+
Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann

"Missbrauch in der Kirche ein gigantischer Karfreitag"

München - Missbrauch und Misshandlungen in der Kirche haben am Karfreitag die Predigten der bayerischen Oberhirten bestimmt.

Der katholische Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann bat die Opfer um Vergebung. Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, Vertreterin des evangelischen Landesbischofs, sagte, der jahrzehntelange unmenschliche Umgang mit Kindern und Jugendlichen sei ein “einziger gigantischer Karfreitag“.

Beim Kreuzweg am Karfreitag im Würzburger Kiliansdom sagte Bischof Hofmann: “Wir denken in besonderer Weise an die Opfer von sexuellem Missbrauch und körperlichen Misshandlungen, die schrecklich gelitten haben.“ Kindern und Jugendlichen sei in der Gemeinschaft der Kirche großes Unrecht angetan worden, sie seien an Leib und Seele verletzt worden.

Dies habe die Kirche in den vergangenen Wochen schmerzlich erkennen müssen. “Wo immer Kindern und Jugendlichen körperliche und sexuelle Gewalt widerfahren ist, deren Schutzlosigkeit sogar durch Priester und Ordensleute und andere Mitarbeiter ausgenutzt und deren Vertrauen missbraucht wurde, bitten wir vor Gott um Vergebung“, sagte Hofmann nach einer Mitteilung des Bistums.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Regionalbischöfin Breit-Keßler nannte die jahrzehntelangen Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen in kirchlichen Einrichtungen “unmenschlich und unfassbar“. Der Umgang mit dieser Schuld sei mitentscheidend für die Zukunft von Kirche und Gesellschaft, sagte sie in der Münchner St. Lukaskirche. Als “pervers und verdreht“ bezeichnete sie Äußerungen, dass Misshandlungen dem Täter “selbst wehgetan“ oder “Schläge noch keinem geschadet“ hätten. Der Karfreitag sei ein Tag der Wahrheit. Dieser ins Auge zu schauen, sei die einzige Möglichkeit, um Menschen wieder aufrichten zu können, betonte sie nach einer Mitteilung der Landeskirche.

Bischof Gerhard Ludwig Müller kritisierte indirekt erneut die Medien. Im Regensburger Dom, wo er am Abend des Gründonnerstag mit rund 1200 Gläubigen die Messe vom letzten Abendmahl feierte, erklärte Müller nach einer Mitteilung des Bistums, die Kirche werde immer den Weg der Nachfolge Christi gehen. “Sie lässt sich nicht auf den breiten Weg locken, der in den Abgrund führt. Was nutzt dort der Beifall der Massen und der allmächtigen Meinungsmacher?“

Er sprach von einem materialistischen, gottvergessenen Weltbild. Der umstrittene Bischof hatte kürzlich mit massiver Medienschelte auf die Berichte über Missbrauchsfälle reagiert und von einer “Kampagne gegen die Kirche“ gesprochen. Auf die zahlreichen Missbrauchsvorwürfe im Umfeld der Regensburger Domspatzen ging Müller der Mitteilung zufolge nicht ein.

In St. Egidien in Nürnberg sagte der evangelische Regionalbischof Stefan Ark Nitsche, Gott mache an Karfreitag klar, dass sein Herz auf der Seite der Opfer schlage. “Gott wehrt sich gegen den Missbrauch seines Namens durch Täter, egal welche Motive sie haben. Er lässt sich nicht auf die Seite der Täter schlagen.“ Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick forderte die Gläubigen auf, in der Nachfolge des Herrn ihr Herzblut für Arme und Kranke, Arbeitslose und Hartz-IV- Empfänger zu geben. “Wir erinnern uns am Karfreitag daran, dass Jesus sein Herzblut für uns gegeben hat“, sagte der katholische Oberhirte im Bamberger Dom.

Der evangelische Augsburger Regionalbischof Michael Grabow erinnerte in seiner Karfreitagpredigt in der Augsburger St. Ulrichskirche daran, dass Folter und Todesstrafe in vielen Ländern der Erde, auch in manchen “Urlaubsparadiesen“, noch immer gängige Praxis sei. Im Leiden Christi sei das Leiden unzähliger Menschen aufgehoben.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Betrunkener Brummifahrer 
Mit 2,72 Promille ist ein Lastwagenfahrer auf der A3 bei Weibersbrunn unterwegs gewesen. Die Polizei zog den Mann, der in Schlangenlinien fuhr, aus dem Verkehr. 
Betrunkener Brummifahrer 
Seit Jahren gesuchter Drogendealer verhaftet
Bereits 2011 wurde der Drogendealer festgenommen, allerdings gelang ihm die Flucht und er tauchte unter. Nun konnte die Polizei den 40-Jährigen verhaften. 
Seit Jahren gesuchter Drogendealer verhaftet
Asylbewerber auf Güterzug versteckt
Gleich 30 Asylbewerber haben sich auf einem Güterzug versteckt. Die Polizei entdeckte sie bei einer Kontrolle im Landkreis Rosenheim. 
Asylbewerber auf Güterzug versteckt
Verletzte und Vermisste bei Brand eines Wohnhauses
Bei einem Wohnhausbrand wurden sechs Personen verletzt, ein Bewohner wird vermisst. Wegen Einsturzgefahr kann die Feuerwehr das Gebäude nicht komplett absuchen. 
Verletzte und Vermisste bei Brand eines Wohnhauses

Kommentare