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Die bayerischen Bischöfe sind sich einig: Missbrauchsfälle sollen künftig der Staatsanwaltschaft übergeben werden.

Bischöfe wollen Missbrauchsfälle an Justiz melden

Vierzehnheiligen - Bayerns Bischöfe suchen im Missbrauchsskandal den engen Schulterschluss mit der Justiz und sprechen sich für eine Verschärfung der entsprechenden Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) aus.

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Künftig sollen alle Verdachtsfälle der Staatsanwaltschaft gemeldet werden. "Verdacht ist ein juristischer Begriff, und da ist die Staatsanwaltschaft zuständig", sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx am Donnerstag zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen (Landkreis Lichtenfels).

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat den Vorstoß begrüßt. Es sei ganz wichtig, dass "bei Anhaltspunkten, die sich etwas verdichten, dann auch die Informationen an die Staatsanwaltschaft gehen", sagte die Ministerin in der Debatte über ihren Haushalt im Bundestag. Auch die Reformbewegung "Wir sind Kirche" befürwortet es, dass die Bischöfe nun eine Meldepflicht bei Missbrauchsverdacht einführen. Dass die Freisinger Bischofskonferenz außerdem verstärkte Präventionsbemühungen ankündigte, "ist ganz wichtig", sagte Sprecher Christian Weisner.

Hilfe zur Heilung der seelischen Wunden

"Die Bischöfe wollen jedem Verdacht nachgehen und jede Verfehlung aufklären. Deshalb empfehlen die bayerischen Bischöfe einstimmig, bei der Überarbeitung der Leitlinien die Meldepflicht bei Verdacht von sexuellem Missbrauch und körperlichen Misshandlungen an die Staatsanwaltschaft festzuschreiben und sie unabhängig davon sofort zu praktizieren", sagte Marx. Nach den seit 2002 geltenden Leitlinien zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger wird die Kirche lediglich verpflichtet, bei erhärteten Verdachtsfällen und bei Fällen, die noch nicht verjährt sind, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Außerdem kann die Kirche auf eine Anzeige verzichten, wenn die Opfer das nicht wollen.

Bei sexuellem Missbrauch gebe es von staatlicher Seite allerdings keine Anzeigepflicht, gab Marx zu bedenken. Man müsse die Opfer deshalb ermutigen, mit der Staatsanwaltschaft in Kontakt zu treten.

Die bayerischen Bischöfe hätten sich "mit tiefer Betroffenheit und Scham" gegenseitig über die Missbrauchsfälle in ihren Diözesen informiert, berichtete Marx über die zweitägigen Beratungen. Am Mittwochabend hatten sie in einem Gottesdienst in der Wallfahrtsbasilika von Vierzehnheiligen um Vergebung gebeten. Man habe damit auch die Verantwortungsbereitschaft der Kirche zum Ausdruck bringen wollen, sagte Marx. "Von unserer Seite aus wollen wir alles tun, dass Aufklärung passiert."

Den Opfern solle "Gerechtigkeit widerfahren", Täter müssten zur Verantwortung gezogen werden. "Die Opfer benötigen Hilfe zur Heilung der seelischen Wunden." Die Bischöfe wollten den einzelnen Opfern dabei über die gesetzliche Pflicht hinaus Hilfe gewähren, kündigten sie an. Unklar ist allerdings weiterhin, ob es einen Entschädigungsfonds geben wird. "Ich will nicht ausschließen, dass es auch Hilfen in finanzieller Form geben kann", sagte Marx. Gleichzeitig verwahrte er sich gegen einen "Generalverdacht gegen die Kirche". Man werde sich um eine umfassende Prävention bemühen und bei der Auswahl und Schulung von Mitarbeitern "große Sorgfalt und Umsicht walten lassen".

Marx verteidigte auch Papst Benedikt XVI. gegen Kritik. Dem Pontifex war vorgeworfen worden, sich bislang nicht zu den Missbrauchsfällen in seinem Heimatland geäußert zu haben. "Wir fühlen uns ermutigt vom Papst, ich spüre kein Defizit bei der Unterstützung des Papstes." Das zu erwartende Hirtenwort für die katholische Kirche in Irland "wird uns auch gelten", ergänzte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

dpa

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