier. Die Amis fliegen drauf, vielleicht auch, weil es so echt ist. Denn gebraut wird es von Florian Kuplent, Bayer, Braumeister, absolut bierverliebt, ein Mann wie gemacht für diesen Job.

Bierbrauer Florian Kuplent

Kuplent, 40, hat sein Handwerk in Weihenstephan gelernt und vor vier Jahren in St. Louis eine kleine Brauerei gegründet: die Urban Chestnut Brewing Company. Hier braut er Zwickel und Schnickelfritz, aber auch „Spezialsorten“: Bier mit Kastanienaroma oder Bier, das in alten Whisky-Fässern gelagert wird. Eher nix für Traditionalisten. Inzwischen gibt’s einen zweiten Brau-Standort in St. Louis. Wenn alles nach Plan läuft, wird es bald noch einen dritten geben, weit weg von St. Louis, mitten im Hopfen-Herzen Deutschlands, in Wolnzach (Kreis Pfaffenhofen a. d. Ilm).

Den Wunsch, auch in Bayern Bier zu brauen, hatte Kuplent schon lange. Es war so eine Art Langzeitplan, aber dann ging doch alles ganz schnell. Ein Geschäftsfreund aus Wolnzach steckte ihm, dass das „Bürgerbräu“ zum Verkauf steht. Kurz vor Weihnachten 2014 war das. Über die Feiertage war Kuplent eh daheim, bei der Familie nahe Mühldorf. Er fuhr rüber nach Wolnzach. Besichtigung. Treffen mit dem Bürgermeister. Kurzes Grübeln. Es gab auch andere Interessenten, sagt Wolnzachs Bürgermeister Jens Machold (CSU). „Aber der Herr Kuplent war anders. Der hat sich so interessiert, dass er sofort zuschlagen musste.“

Auch für den Bürgermeister war das ein Glücksfall. Das „Bürgerbräu“ hatte erst kurz zuvor Pleite gemacht. Man hatte sich mit der kleinen Brauerei, an der auch 500 Bürger beteiligt waren, übernommen. Die Schulden waren fünfstellig. Dann kam Kuplent. „Ich bin mir der Tradition bewusst, die da in Wolnzach ist“, sagt er. Darum will er keinen harten Schnitt, sondern einen weichen Übergang. Der Plan: Erst traditionelle Sorten brauen. Wenn das läuft, geht’s ans Experimentieren. Kuplent will dann seine „Spezialsorten“ aus den USA importieren.

Spezialsorten. Dass die im traditionsstarken, aber konservativen Bierland Bayern funktionieren, daran glaubt er bedingungslos. „Wenn ich nach Bayern komme, bring’ ich Bourbon-Bier oder eines mit Vanille-Note mit“, sagt er. „Der Familie schmeckt’s.“ Und was der Familie schmeckt...

Das "Bürgerbräu" in Wolnzach

Die so genannten Craft-Biere, also Handwerks-Biere, kämpfen sich langsam aber sicher in die Herzen der bayerischen Genießer. Ein paar kleine Brauhäuser, so genannte Mikrobrauereien, gibt es längst. Sogar große Namen sind auf den Zug aufgesprungen. Paulaner hat zum Beispiel die Brauerei im Eiswerk. Da brauen sie Bourbon Bock statt Hellem.

„Das tut der Brauwirtschaft wahnsinnig gut“, sagt Walter König vom Bayerischen Brauerbund. Bierherstellung, das ist für ihn wie für Kuplent eine Kunst. „Es ist nicht nur kalt und gelb und hat Schaum. Es hat auch verschiedene Geschmäcker.“ So lange am Reinheitsgebot nicht geschraubt wird, ist für König alles möglich: Mit Hefestämmen lässt sich hervorragend experimentieren, mit Hopfensorten auch – weltweit soll es an die 200 geben.

„Da ist eine riesige Vielfalt da“, sagt auch Kuplent. Die, glaubt er, stellt sogar gute Weine in den Schatten. So ein Bier, das kann ein Getränk zum Abendbrot sein. Aber auch etws Feines, eine Delikatesse, die man sich mal gönnt. Ihn treibt auch der Wunsch an, dem Bier eine neue Idee zu geben. „Für mich steht die Wertigkeit im Vordergrund, nicht dass man den Kasten für 6,99 Euro bekommt.“

In den USA, wo Mikro-Brauereien und ihre Biere boomen, ist der Bayer erfolgreich. Seine Chestnut-Brauerei hat Zuwachsraten von 60 bis 70 Prozent im Jahr. Ganz so steil wird’s in Wolnzach wohl nicht nach oben gehen. „Ich denke aber schon, dass wir dort was erreichen können“, sagt er. Mitte des Jahres will Kuplent das erste Bier in der Hallertau brauen, ein traditionelles. Vielleicht wird’s ja sogar ein Schnickelfritz.

Marcus Mäckler

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