Mehr als 7000 Temposünder

Blitzmarathon in Bayern: Herrmann zieht „bedenkliches“ Fazit - Motorradfahrer stellt Raser-Negativ-Rekord auf

  • Klaus-Maria Mehr
    vonKlaus-Maria Mehr
    schließen

Am Mittwoch wurde in Bayern flächendeckend geblitzt. Zu hohes Tempo gilt als Hauptursache für schwere Unfälle. Über 7000 Temposünder gingen ins Netz.

Update vom 22. April: Trotz vorher bekannter Kontrollstellen hat die Polizei bei ihrem 24-stündigen Blitzmarathon bayernweit 7036 Temposünder aus dem Verkehr gezogen. „Dass trotz tagelanger Vorankündigung und pandemiebedingt weniger Verkehr so viele zu schnell unterwegs waren, ist höchst bedenklich“, erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU*) am Donnerstag nach Abschluss der Aktion. „Vielen Verkehrsteilnehmern ist immer noch nicht bewusst, wie gefährlich zu schnelles Fahren sein kann. Raser spielen nicht nur mit dem eigenen Leben, sondern auch mit dem Leben anderer.“

Den Negativ-Rekord hielt ein Motorradfahrer, der auf einer Staatsstraße bei Bubesheim im schwäbischen Landkreis Günzburg mit 231 Kilometern pro Stunde erwischt wurde - erlaubt waren 100. Ihm drohen 1200 Euro Geldbuße, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot. 

Blitzmarathon in Bayern: Millionen Euro in neue Technik investiert

Herrmann kündigte an, die Geschwindigkeitskontrollen in Bayern weiter zu verstärken, um gerade Unbelehrbare aus dem Verkehr zu ziehen. Allein in den vergangenen beiden Jahren seien 3,4 Millionen Euro in hochmoderne Kontrollgeräte investiert worden, zum Beispiel spezielle Lasermesspistolen und hochpräzise digitale Messgeräte. Der Minister verwies erneut darauf, dass zu schnelles Fahren für knapp ein Drittel der Verkehrstoten in Bayern verantwortlich ist. 2020 starben in Bayern 147 Menschen bei Tempounfällen - sechs mehr als im Vorjahr, obwohl wegen der Pandemie weniger Verkehr auf den Straßen war.

Im vergangenen Jahr war der Blitzmarathon coronabedingt ausgefallen. Beim letzten 24-Stunden-Blitzmarathon 2019 hatte die Polizei 10.821 Temposünder ertappt - trotz auch damals vorab bekannter Messstellen. Der Blitzmarathon endete am Donnerstag um 6 Uhr. Rund 1800 Polizisten waren im Einsatz. Auch in anderen Bundesländern sowie im europäischen Ausland war geblitzt worden.

Blitzmarathon in Bayern: 2100 mögliche Messstellen

Erstmeldung vom 21. April: München - Mit Geschwindigkeitskontrollen an 2100 möglichen Messstellen will die Polizei von Mittwochmorgen an für 24 Stunden Raser im Freistaat ausbremsen. Auch in anderen Bundesländern und jenseits der deutschen Grenzen in anderen Ländern Europas soll ab 6.00 Uhr morgens geblitzt werden.

Blitzmarathon in Bayern: „Schnelles Fahren kein Kavaliersdelikt“

„Zu schnelles Fahren ist kein Kavaliersdelikt, sondern die Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Vorfeld des achten bayerischen Blitzmarathons. Knapp ein Drittel der Verkehrstoten auf Bayerns Straßen gehe darauf zurück. Hier finden Sie die Unfall-Statistik von vergangenem Jahr.

Blitzer in Bayern: Trotz weniger Verkehr mehr Tote

Im vergangenen Jahr starben laut Herrmann 147 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen. Das waren trotz des pandemiebedingt geringeren Verkehrsaufkommens mehr Unfalltote als im Vorjahr mit 141. „Mit unserem Blitzmarathon wollen wir alle Verkehrsteilnehmer wachrütteln, sich unbedingt an die Tempolimits zu halten.“

Blitzmarathon fiel wegen Corona 2020 aus

Im vergangenen Jahr war der Blitzmarathon coronabedingt ausgefallen. Nicht zuletzt angesichts der gestiegenen Unfallzahlen habe man sich entschlossen, den Marathon dieses Jahr trotz Corona durchzuführen, ergänzte Ministeriumssprecher Michael Siefener. Gerade die freien Straßen verleiteten womöglich dazu, aufs Gas zu gehen. „Möglicherweise animiert der geringere Verkehr den einen oder anderen, schneller zu fahren als er dürfte.“

Blitzmarathon in Bayern: Schwerpunkt Landstraßen

Ein Schwerpunkt der Aktion sollen laut Innenministerium die Landstraßen sein. Rund 1800 Polizisten sowie etwa 50 Bedienstete von Gemeinden und Zweckverbänden der kommunalen Verkehrsüberwachung werden bayernweit im Einsatz sein. Die Polizisten werden - wo immer möglich - Raser gleich anhalten und kontrollieren. Dabei schauen die Beamten beispielsweise auch auf möglichen Alkohol- und Drogenkonsum.

Blitzermarathon - Übersicht: Hier wird geblitzt

Herrmann trat gelegentlich geäußerten Mutmaßungen aus der Bevölkerung entgegen, man wolle mit derartigen Aktionen abkassieren. „Uns geht es nicht darum, möglichst viele Verwarnungen auszusprechen oder Bußgeldbescheide zu verschicken.“ Schließlich: Niemand wird blindlings in die Falle gelockt. Alle bayerischen Messstellen stehen auf der Ministeriums-Seite zum Download - jeder kann sich damit rechtzeitig informieren.

Beim letzten 24-Stunden-Blitzmarathon vom 3. bis zum 4. April 2019 hatte die Polizei 10.821 Temposünder ertappt - trotz der auch damals veröffentlichten Messstellen. Den traurigen Rekord hielt damals ein 30 Jahre alter Autofahrer, der auf der B 300 bei Neusäß in Schwaben mit 160 Kilometern pro Stunde anstatt der erlaubten 70 unterwegs war.

Erfunden wurde der Blitzmarathon in Nordrhein-Westfalen, in Bayern gab es den ersten 2013. Den diesjährigen europaweiten „Speedmarathon“ koordiniert das europäische Verkehrspolizei-Netzwerk „ROADPOL“. Außer in Bayern wird auch in Brandenburg, Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Thüringen geblitzt. Bayern beteiligt sich daran im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms 2030 „Bayern mobil - sicher ans Ziel“.

So läuft der Blitzermarathon in Mittelfranken ab.

Rubriklistenbild: © Lino Mirgeler/dpa

Mehr zum Thema

Kommentare