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Antwort auf die „Scheidungsurkunde“: Minister Ludwig Spaenle brütet über dem G9.

Bayerns neues Gymnasium

Bildungsminister Spaenle: Kein Fach wird gekürzt

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München - Die Staatsregierung legt ein Konzept für die Rückkehr zum G9 vor. Dass Ärger droht, ist Minister Spaenle klar. Er sagt in einem internen Papier eine „professionelle Kommunikations-Strategie“ zu. Auch das wäre neu für die CSU in dieser Frage.

Der Streit ums Gymnasium hat mitunter bizarre Züge. Das böseste Wort dazu fiel am Dienstag in der Sitzung des Kabinetts. Als eine Art „Scheidungsurkunde“ soll Ministerpräsident Horst Seehofer den Fragenkatalog der CSU-Abgeordneten zum G9 bezeichnet haben. Die Fragen seien so scharf formuliert, dass sie auch „von den Grünen“ hätten stammen können, grollte er. Nun liegt die Antwort auf die angebliche „Scheidungsurkunde“ vor: Die Staatsregierung erklärt der CSU, warum sie das neunjährige Gymnasium will und warum die Abgeordneten ihr präferiertes G8 kippen sollen. Und wie sie all das dem Volk erklären möchte.

Man werde schon eine „professionelle Kommunikations-Strategie“ für die neunjährige Lernzeit brauchen, räumt das Kultusministerium ein. Irgendwie soll erklärt werden, dass das alte G8 gut funktioniert habe, jetzt aber ein neues G9 nötig wird, das schnelle Schüler in acht Jahren absolvieren können. Das grundständige G9 („Gymnasium aus einem Guss“) schaffe „Raum und Zeit“ für „verstärkte Werteerziehung, Persönlichkeitsbildung (Reifeprozess) und Demokratie-Erziehung“, wirbt das Ministerium in dem Konzept, das unserer Zeitung vorab vorliegt. Das G8 wird offiziell beerdigt: „Die Spielräume zur Anpassung an veränderte Anforderungen sind in den entscheidenden Punkten erschöpft.“

Neues G9 soll im Anspruch nicht sinken

Details aus den Plänen: Die Übertrittsquote soll stabil bei 40 Prozent bleiben. Das Problem sind allerdings „starke Disparitäten“ – regionale Unterschiede. In München-Land gehen 59,8 Prozent der Schüler nach der vierten Klasse aufs Gymnasium, in Tirschenreuth nur 24,8. Gerade im Ballungsraum sei „die Übertrittsquote bereits heute weitgehend ausgeschöpft“. Das neue G9 soll im Anspruch nicht sinken. Es startet im September 2018 mit den fünften und sechsten Klassen. Eine für die CSU ungewöhnliche Argumentation verbirgt sich auch im Papier: der Verweis aufs grünregierte Baden-Württemberg. Dort habe die völlige Freigabe des Elternwillens nur zu einem Anstieg der Übertrittsquote um zwei Prozentpunkte geführt.

„Kein Fach wird schlechter gestellt“

Interessant dürften die neuen Lehrpläne werden. „Kein Fach wird schlechter gestellt“, verspricht das Haus von Minister Ludwig Spaenle (CSU), es soll nirgends eine Stunde gekürzt werden. Künftig werden am Gymnasium die Kernfächer gestärkt. Die zweite Fremdsprache soll weiter in der sechsten Klasse starten, die dritte ab der achten Klasse. Als Eingangssprachen soll es weiter Englisch, Latein und Französisch geben. Der Nachmittagsunterricht soll weniger werden, aber nicht ganz entfallen.

Gestärkt werden unter anderem Mathematik und die Fremdsprachen, dazu Geschichte und Sozialkunde. Informatik soll ein „eigenes Pflichtfach in allen Ausbildungsrichtungen“ werden. Das Fünf-Fächer-Abi bleibt.

Mehr Stellenmehrbedarf: 1000 neue Lehrer sind nötig

Die Überholspur dürfte in der 10. und 11. Klasse sein. Schnelle Schüler können hier („auf Probe“) ein Jahr überspringen. Sie sollen dann zwei Jahre vorher nachmittags Zusatzkurse in den Kernfächern absolvieren. Einen Bonus bei der Hochschulzulassung bekommen sie nicht. Wie viele Schüler ein Jahr überspringen, mag Spaenle nicht schätzen. Den Stellenmehrbedarf fürs G9 taxiert er auf ungefähr 1000 Lehrer.

Einen Zahn ziehen will die Regierung den Abgeordneten. Die Frage, ob Schüler (und Lehrer) nicht in den Ferien in die Schule zitiert werden sollen, weist das Ministerium scharf zurück. Das werde nur „zu einem weiteren Ausgreifen“ der „Belastungsdiskussion“ führen. Und erwecke den Eindruck, dass Schüler das G9 nur mit Extra-Förderung in den Ferien schaffen.

Das Konzept wird nun den Abgeordneten zugestellt. Die Staatsregierung trifft sich am nächsten Wochenende zu einer Sondersitzung, um über das G8-Ende zu beraten.

Lesen Sie auch: G8 und kein Ende: 14 Jahre Diskussion

Kommentar zum G9-Aufstand: Redet, statt Briefe zu schreiben

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