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Wir sind die Opfer, sagt Bischof Gerhard Ludwig Müller.

Missbrauch: Bischof beklagt "Kampagne" gegen Kirche

Regensburg - Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat den Medien in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen eine "Kampagne gegen die Kirche" vorgeworfen.

Der Bischof rückte die laufende Berichterstattung in die Nähe der kirchenfeindlichen Haltung der Nationalsozialisten. "Jetzt erleben wir wieder eine Kampagne gegen die Kirche", sagte Müller nach Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) am Samstagabend in einer Predigt im Regensburger Dom. Den Medien gehe es darum, die Glaubwürdigkeit der Kirche zu erschüttern. Es werde versucht, die ganze katholische Kirche und ihre Einrichtungen in Misskredit zu bringen, fügte der Bischof in einem zum Sonntag veröffentlichten Hirtenwort hinzu.

Mit seinen Äußerungen stieß der Bischof bei der Staatsregierung ebenso wie bei der Opposition im Bayerischen Landtag auf heftigen Widerspruch. Die Grünen forderten Müller am Sonntag zum Rücktritt auf. Justizministerin Beate Merk (CSU) sagte dem "Münchner Merkur" (Montag): "Ich habe den Verdacht, dass Bischof Müller die Tragweite der Situation nicht erkennt. Seine Aussage und den gezogenen Vergleich verstehe ich überhaupt nicht. Vergleiche mit dem Dritten Reich führen erfahrungsgemäß zu nichts. Es ist nicht an der Zeit für Vertreter der Kirche, mit dem Finger auf andere zu zeigen."

"Solche, die um jeden Preis die katholische Kirche um ihren guten Ruf bringen wollen, haben sich die "Regensburger Domspatzen" als Opfer ausgesucht. Ein Glanzstück des Bistums Regensburg soll in den Dreck gezogen werden", kritisierte Müller nach Mitteilung des Bischöflichen Ordinariats weiter an den Medien. Bei dem Knabenchor soll es in der Vergangenheit zahlreiche Missbrauchsfälle gegeben haben.

Der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Franz Maget (SPD), nannte die Äußerungen Müllers "unerträglich und unverzeihlich". Jeder Anschein, "dass das Institut Kirche vor die Interessen der Betroffenen gestellt wird", füge der Kirche schweren Schaden zu. "Die Kirchen, insbesondere die katholische, erleben zur Zeit eine tiefgreifende Vertrauenskrise. Aus dieser Krise kann die katholische Kirche nur einen Weg finden, wenn sie glaubwürdig und unmissverständlich die Missbrauchsfälle bedauert", sagte Maget laut Mitteilung der SPD-Landtagsfraktion am Sonntag in München.

Bischof Müller habe sich mit seinen Äußerungen "untragbar" gemacht und müsse zurücktreten, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Landtags-Grünen, Ulrike Gote. "Der erschreckende Starrsinn des Regensburger Bischofs, sein Unvermögen, endlich das Mitgefühl mit den Opfern in den Mittelpunkt zu stellen und nicht um jeden Preis den Ruf der katholischen Amtskirche retten zu wollen, machen alle Bitten um Vergebung schal und unglaubwürdig", sagte Gote laut Mitteilung am Sonntag in München. "Müller ist ganz offenbar unfähig, das Leid der Betroffenen nachzuempfinden und die Tragweite dieser Vorgänge für die ganze Kirche zu erkennen. Ein solcher Hirte ist auf dem Bischofsstuhl fehl am Platz."

Kirchliche Organisationen reagierten unterdessen unterschiedlich auf den am Samstag veröffentlichten Hirtenbrief von Papst Benedikt XVI. zum sexuellen Missbrauch katholischer Priester in Irland. Das Zentralkomitee der Katholiken in Deutschland begrüßte den Brief als eindrucksvolles Dokument auch für die katholische Kirche in Deutschland. Die Äußerungen des Kirchenoberhauptes könnten helfen, auch in Deutschland die richtigen Konsequenzen zu ziehen, sagte der Präsident des obersten Laiengremiums, Alois Glück, in München. "Mit einer geradezu schonungslos offenen Sprache befasst sich der Papst sehr konkret mit der Situation in Irland, mit Schuld und Versagen und den notwendigen Konsequenzen."

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" zeigte sich dagegen enttäuscht vom Inhalt des Briefes. Es sei sehr schade, dass sich der Papst nicht zu den Missbrauchsfällen in Deutschland geäußert habe, sagte der Sprecher der Initiative Christian Weisner, in München. "Das Schweigen des Papstes kommt nicht gut. Es wird sicher nicht seine Autorität und sein Ansehen in der Kirche erhöhen. Dabei hätte ihm schon ein Wort des Mitgefühls an die Opfer Sympathien eingebracht." Der Brief vermittle aber den Eindruck, es gehe dem Papst hauptsächlich um das Ansehen der Kirche.

Der Hirtenbrief könne nur ein erster Anfang sein. Eine sorgfältige Prüfung der innerkirchlichen Strukturfragen stehe noch aus. Dabei gehe es ihm vor allem um eine Debatte über das Zölibat und eine Neuausrichtung der kirchlichen Sexuallehre, sagte Weisner. "Es wird immer noch nicht gesehen, dass es sich nicht nur um Einzelfälle handelt, sondern dass es ein globales Strukturproblem ist." Das Umsteuern müsse deutlich weiter gehen. "Dieser Brief ist noch nicht der große Durchbruch."

dpa

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