BKA erhöht Fahndungsdruck

700 Schüsse auf der Autobahn

München - Eine Verletzte, hunderte Schüsse auf Lastwagen – seit Jahren treibt ein Unbekannter sein Unwesen auf deutschen Autobahnen. Jetzt läuft die Fahndung auf Hochtouren.

2009 ereignet sich auf der A3 bei Würzburg ein mysteriöser Unfall: Eine 40-Jährige aus Sachsen kracht unvermittelt mit ihrem Auto in die Leitplanke. Verletzt wird sie in ein Krankenhaus gebracht. Dort finden die Ärzte ein Metallstück in ihrem Hals – ein Fragment eines Projektils, wie sich später herausstellt.

Drei Jahre ist der Vorfall nun her, und die Polizei tappt immer noch im Dunkeln. Eines ist allerdings sicher: Der Schuss auf die Frau war kein Einzelfall. Drei weitere Autos sind auf der A 3 kurz vor und kurz nach dem Unfall beschossen worden. Ein Lastwagenfahrer entdeckte an einem Anhänger ein Loch. Der Fahrer eines Autotransporters bemerkte ein Einschussloch an einem der transportierten Autos. Die gleiche Entdeckung machte ein weiterer Fahrer nur einen Tag später.

Doch damit nicht genug: Seit 2008 sei mehr als 700 Mal auf Autos auf deutschen Autobahnen geschossen worden, wie das Bundeskriminalamt (BKA) gestern in Wiesbaden mitteilte. Ziel waren meist die Wagen auf Autotransportern. Nun wollen BKA und Polizei den Fahndungsdruck erhöhen. „Wir müssen die Tatserie stoppen, damit nichts Schlimmeres passiert“, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Die Belohnung wurde auf 100 000 Euro erhöht. Erst Anfang November war es wieder zu Schüssen auf Autobahnen gekommen. In Leipzig wurden zwei Autotransporter getroffen, einer kam aus Bayern. Gleiche Fälle gab es in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, und auch in Belgien, Frankreich und Österreich.

Bislang fehle von den Tätern jede Spur, so Ziercke. Das Problem sei, dass die Fahrer die Einschusslöcher meist erst bemerken, wenn sie die Lastwagen abladen. Wo sie beschossen wurden, ist dann nicht mehr festzustellen. „Doch wir wissen, dass in vielen Fällen mit ein und derselben Waffe geschossen worden ist.“ Eine weitere Gemeinsamkeit: Die Schüsse seien mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem Lastwagen abgefeuert worden. Und: Der Täter verwendet seit Sommer diesen Jahres ein Neun-Millimeter-Kaliber, nachdem er zuvor mit einem kleineren Kaliber geschossen hatte. Die neue Waffe habe mehr Durchschlagkraft, sei also wesentlich gefährlicher, so das Bundeskriminalamt. Die Polizei bittet nun verstärkt Lastwagenfahrer um ihre Mithilfe, die etwas bemerkt haben oder einen Fahrer kennen, der eine Waffe besitzt.  

Veronika Stangl

mit dapd/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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