+
Die Chance auf Zukunft: In der Berufsschule Dachau werden junge Flüchtlinge aufs Berufsleben vorbereitet.

Herausforderung für Lehrer

Bildungsangebote für Asylbewerber: Schulen als Brückenbauer

München - Für junge Flüchtlinge sind Schulen die Chance auf Zukunft. Für viele Lehrer ist der Unterricht aber eine Herausforderung. Einige Asylbewerber sprechen kaum Deutsch, andere haben nie Lesen gelernt. Der Bildungsausschuss hat Experten eingeladen, um vom Alltag in Flüchtlingsklassen zu erfahren.

Als Roni vor anderthalb Jahren das erste Mal die Dachauer Berufsschule betreten hat, konnte er kaum ein Wort Deutsch. Er hatte keine Freunde, keine Perspektive – dafür aber endlos viel Zeit, um nachzudenken und sich Sorgen über seine Zukunft zu machen. Zermürbend viel Zeit. Roni war 17, als er von Syrien nach Deutschland geflüchtet ist. Und er war einer der ersten Flüchtlinge, die in Oberbayern die Chance bekommen haben, eine Berufsschulklasse zu besuchen. Seine Lehrer sagen, er sei ein Durchstarter. Er will alles lernen, was sie ihm beibringen können. Vor allem Mathe. Roni will Verkäufer werden. Auf dieses Ziel arbeitet er inzwischen seit anderthalb Jahren hin.

Manche Schüler können kaum Lesen und Schreiben

Die Berufsschule in Dachau ist eine von neun in Oberbayern, die 2013 damit begonnen haben, Schulklassen für junge Asylbewerber anzubieten. Im ersten Jahr lernen die jungen Flüchtlinge vor allem Deutsch zu sprechen und zu schreiben. Im zweiten Jahr werden sie mit fachbezogenem Unterricht und Praktika gezielt auf das Berufsleben vorbereitet. „Inzwischen haben wir bereits vier dieser Klassen“, erzählt Schulleiter Johannes Sommerer. „Einige der Jugendlichen sind auf einem guten Weg, um bald eine Ausbildung beginnen zu können.“

Für andere ist der Weg zu einem Neuanfang länger. Denn im Unterricht sitzen auch Flüchtlinge, die in ihrer Heimat nie richtig Lesen und Schreiben gelernt haben. Die individuell und intensiv gefördert werden müssten. Das können die Lehrer in der Berufsschule nicht leisten. Nicht in Klassen mit 16 Schülern und unterschiedlichen Muttersprachen. „Das Ziel ist es, die Jugendlichen für eine Ausbildung fit zu machen“, sagt Sommerer. Das wäre mit homogenen Klassen leichter zu erreichen. Es müsste vorgelagerte Kurse für die jungen Flüchtlinge geben, die bisher keine oder kaum Schulbildung bekommen haben, sagt er. Und Markus Karg, der Koordinator im Bereich Berufsintegration in Dachau, fügt hinzu: „Eigentlich bräuchten sie auch dringend ein Programm im Anschluss an die Berufsschule. Jemanden, der ihnen hilft, eine Lehrstelle zu finden.“

Lehrer berichten im Bildungsausschuss

Am heutigen Mittwoch bekommt Schulleiter Sommerer die Gelegenheit, im Landtag über die Herausforderungen zu sprechen, die Bildungsangebote für Flüchtlinge stellen. Er ist einer von sieben Rednern, die im Bildungsausschuss gehört werden. Auch Brigitte Hirler wird dort sein. Sie ist Rektorin an der Grundschule in München-Neuperlach. Die Flüchtlingskinder, die ihre Schule besuchen, sprechen anfangs meist kein Wort Deutsch. Für sie gibt es Übergangsklassen. Wenn sie vorher noch keine Schule besucht haben, werden sie ergänzend zum regulären Unterricht in der ersten Klasse in Deutsch-Förderklassen betreut. „Sie lernen die Sprache unheimlisch schnell“, sagt Hirler. Die Zusammenarbeit mit Kindergärten, Helferkreisen und AWO sei sehr gut. Die Lehrer versuchen, auch die Eltern der Flüchtlingskinder einzubinden. Manchmal werden für die Elternabende sogar Dolmetscher organisiert, erzählt Hirler.

Mehr Lehrstellen nötig

Eigentlich, sagt sie, wären aber mehr Lehrerstellen nötig. Besonders in Zukunft. „In Neuperlach wird gerade eine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber geplant“, erzählt Hirler. „Wir rechnen damit, dass wir bald deutlich mehr Kinder aus Flüchtlingsfamilien in unseren Klassen haben.“ Darauf will sich die Grundschulrektorin vorbereiten. Mehr Lehrer würden kleinere Klassen möglich machen. Dann könnten die Kinder intensiver gefördert werden. Hirler will das Thema heute im Ausschuss ansprechen. Sie sagt: „Es ist wichtig, dass wir uns für die Zukunft rüsten.“

Katrin Woitsch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bahnsteig nach Oberleitungsschaden evakuiert: Weiter Einschränkungen im Zugverkehr
Wegen einer gerissenen Oberleitung ist der Zugverkehr am Würzburger Hauptbahnhof am späten Sonntagnachmittag bis auf Weiteres eingestellt worden.
Bahnsteig nach Oberleitungsschaden evakuiert: Weiter Einschränkungen im Zugverkehr
Panoramatour mit fatalem Ausgang: Mann (53) fällt vom Rad und stirbt
Ein 53 Jahre alter Teilnehmer der „Panoramatour Oberpfälzer Wald“ ist am Sonntag von seinem Fahrrad gestürzt und und hat sich dabei tödlich verletzt.
Panoramatour mit fatalem Ausgang: Mann (53) fällt vom Rad und stirbt
Unfall auf A6: Mann überschlägt sich mit Auto und stirbt
Ein 71 Jahre alter Autofahrer ist am Sonntagmorgen bei einem Unfall auf der A6 ums Leben gekommen.
Unfall auf A6: Mann überschlägt sich mit Auto und stirbt
Polizei macht Routinefahrt - Plötzlich steht Mann mit Granate vor ihr
Mit einer Granate aus dem Zweiten Weltkrieg hat ein 31-Jähriger  in Aschaffenburg für einen Schockmoment gesorgt. Es drohte die Räumung mehrerer Gebäude.
Polizei macht Routinefahrt - Plötzlich steht Mann mit Granate vor ihr

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.