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Alles rund um die Schule: Die Bildungstage München richten sich an Schüler, Eltern und Lehrer.

Berufswahl nach der Schule

Bildungsexperte: „Schüler dürfen nicht zu Lemmingen werden“

München – Thomas Sattelberger, Ex-Personalvorstand der Deutschen Telekom AG sowie Initiator und Sprecher des Nationalen MINT Forums, tritt bei den Bildungstagen München als Experte auf.

Im Interview betont der 67-Jährige, wie wichtig es ist, dass sich Schüler, aber auch Eltern und Lehrer frühzeitig aktiv mit dem Thema Berufswahl auseinandersetzen.

Bereiten Gymnasien ihre Schüler hinreichend auf die spätere Berufsfindung vor?

Gymnasien bereiten immer noch deutlich zu spät und zu wenig darauf vor. Das immer wieder vom Kultusministerium gepriesene P-Seminar, also Praxis-Seminar, in der Oberstufe kommt erst in der 12. Jahrgangsstufe und ist je nach Lehrkraft mehr oder weniger sinnvoll. Eine Studie des ISB, des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung, hat ergeben, dass nur acht Prozent der Schüler in den oberen Jahrgangsstufen wissen, was sie später machen wollen. Es besteht also dringender Handlungsbedarf, die Gymnasien müssten viel mehr und früher experimentieren, um richtige Wege herauszufiltern. Es gibt zum Beispiel schon vereinzelt duale Gymnasien, insbesondere in Baden-Württemberg, in denen die Schüler zusätzlich einen berufsbildenden Abschluss erwerben können.

Was sollte noch verbessert werden?

Thomas Sattelberger, Initiator und Sprecher des Nationalen MINT Forums.

Einmal während der Schulzeit ein einwöchiges Betriebspraktikum zu machen, ist viel zu wenig. Schüler sollten mindestens ein, wenn nicht zwei Praktika oder Praxistage pro Jahrgangsstufe absolvieren, um in unterschiedliche Berufe hineinschnuppern zu können. In den Gymnasien selbst ist mehr ökonomisch-arbeitskundliche Bildung wichtig, zum Beispiel durch Partnerschaften wie mit dem Arbeitskreis Schulewirtschaft. In der neuesten PISA-Studie haben Gymnasiasten in den naturwissenschaftlichen Fächern nicht sonderlich gut abgeschnitten, das ist angesichts unserer immer technologischer und digitalisierter werdender Welt fatal. Naturwissenschaftliche Fächer sollten deshalb mit mehr Alltagsbezug und Sinnhaftigkeit für die Praxis vermittelt werden. Dabei sollten beispielsweise Fragen geklärt werden wie: Warum sprudelt Sprudelwasser? Dann hätten die Schüler auch mehr Spaß daran.

Welche Tipps würden Sie Jugendlichen geben?

Versucht herauszufinden, was euch wirklich Freude bereitet, probiert euch aus, findet eure Stärken heraus. Befragt euer Umfeld, wie dieses euch einschätzt, recherchiert im Internet. Und: Macht euch nicht ständig Sorgen um die Zukunft. Sorgen kommen auch manchmal gerade zu denen, die sie sich machen.

Wie können Eltern und Lehrer Jugendliche bei der Berufswahl unterstützen?

Ein wichtiges Thema ist die Berufsorientierungskompetenz der Lehrer. Sie sollten sich regelmäßig fortbilden, sich über Trends und Kompetenzen, die in der Zukunft gefragt sind, informieren, um diese an ihre Schüler weiterzugeben – und auch an deren Eltern. Gerade mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenzen werden im digitalen Zeitalter unerlässlicher. Eltern selbst sollten ihre Kinder immer früher ermuntern, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dabei müssen sie darauf achten, ihre Sprösslinge nicht einzuengen und zu versuchen, ihnen Wege vorzugeben. Viele Abiturienten machen erst einmal ein Jahr „Pause“, gehen zum Beispiel ins Ausland.

Ist das sinnvoll?

Im Ausland Erfahrungen zu sammeln, ist immer sinnvoll, für den eigenen Reifeprozess und um nicht anfällig zu werden für Populismus. Generell gilt: Der Abiturient darf sich nicht nur von seiner Schulzeit „erholen“, sondern muss sich auch über den übernächsten Schritt Gedanken machen und wie er dieses Jahr sinnvoll auf den Weg dahin nutzen kann.

Ist Ihrer Meinung nach die Zahl der Abiturienten hoch genug oder sogar zu hoch?

2013 gab es erstmals mehr Studienanfänger als Anfänger in einer Ausbildung, doch wir dürfen beides nicht gegeneinander ausspielen, denn Deutschland braucht sowohl Akademiker als auch berufliche Experten. Wichtig ist, dass Schüler nicht zu Lemmingen werden, sondern bewusst versuchen herauszufinden, wo ihre eigenen Begabungen liegen.

Interview: Teresa Pancritius

Informationen zu den Bildungstagen München 2017

Die Bildungstage München 2017 des Münchner Merkur im MTC bieten Eltern und Schülern ein breites Spektrum an Informationsmöglichkeiten über den schulischen Werdegang. Angefangen im Kleinkindalter bis hin zum Abschluss. Melde ich mein Kind in der Krippe oder in der Vorschule an? Welche Nachhilfemöglichkeiten gibt es? Was für Programme existieren, die Schülern Lern- und Lebenserfahrung im Ausland bieten? Die Bildungstage, die konzipiert sind für Schüler, Eltern und Lehrer, behandeln diese und mehr Fragen.

Neben den ausstellenden pädagogischen Einrichtungen im Messebereich gibt es für Interessierte weitere Serviceangebote wie Vorträge von renommierten Referenten (zum Beispiel Thomas Sattelberger, siehe Interview), Kinderbetreuung, Kinder-Yoga oder auch Bio-Catering.

Die Bildungstage München 2017 finden am Samstag, 4. Februar, und am Sonntag, 5. Februar, im MTC München (Haus 1) in der Ingolstädter Straße 45 statt. Öffnungszeiten sind von 10 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei. Veranstalter der Infomesse ist der Münchner Merkur. Weitere Informationen unter www.bildungstage-muenchen.de.

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