Wandergruppe verschüttet? Lawinenabgang im Berchtesgadener Land

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Paarungszeit beim Rehwild

Blind vor Liebe: Jäger warnen vor Wildwechsel

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München - In den nächsten Wochen geht es in Bayerns Wäldern wieder rund. Das Rehwild befindet sich in der Paarungszeit, bei den Tieren spielen die Hormone verrückt. Der Bayerische Jagdverband warnt daher vor erhöhter Unfallgefahr.

Thomas Schreder ist jetzt oft unterwegs. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann es sein, dass sein Telefon klingelt und die Polizei einen Wildunfall meldet. Dann macht sich Schreder mit seiner Labradorhündin Elli auf in sein Revier im Kreis Erding und sucht das angefahrene Rehwild. „Für uns ist es das Schlimmste, was es gibt“, seufzt Schreder, der nicht nur Jäger, sondern auch Pressesprecher des Bayerischen Jagdverbandes ist. „Das klingt für Außenstehende vielleicht paradox, aber wir Jäger wollen nicht, dass die Tieren leiden und elendig sterben.“ Ein schwerverletztes Reh, dass sich in ein Maisfeld schleppt und dort langsam zu Grunde geht, versetzt dem 46-Jährigen jedesmal einen Stich. „Das ist oft dramatisch.“

Zur Zeit passiert das allerdings wieder öfter. Denn beim Rehwild ist nun Paarungszeit. Von Ende Juli bis Mitte August spielen bei den Tieren die Hormone verrückt, und es gibt kein Halten mehr. „Die Böcke sind völlig benebelt und gehen nur noch dem Geruch der Geiß nach“, erklärt der studierte Wildbiologe. „Sie nehmen kein Futter mehr zu sich, weil sie so gamsig sind.“ Auch vor Menschen zeigen sie dann keine Scheu. Er weiß von Landwirten, die plötzlich Rehböcke in ihrem Garten stehen hatten, weil das Quietschen des Schubkarrens dem Fiepen der Geiß ähnelte. „Die Tiere sind dann richtig narrisch.“

Der brünftige Bock treibt beim Liebesspiel die Geiß seiner Wahl mitunter kilometerweit über Feld und Flur. Blind vor Liebe überqueren sie auch am helllichten Tag und im vollen Lauf die Straßen. „Ein Rehwild kommt selten allein“, warnt Prof. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes. Schreder bittet daher alle Autofahrer in den kommenden Wochen gerade in Waldstücken aufzupassen. „Die Warnzeichen mit dem springenden Hirsch stehen nicht aus Jux und Tollerei da“, betont Schreder. „Da sind viele Wildwechsel.“

Taucht ein Tier auf der Straße auf, sollte man sofort abblenden und kontrolliert bremsen. „So grausam das klingt: Bitte nicht ausweichen“, sagt der Jäger. „Das Reh ist vielleicht gerettet, aber dafür kommt man in den Gegenverkehr.“ Oder in den Straßengraben. Bei unkontrollierten Ausweichmanövern kann das Auto vor allem bei hoher Geschwindigkeit leicht ins Schleudern geraten.

Kommt es zu einem Wildunfall, muss sofort die Polizei verständigt werden. „Bitte immer melden, und bitte so genau wie möglich“, ergänzt Schreder. Dann ist es für ihn und Labrador Elli leichter das verletzte Tier zu finden, um es so schnell wie möglich von seinem Leid zu erlösen. Für die Autofahrer stellen die Polizeibeamten außerdem die nötige Bestätigung eines Wildunfalls für die Kfz-Versicherung aus.

Damit es erst gar nicht soweit kommt, stellt Schreder in seinem Revier Reflektoren und Duftzäune am Straßenrand auf. Die Lichtreflexe und der Geruch nach Hund und Mensch sollen dem Rehwild Gefahr signalisieren. „Diese Kombi wirkt schon ganz gut“, sagt er. Ganz vermeiden lassen sich Wildunfälle dennoch nicht. So kommt Schreder manchmal zu einer Unfallstelle und sieht die Blutlache auf dem Asphalt. Dann weiß er schon, dass er gar nicht mehr suchen muss: Ein Autofahrer hat das tote Tier in den Kofferraum gepackt und mitgenommen. Erlaubt ist das nicht. „Das erfüllt den Tatbestand der Wilderei, kommt aber gar nicht so selten vor“, sagt Schreder. „Man erlebt einiges, wenn man draußen ist.“ Dass er diesen Sommer nicht allzu oft mit seiner Elli ausrücken muss, hofft er dennoch.

Julia Pawlovsky

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