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Vorsicht, Geschwindigkeitsmessung: Mit modernen Laserpistolen kommen Bayerns Polizisten jedem Raser auf die Schliche. Doch nicht längst jeder Temposünder sieht seinen Fehler auch ein.

Geschwindigkeitsmessungen

Blitzmarathon 2017: Die erste Temposünderin kam billig davon

„Bitte recht freundlich“ hieß es gestern den ganzen Tag über auf Bayerns Straßen. Beim fünften Blitzmarathon hat die Polizei 24 Stunden lang Temposünder geblitzt – und zur Kasse gebeten.

München– Montag, kurz nach 13 Uhr auf einem kleinen Parkplatz am Wintrichring im Münchner Stadtteil Moosach. Dort hat Heni Raoufi gerade ihren blauen Mercedes geparkt und blickt etwas frustriert drein. Sie ist in eine Radarfalle geraten, die die bayerische Polizei im Rahmen des landesweiten Blitzmarathon aufgestellt hatte. Die 43-jährige Münchnerin fuhr 76 statt der erlaubten 60 Stundenkilometer. „Ich war auf dem Weg, um meine fünfjährige Tochter vom Kindergarten abzuholen“, sagt sie. Dabei sei sie so in Gedanken gewesen, dass sie nicht auf den Tacho geschaut habe.

„Die Ausrede, dringend irgendwohin zu müssen, benutzen viele Autofahrer sehr gerne, wenn sie geblitzt werden“, sagt Max Pettenkofer von der Münchner Verkehrspolizei schmunzelnd. Er ist heute der Chef am Messpunkt am Wintrichring. Gelten lassen die Beamten diesen Vorwand natürlich nicht. Heni Raoufi kommt mit 25 Euro Bußgeld noch relativ billig davon. Sie nimmt die Strafe mit Humor. „Ärgern nützt ja nichts.“

Beim bayerischen Blitzmarathon nicht nur Temposünder erwischt

Doch nicht alle Autofahrer sind einsichtig. „Manch einer sagt auch frech, dass sein Wagen so sportlich ist, dass er damit nicht langsamer fahren kann“, berichtet Max Pettenkofer. Nach so einem flotten Gerät sieht Sarmand Kadirs neue, schwarze, tiefergelegte BMW-Limousine aus – aber der erste Eindruck täuscht: „Ich bin vorschriftsmäßig gefahren“, erklärt der 29-jährige Maler und Lackierer. Der Grund, warum ihn die Beamten von der Straße gewunken haben, ist das Auto, denn es ist nicht straßenzulässig. 

Ein Fall für den Abschleppdienst: Der getunte BMW von Sarmand Kadir ist nicht straßenzulässig.

Das Fahrgestell ist unvorschriftsmäßig und beim Fahren ist das Auto viel zu laut. Den Beamten ist das nicht entgangen. Sarmand Kadir hingegen sagt, er sei ahnungslos gewesen. „Ich habe den Wagen vor einem Monat über das Internet erworben. Der Verkäufer hat mir versichert, dass alle Änderungen in die Fahrzeugpapiere eingetragen sind.“ Ob er eine Strafe bekommt, weiß er noch nicht. Der BMW wurde abgeschleppt, damit der TÜV ihn überprüfen kann. Fahren darf Kadir den Wagen erst wieder, wenn er straßenzulässig ist.

Radarkontrollen sollen auf Gefahrenstellen aufmerksam machen 

Gestern um 6 Uhr war der 24-stündige Blitzmarathon an rund 1900 Messstellen gestartet. An der Radarfalle am Wintrichring wurden nur wenige Temposünder geblitzt. „Viele halten die vorgeschriebenen 60 km/h ein. Der Schnellste wurde mit Tempo 83 geblitzt“, sagt Michael Berger von der Verkehrspolizei.

„Mit dem fünften Blitzmarathon wollen wir Auto- und Motorradfahrer für Gefahrenstellen sensibilisieren“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gestern. Die Sicherheit auf den Straßen sei enorm wichtig. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung verdiene die Polizei nichts an Radarfallen. Es gehe darum, Menschenleben zu retten, betonte Herrmann.

„Ich habe Verständnis für den Blitzmarathon, denn viele fahren viel zu schnell, das ist gefährlich“, sagt Eduard Hautermans (64). Deswegen sorgt er bevor er losfährt stets dafür, dass er auf der Straße gut gesehen wird – doch die Beamten haben ihn gestern trotzdem aus dem Verkehr gewunken. „Ich hatte die Nebelscheinwerfer eingeschaltet“, sagt der Rentner. Denn seine Audi-Limousine, Baujahr 1998, habe kein Tagfahrlicht. „Und das Abblendlicht schien mir zu hell“, sagt er. Doch der Rentner ist noch einmal davongekommen, er wurde nur verwarnt.

von Regina Mittermeier

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