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Walter Mixa - er bleibt bei seiner Aussage, niemals Kinder geschlagen zu haben.

Umstrittenes Bischofswort von der Unschuld

Augsburg - Walter Mixa hat ein Problem. Seinem Bischofswort, er habe niemals körperliche Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche angewendet, stehen sechs eidesstattliche Erklärungen gegenüber, die gerade das Gegenteil behaupten.

Ganz konkret ist da von “Ohrfeigen, Faustschlägen und Hieben auf das nackte Gesäß“ die Rede. Eine in Augsburg lebende 47-jährige Frau hat öffentlich erklärt, sie sei als Heimkind von Mixa in dessen Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (1975-1996) mehrmals brutal geprügelt worden. Doch Mixa bleibt unerschütterlich bei seiner Aussage, niemals Kinder geschlagen zu haben.

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Diözesanrat will Vorwürfe gegen Mixa aufklären

Die Situation ist verfahren. Aussage steht gegen Aussage. Beide Seiten beanspruchen die Wahrheit für sich, was logisch ausgeschlossen ist. Bleibt die Frage: Wer lügt? Diese Konstellation macht führende Kirchenvertreter im Bistum Augsburg ratlos. Helmut Mangold, der Vorsitzende des Diözesanrates, verlangt Aufklärung. “Wir müssen diese eidesstattlichen Erklärungen überprüfen“, sagt er und räumt ein, dass durch die kategorische Unschuldserklärung des Bischofs die Sache nicht einfacher geworden ist. Immerhin stünden sechs Erklärungen gegen das Bischofswort. “Da kann man keinen Bogen drum machen“, sagt Mangold, mit seinen 70 Jahren ein moderater und loyaler Kirchenmann.

Andere Kreise wollen sich nicht offen äußern. So beklagen zwei dem Domkapitel nahestehende leitende Priester den Umgang mit den Vorwürfen gegen den Bischof. Beide nennen dabei den Namen von Dirk Herrmann Voß, bischöflicher Koordinator für Öffentlichkeitsarbeit. “Das ist unglücklich gelaufen“, sagt der eine, durch die Konfrontation sei die Situation unnötig verschärft worden. Wenig hilfreich sei auch gewesen, von seiten des Ordinariats sofort zivil- und strafrechtliche Schritte als Drohung vorzubringen.

Dadurch würden die möglichen Opfer eingeschüchtert, sagt Herbert Tyroller von der Reformbewegung “Wir sind Kirche“ und erntet ungewohnt breiten Zuspruch. Grünen-Chefin Claudia Roth brachte es auf den Punkt. Die Vorwürfe müssten von einer unabhängigen Kommission untersucht werden. Sollten sie sich als zutreffend erweisen, dann hätte Mixa gelogen. Der Bischof und sein Amt wären schwer beschädigt.

Bernhard Ehler, der Sprecher des Priesterrates im Bistum, drückt es diplomatischer aus. Sollte nur eine juristische Klärung der Vorwürfe möglich sein, dann könnten beide Seiten Schaden erleiden. Immer wieder kommt der Hinweis auf Georg Ratzinger, den langjährigen Leiter der Regensburger Domspatzen. Er hatte eingestanden, dass ihm früher “mal die Hand ausgerutscht“ sei, was er heute tief bedauere. Wäre das nicht auch ein Weg im Zusammenhang mit den Vorwürfen um das Schrobenhausener Kinderheim St. Josef gewesen, in das Mixa von den Nonnen geholt wurde, wenn sich diese im Umgang mit den Kindern überfordert fühlten, fragen sich nicht wenige im Bistum.

Die Fronten sind verhärtet. Die Betroffenen haben ein Gesprächsangebot des Bischofs empört zurück gewiesen. Mixa stelle sie als Lügner hin und biete ihnen gleichzeitig in bischöflicher Milde sein Gehör an. Selbst Priesterrats-Sprecher Ehlers zeigt Verständnis für die ehemaligen Heimkinder. Wie sollen sie gegen die Amtsautorität eines Bischofs unter diesen Vorzeichen ankommen? Dem widerspricht der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Wilhelm Imkamp, vehement. So ein Gesprächsangebot dürften die angeblich Betroffenen nicht zurückweisen, das sei der falsche Weg, eine Lösung zu finden.

Derweil sorgt sich der Schrobenhausener Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU) um den Ruf seiner Gemeinde. “Die Vorwürfe aus den früheren Jahren verstellen die Sicht, dass mit dem Wechsel in der Heimleitung seit 1999 sich viel zum Guten verändert hat“, sagt Stephan. “Wir werden aber jedem vorgebrachten Einzelfall von Misshandlung nachgehen, ihn prüfen und volle Transparenz herstellen.“ Und Stadtpfarrer Josef Beyrer ergänzt, es werde alles unternommen, um Aufklärung zu leisten.

Inzwischen haben sich Mixas Unterstützer formiert und zu Wort gemeldet. Ehemalige Ministranten und Pfarrgemeinderatsmitglieder von Schrobenhausen wollen auf ihren damaligen Pfarrer und heutigen Bischof nichts kommen lassen. Von stets “herzlichem Einvernehmen“ mit Mixa als Stadtpfarrer ist die Rede, “die unglaublichen Vorwürfe“ seien so absurd, “dass deren Unwahrheit mit Händen zu greifen ist“, heißt es in einem offenen Brief. Die Vorgänge sind im Bistum Tagesgespräch und scheiden die Geister: für oder wider den Bischof. Keine Spur von christlicher Gemeinsamkeit oder Nachsicht.

dpa

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