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Warb für Mut zur Menschlichkeit: BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sprach bei der Evangelischen Akademie. 

Kanzelrede an der Evangelischen Akademie

Präsidentin des Lehrer-Verbands: „Die Schule muss Haltung zeigen“

Haltung zählt. Das ist die Überzeugung von Simone Fleischmann, der Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Als erste Lehrerin durfte die 45-jährige Pädagogin am Sonntag die Kanzelrede der Evangelischen Akademie Tutzing halten.

Tutzing/München – Seit 1997 geht es bei der Kanzelrede zweimal im Jahr um wichtige gesellschaftliche Themen. Gestern stand erstmals die Schule im Mittelpunkt. Die BLLV-Präsidentin erklärte, warum die Schule Haltung zeigen muss: „Die Schule entscheidet über die Zukunft der Gesellschaft.“

Fleischmann sprach Tabus offen aus und richtete dringende Appelle an die Politik, die Schule nicht nur als „Reparaturbetrieb der Gesellschaft“ zu betrachten. Dafür erntete sie viel Applaus der Zuhörer in der Erlöserkirche in München/Schwabing. Statt eines Reparaturbetriebs sei die Schule „Forschungs- und Entwicklungsabteilung“ und müsse geleitet werden von einem christlich-humanistischen Menschenbild.

Es sei keine naive Gefühlsduselei, auf Werte wie Humanismus, Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe zu setzen. Im Gegenteil: „Wer eine Gesellschaft mit menschlichem Antlitz will, muss sich immer auch Gedanken machen über die Gefährdung des Menschen, ja über seine dunkle Seite.“ Sie beobachte mit großer Sorge, dass derzeit „nicht wenige Menschen die geltenden freiheitlichen, demokratischen und humanistischen Werte hierzulande zur Disposition stellen“. Populismus, politischer Radikalismus und religiöser Fundamentalismus heißen die Stichworte.

„Die Schule ist das Brennglas gesellschaftlicher Entwicklungen, hier kommt alles eins zu eins an, die Konflikte, die Vereinfachungen und Verschwörungstheorien ideologischer Rattenfänger“, sagte Fleischmann. Denen komme zu pass, wenn Schüler sich in der Gesellschaft als nicht erwünscht empfinden. Das komme leider viel zu oft vor – auch wegen des dreigliedrigen Schulsystems, das vielen Kindern das Gefühl gebe, zu den Verlierern zu zählen.

„Gehen wir in eine fünfte Klasse einer Mittelschule, dort sitzen tief verunsicherte, traurige, oft auch aggressive Kinder, viele von ihnen aus Migrantenfamilien“, sagte Fleischmann. Auch in zehnten Klassen von Realschulen erlebe sie Schüler, „die ihre Leichtigkeit verloren haben und mit Coolness ihre große Verletzlichkeit verbergen“.

Selbst unter Lehrern nehme die Unsicherheit zu: „Wir sehen wachsende Aggressivität und Hass, Mobbing, Ausgrenzung und Gewaltbereitschaft. Wir beobachten in den Kindern den unersättlichen Hunger nach äußerer Anerkennung. Wir begegnen den Flüchtlingskindern und ihren Hoffnungen und wissen, wie extrem schwierig ihre Integration wird.“

Politik und Gesellschaft müssten die Aufgaben der Schulen „sehr viel ernster nehmen“ – und sie ausstatten mit Zeit und Vertrauen, finanziellen Mitteln und den besten Nachwuchskräften.

Neben diesem dringlichen Appell verbreitete Fleischmann aber auch Zuversicht. „Wir erleben an den Schulen, dass die menschliche Begegnung, die gegenseitige Hilfe glücklich machen.“ Es lohne sich also, „Haltung zu zeigen und Mut, Menschlichkeit und Liebe zu leben“. 

Lesen Sie hier den Brandbrief, den der BLLV im Namen der bayerischen Schulleiter Horst Seehofer geschickt hat


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