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Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen-Gemeinde in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, spricht am Montag auf der Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in Augsburg.

Bischof fordert mehr Achtung vor Politikern

Augsburg - „Politik ist kein schmutziges Geschäft", sagt der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und fordert mehr Achtung vor Politikern. Er sprach sich auch für mehr Herzensbildung aus.

„Politik ist die Aufgabe, das Recht so zu gestalten, dass es für Gerechtigkeit sorgt, Frieden wahrt und Schwache schützt“, sagte Bedford-Strohm am Montag in Augsburg bei der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Diese Aufgabe gehöre in der Werteskala der Berufe ganz nach oben. „Wer pauschal "die Politiker" abqualifiziert, hat keine Ahnung, wovon er redet.“ Statt Kritik aus dem Lehnstuhl forderte Bedford-Strohm die engagierte und kritische Einmischung und die politische Mitarbeit.

Der Landesbischof wünschte in diesem Zusammenhang dem neu gewählten Bundespräsidenten Joachim Gauck alles Gute. Er erhoffe sich von ihm wichtige Impulse in diese Richtung, um Deutschland die ethische Orientierung zu geben, die es braucht.  Für ihn stehe Gauck für ethische Integrität, erklärte er mit Blick auf die Debatte, ob ein Bundespräsident mit seiner Partnerin ohne Trauschein zusammenleben kann.

Herzensbildung statt Effektivität

Die Bildung junger Menschen orientiert sich nach Ansicht Heinrich Bedford-Strohm zu stark an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes. „Beziehungen drohen heute aufgefressen zu werden von der Vorherrschaft der Ökonomie“, sagteer in Augsburg. Die Kinder und Jugendlichen müssten vielmehr auch lernen, mit Sinn- und Orientierungsfragen umzugehen. „Bildung ist auch Herzensbildung“, erklärte der Landesbischof, der seit knapp fünf Monaten im Amt ist.

Die Bildung ist Schwerpunkt der Synode, die noch bis Donnerstag dauert. Schüler und Studenten dürften nicht nur auf Examina lernen, forderte Bedford-Strohm. Sie müssten auch Zeit haben, völlig zweckfrei Erkenntnisse zu gewinnen. Der Landesbischof sprach sich zudem für ein durchlässigeres Schulsystem und mehr Bildungsgerechtigkeit in Bayern aus. Der schulische Erfolg dürfe nicht vom Elternhaus abhängen.

Bedford-Strohm spricht sich für ein NPD-Verbot aus

Bis Donnerstag wollen die Delegierten zudem das Verhältnis der Kirche zu den Juden auf eine neue Grundlage stellen. Die Landeskirche will dazu in den kommenden Tagen ihre Verfassung ändern. In der Präambel will sie nach eigenen Angaben unter anderem festhalten, dass das Verhältnis von Christen und Juden grundlegend ist für die Gestaltung des kirchlichen Lebens.

Die evangelisch-lutherische Kirche sei mit der ganzen Kirche Jesu Christi aus dem biblischen Gottesvolk Israel hervorgegangen und bezeuge mit der Heiligen Schrift dessen bleibende Erwählung, heißt es in dem Formulierungsvorschlag. Bedford-Strohm sprach sich vor diesem Hintergrund für ein Verbot der rechtsextremen NPD aus: „Dass ihre menschenfeindlichen Aktivitäten mit Steuergeldern finanziert werden, ist ein unerträglicher Zustand, der beendet werden muss.“

Ein weiteres Thema ist das Dienstrecht für homosexuelle Pfarrer und ihre Lebenspartner. Die Landeskirche will regeln, unter welchen Voraussetzungen sie zusammen im Pfarrhaus leben dürfen. Der Ausschuss habe sich auf eine Formulierung geeinigt, sagte Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll, die allerdings auch mit Widerspruch rechnet. Demnach müssen die betroffene Gemeinde, die Kirchenleitung und der Regionalbischof zustimmen. Seit langem wird dies kontrovers diskutiert. Konservative Kreise bezweifeln, dass sich dies mit der Vorbild-Rolle der Pfarrer und Pfarrerinnen und dem Schutz von Ehe und Familie verträgt.

dpa

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