Start der Aktion

Blitzmarathon: Abzocke oder Aufklärung?

München – Der deutschlandweite Blitzer-Marathon sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Überflüssige Geldabzocke oder wichtige Aufklärung? Klar ist: Der Aufwand ist riesig.

Um 8:35 Uhr schaut Daniela das erste Mal sehr ernst. Denn so geht es nicht. Sie trägt eine gelbe Warnweste und steht vor Thomas Jung, der gerade geblitzt worden ist. Mit 38 km/h, acht zu viel, immerhin. „Nicht zu schnell fahren“, sagt die Viertklässlerin. „Sonst kann ein Unfall passieren.“ Jung nickt. Der 60-Jährige ist auf dem Weg zur Arbeit. Bevor er weiterfahren darf, drückt ihm Danielas Mitschüler noch einen sauren Drops in die Hand. Erst dann machen die Grundschüler einen Schritt zur Seite. Geht ja ganz gut los.

Ein paar Meter weiter steht Andreas Schaumaier, Leiter der Verkehrsabteilung bei der Münchner Polizei. „Das mit den Schülern ist mal was anderes“, sagt er. Ganz neu ist die Idee nicht. In München-Trudering, im Osten der Stadt, übernehmen die Viertklässler der Feldbergschule einmal im Jahr die Verkehrserziehung. Wer zu schnell fährt, muss einen sauren Drops lutschen. Und wer sich an die vorgegebene Geschwindigkeit hält, kriegt zur Belohnung ein Stück Schokolade – mit ein bisschen Glück. Denn natürlich wird nicht jeder herausgewunken.

Trudering ist einer von rund 2000 Standorten in Bayern, an denen die Polizei im Rahmen des bundesweiten Blitzer-Marathons ihre Kontrollstellen aufgebaut hat. Die Aktion läuft im Freistaat eine ganze Woche – und hat einen ernsten Hintergrund. „Es geht darum, das Bewusstsein bei den Verkehrsteilnehmern zu wecken“, sagt Schaumaier. Nach Angaben des ADAC kamen im vergangenen Jahr 3290 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben – viele davon wegen überhöhter Geschwindigkeit. In diesem Jahr sind die Zahlen gestiegen. Der Blitzer-Marathon soll helfen, sie wieder zu senken.

Mehr als 13 000 Polizisten waren deshalb am Donnerstag im Einsatz, bundesweit an 7500 Stellen. Viele Autofahrer sind genervt vom Blitzer-Marathon. Die Medien berichten in erster Linie darüber, wo die Blitzer positioniert sind. „Obacht, Radarfalle!“ schreibt die Frankfurter Allgemeine. Und Bild informiert: „Hier stehen die Blitzer!“ Für Andreas Schaumaier ist das der falsche Ansatz. Er betont: Seinen Kollegen und ihm geht es nicht darum, so viele Bußgelder wie möglich einzutreiben.

In Trudering kommt am Donnerstagvormittag kein echter Raser vorbei. Der Verkehr schlängelt sich zäh über die Feldbergstraße. Viele Autofahrer sind unterwegs in die Stadt, zur Arbeit oder zum Einkaufen. Die allermeisten finden die Aktion mit den Grundschülern gut. „Das entspannt die Situation einfach“, sagt eine Frau.

Nach ihrem Einsatz als Verkehrspolizistin geht Daniela mit ihrer Lehrerin und ihren Mitschülern zurück in die Schule. Es ist die erste Schulwoche nach den Sommerferien. Plakate ermahnen die Autofahrer, langsam zu fahren. Dafür aber ist die Schale mit den sauren Bonbons bedenklich leer.

Maximilian Heim

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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