Studie vergleicht die Bundesländer

Bildung: Bayern verteidigt Platz 2 - In zwei Bereichen besteht aber Nachholbedarf

  • Kathrin Brack
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Bayern hat seinen zweiten Platz im bundesweiten Vergleich der Bildungssysteme verteidigt und sich dabei sogar verbessern können. In einigen Bereichen besteht aber Nachholbedarf.

  • Bayern hat seinen zweiten Platz im bundesweiten Vergleich der Bildungssysteme verteidigt und sich dabei sogar verbessern können.
  • Der Bildungsmonitor offenbart aber auch, dass in einigen Bereichen Nachholbedarf besteht.
  • Bayern habe in der Corona-Krise „günstige Voraussetzungen“, heißt es in der Studie.

München – Eine Beobachtung ist dem Kultusminister besonders wichtig. „Im Vergleich zu 2019 haben wir den größten Fortschritt von allen Ländern gemacht“, sagt Michael Piazolo (Freie Wähler). Für Bayern ist der in Berlin vorgestellte Bildungsmonitor wieder ein Quell der Freude. Das bayerische Bildungssystem könnte demnach nur stellenweise besser sein: Der Freistaat verteidigte seinen zweiten Platz im bundesweiten Ranking hinter Sachsen und verbesserte sich sogar.

Vieles spricht für Bayern, in mehreren der zwölf untersuchten Handlungsfelder schneidet der Freistaat überdurchschnittlich gut ab. Jugendliche finden hier leicht einen Ausbildungsplatz, der Anteil der unversorgten Bewerber ist nirgends niedriger. Auch wird nirgendwo in Deutschland so intensiv Fortbildung betrieben wie in Bayern. Weitere Stärken des Bundeslandes sind die Schulqualität, die Priorisierung von Ausgaben und die sogenannte Inputeffizienz, die bemisst, wie effizient die Mittel für Schulen eingesetzt werden.

Integration funktioniert in Bayern gut - erster Platz unter den Bundeslängern

Selbst die Integration funktioniert in Bayern gut, hier erreichte das Land ebenso den ersten Platz unter den Bundesländern wie bei der Vermeidung von Bildungsarmut. Das gab die wirtschaftsnahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Berlin bekannt, die die jährlich erscheinende Vergleichsstudie verantwortet. Die soziale Herkunft hat in Bayern demnach relativ wenig Einfluss auf den Bildungserfolg. „Da haben wir, glaube ich, zum ersten Mal Platz eins erreicht und das ist natürlich toll“, sagt Piazolo.

Ein Jugendlicher in der Schule vor einer Tafel (Symbolbild).

Auch im Wissenschaftsministerium gibt es Grund zur Freude: Die Universitäten in Bayern sind besonders forschungsorientiert und ziehen auch ausländische Studierende an. „Die Ergebnisse zeigen, dass Nachwuchswissenschaftler sehr gute Bedingungen an unseren Hochschulen finden“, kommentierte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) die Untersuchung.

Die Bundesländer werden für den Bildungsmonitor anhand von 93 Indikatoren miteinander verglichen. Untersucht wird etwa, wie viel Geld ein Bundesland pro Schüler ausgibt, wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern oder wie hoch der Anteil jüngerer Lehrer ist. „Wenn man in so einem Ranking weit vorne steht, muss man eigentlich überall dranbleiben und nirgendwo nachlassen“, sagt der Kultusminister.

Nur 36 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren wurden 2018 ganztags betreut

In zwei Bereichen besteht dagegen dringend Nachholbedarf. Den drittletzten Platz gibt es bei der sogenannten Förderinfrastruktur: Nur 36 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren wurden 2018 ganztags betreut. Auch um die Zeiteffizienz ist es nicht besser bestellt: Die Wiederholerquote in der Sekundarstufe ist in Bayern bundesweit am höchsten. Dem gegenüber steht ein hoher Anteil von vorzeitig gelösten Ausbildungsverträgen, also Auszubildenden, die ihre Lehrzeit verkürzen konnten.

Bayern habe in der Corona-Krise „günstige Voraussetzungen“, heißt es in der Studie. Die Bildungsarmut sei gering, nur wenige Lehrer würden mit über 60 Jahren zur Risikogruppe gehören und das Land habe angekündigt, 600 Stellen für IT-Experten zu schaffen. „Wichtig ist jetzt, dass der Ausbau der digitalen Infrastruktur beschleunigt weitergeht“, fordert Bertram Brossardt, Geschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie finanzieren die Studie. Generell sieht der vbw im Abschneiden des bayerischen Bildungssystems „einen echten Erfolg“. Der wirke sich positiv auf den Wirtschaftsstandort Bayern aus. Brossardt: „Ein gutes Bildungssystem bringt der Wirtschaft die Fachkräfte von morgen.“

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Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte / dpa

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