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Weniger Absatz: Bayerns Brauereien – im Bild das Herzogliche Bräustüberl am Tegernsee – haben im vergangenen Jahr weniger Bier verkauft.

Brauer trotzen Absatzrückgang mit Exportrekord

Weniger Bierdurst ausgerechnet im Jubiläumsjahr

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München - Erstmals seit 2010 haben die bayerischen Brauer wieder weniger Bier verkauft als im Vorjahr. Zufrieden sind sie trotzdem: Weil die alkoholfreie Sparte boomt – und das Ausland nach bayerischem Bier dürstet.

Es ist eine undankbare Aufgabe, die Georg Schneider am Dienstag übernehmen musste. Erst im vergangenen Mai wurde er zum Präsidenten des Bayerischen Brauerbundes gewählt, jetzt musste er für sein erstes Amtsjahr, das zugleich das Jubiläumsjahr des Bayerischen Reinheitsgebotes war, einen Absatzrückgang verkünden – nachdem es seit dem Tiefpunkt im Jahr 2010 eigentlich wieder konstant nach oben gegangen war. Wie verpackt man das in eine gute Nachricht? „Die Erfolgsgeschichte der bayerischen Brauwirtschaft hat im In- und Ausland Nachahmer gefunden“, sagt Schneider. So geht das.

Gut 23,5 Millionen Hektoliter Bier konnten die rund 630 bayerischen Brauereien im vergangenen Jahr verkaufen. Das sind 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Betrachtet man nur den deutschen Markt, liegt das Minus sogar bei 2,9 Prozent. Der siebte Exportrekord in Folge mit diesmal 290 000 Hektolitern mehr als 2015 kompensiert das Minus aber in Teilen. Nicht eingerechnet in diese Bilanz ist das steuerfreie alkoholfreie Bier. Wie bei den Exporten geht es auch hier bergauf, im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent. Rechnet man das alkoholfreie Bier in die Bilanz mit ein, bleibt ein Gesamtminus von 0,7 Prozent.

Exportschlager Weißbier und Helles

Schneider erklärt sich das Minus zum einen mit dem demografischen Wandel: Der Geburtenrückgang der vergangenen Jahrzehnte sorge schlicht dafür, dass es auch weniger Biertrinker gebe. Das würden auch Einwanderer nicht ausgleichen, zumal der Bierkonsum in anderen Kulturen weniger oder überhaupt nicht so im Alltag verankert sei wie im Biergartenland Bayern. Einen weiteren Grund sieht Schneider bei der Konkurrenz: Mittlerweile hätten auch außerbayerische Brauereien die Zugkraft von Produkten wie Weißbier oder hellem Kellerbier erkannt und nachgerüstet. Damit sei Bayern in diesem Segment nicht mehr alleiniger Vorreiter. „Der Kampf um die Zapfhähne in der Gastronomie ist groß.“

Zufrieden zeigte sich Schneider trotzdem – vor allem wegen der guten Exportbilanz. Hauptabnehmer für bayerisches Bier ist nach wie vor Italien. Danach folgt aber bereits China – dorthin exportiert Bayern mit 600 000 Hektolitern Bier mittlerweile das Dreißigfache wie noch vor zehn Jahren. Um den Begriff „Bayerisches Bier“ weiter als Exportmerkmal erhalten zu können, habe der Brauerbund in mehreren Ländern für die Markenrechte gekämpft, sagt Schneider. So habe man etwa verhindert, dass eine holländische Brauerei in Irland ein „Bavaria Crown“-Bier einführt.

Flickenteppich der „besonderen Biere“

Auch nach dem Jubiläumsjahr wird das Reinheitsgebot weiter ein Diskussionsthema beim Brauerbund bleiben. Schneider zählt zu den Verfechtern des Gebotes, aber auch er räumt ein, dass die Regelung für sogenannte besondere Biere – also Biere mit zusätzlichen Inhaltsstoffen – nicht ganz nachvollziehbar sei. „Es gibt Regionen, da darf man sogar Schokolade und Froschhaxn reinschmeißen ins Bier“, spitzt Schneider zu. Auch solche Biere dürfen in Bayern verkauft, aber nicht hergestellt werden. Das führe zu einem „Flickenteppich“. Das „Vorläufige Biergesetz“, in dem diese regionalisierte Genehmigung verankert ist, müsse durch ein bundesweit einheitliches Regelwerk ersetzt werden. Diese Forderung ist nicht neu, sie beschäftigt den Brauerbund schon seit einigen Jahren. Aber die experimentierfreudigen Kleinbrauereien, die auch in Bayern immer mehr Zulauf bekommen, befeuern die Diskussion zusätzlich.

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