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Kellner in echten Wirtshäusern reagieren beleidigt, wenn unsere Autorin es wagt, lecker zu sagen.

Das unappetitliche L-Wort

Liebe Bayern, ich entschuldige mich für das Wort "lecker"

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München - Ich bin ein höflicher und unkomplizierter Gast, wenn ich mir Essen bestelle. Doch wenn ich dem Kellner hinterher sage "war lecker", mache ich mit diesem Kompliment alles kaputt.

Es ist ein bisschen verrückt, dass das zweisilbige Adjektiv "lecker" die meisten Bayern ausflippen lässt. Vor allem Kellner in echten Wirtshäusern reagieren beleidigt, wenn ich es wage, lecker als Kompliment zu verwenden.

Da, wo ich herkomme – eine kleine Stadt zwischen Münsterland und Ruhrgebiet –, darf ich das sagen. Da muss ich es sogar noch ein bisschen anders aussprechen. Etwas übertriebener. Läckäa.

Seit meinem Umzug nach München korrigieren mich Kellner, Arbeitskollegen und Freunde, wenn ich das Wort "lecker" benutze. Sie sagen mir: "Lecker sagt der Bayer nicht." Ein Vertreter des Bairischen Wörterbuchs bestätigt das. Eine richtige Begründung liefert er nicht. Er vermutet, dass das Wort aus Norddeutschland stammt und deshalb in Bayern unbeliebt ist. Er empfiehlt mir, stattdessen "guad" oder "gschmackig" zu sagen. Das kommt mir als Zuagroaste ehrlich schwer über die Lippen. Es klingt bei mir genauso falsch ausgesprochen wie Pfiadi. Gibt es im Bairischen Alternativen?

Lecker ist genauso verkehrt, wie eine halbe Mass im Wirtshaus zu bestellen

In einem Münchner Wirtshaus hat mir die Bedienung neulich den kleinen Silberteller mit der Rechnung auf den Tisch geknallt, weil ich das Essen vorher als lecker bezeichnet hatte. Das L-Wort scheint in Lokalen als genauso unappetitlich gewertet zu werden wie Rülpsen und Schmatzen. Und es scheint als ebenso rücksichtslos zu gelten, wie im Augustiner Bräustüberl ein Pils-Cola oder eine halbe Mass zu bestellen.

Auf Facebook existiert sogar die Seite "Lecker, des hoaßt sauguad du Saupreiß" (136 Usern gefällt das). Dagegen sind die Bayern auf Instagram und Twitter, so scheint es, gechillter: Sie fotografieren ihr Essen und laden es mit dem Hashtag #lecker hoch. Aber ich höre schon den Einwand, dass das vermutlich Zuagroaste seien wie ich.

Vermutlich ist das Wort lecker zu abgeranzt für gutes Essen

Ich frage mich, was an lecker verkehrt ist. Woher der Hass? Heute darf alles lecker heißen, sogar auf der Packung einer Tiefkühlpizza darf diese Behauptung stehen. Vermutlich ist das der Grund, der euch Bayern ärgert. Dass die Lebensmittelhersteller dieses Adjektiv unglücklicherweise für so ziemlich jedes Essen verwenden. Okay, das ist ein Argument.

Es tut mir leid, dass ich euch in der Vergangenheit mit meinem eigentlich lieb gemeinten Satz "Das war lecker" beleidigt habe. Ich verspreche, dass mir das böse L-Wort nicht mehr versehentlich herausrutscht, wenn ich euch in Wahrheit loben möchte. Entschuldigung angenommen?

sah

Bairisch-Quiz: Wetten, dass Ihr Dialekt verrät, woher Sie kommen (mit Hochdeutsch geht hier gar nix)

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