Missbrauch: Diözese zwingt Priester zur Selbstanzeige

Augsburg - Knapp elf Jahre nach einem möglichen Missbrauchsfall im Bistum Augsburg hat die Diözese einen Priester mit einem Ultimatum zur Selbstanzeige gezwungen.

Dem Mann sei ein Ultimatum gestellt worden, teilte das Bischöfliche Ordinariat am Montag in Augsburg mit. Sollte der Geistliche nicht von sich aus die Staatsanwaltschaft einschalten, werde es das Bistum tun. Das Ordinariat hat den eigenen Angaben zufolge bereits seit 1999 von dem Verdachtsfall gewusst.

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Eltern hätten damals über “moralisch fragwürdige Verhaltensweisen“ des Gemeindepfarrers gegenüber Kindern berichtet, teilte das Ordinariat mit. Gleichzeitig hätten die Eltern darum gebeten, kein öffentliches Aufsehen zu erregen und von einer Strafanzeige abzusehen. Der Priester sei versetzt und nun auch von seinen jetzigen Aufgaben entbunden worden.

Chronologie der Missbrauchsfälle

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Der beschuldigte Pfarrer habe bestritten, dass sein Verhalten gegenüber Kindern und Jugendlichen die Schwelle des moralisch oder rechtlich Erlaubten verletzt habe. Er sei dennoch von seiner Pfarrstelle abberufen und mit einer Aufgabe ohne Kontakt zu Jugendlichen betraut worden.

Aufgrund aktueller Hinweise rollte das Ordinariat den Vorgang nun neu auf. Nach einem Gespräch mit dem ehemaligen Gemeindepfarrer habe der Missbrauchsbeauftragte der Diözese, Domkapitular Harald Heinrich, dem Priester dringend nahegelegt, die Staatsanwaltschaft Augsburg über den fraglichen Tathergang zu informieren und diesen rückhaltlos aufklären zu lassen. Das Bistum Augsburg werde auch jeden neuen Hinweis auf Missbrauchsfälle sofort an die Staatsanwaltschaft weiterleiten.

dpa

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