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Herausgerissene Sitze der Regiobahn liegen neben der Unglücksstelle.

Zugunfall am Montag fordert zwei Leben

So erlebte der BOB-Chef die Tragödie in Aichach

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Ein Zug der Bayerischen Regiobahn fährt auf einer Nebenstrecke nahe Aichach auf einen stehenden Güterzug auf. Zwei Menschen sterben. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Fahrdienstleiter. Doch auch die veraltete Strecke ist in der Kritik.

Aichach - Nicht schon wieder die kleine BRB: Im vergangenen Jahr ist die Bayerische Regiobahn von vier Unfällen heimgesucht worden, zumeist Zusammenstöße an Bahnübergängen, einmal wurde ein Zug seitlich von einem anderen gerammt. Am Montagabend gegen 21.25 Uhr klingelt bei Bernd Rosenbusch das Telefon: Rosenbusch ist Chef der Bayerischen Oberlandbahn, ihm unterstehen neben BOB auch der Rosenheimer Meridian und die BRB, die zwischen Weilheim/Schongau im Süden und Ingolstadt im Norden pendelt. Rosenbusch erfährt am Telefon vom Bahnunglück in Aichach. Noch in der Nacht fährt er von seinem Wohnort am Starnberger See nach Bayrisch-Schwaben.

Die Katastrophe ereignete sich kurz vor dem Bahnhof Aichach: Der Zug der Bayerischen Regiobahn war mit etwa 30 Fahrgästen gegen 21.15 Uhr aus Augsburg in den Bahnhofsbereich eingefahren. Dort prallte der wesentlich leichtere Triebwagen gegen die massive Diesellok eines leeren Güterzugs. Bei dem Aufprall wurde der Führerstand eingedrückt, der Lokführer und eine 73-jährige Passagierin in dem Zug sterben, weitere 14 Fahrgäste werden verletzt. 170 Einsatzkräfte kümmerten sich um die Verletzten, die von Rettungshubschraubern in Kliniken geflogen wurden. Auch Anwohner des Ortsteils Algertshausen halfen Fahrgästen. „Die Menschen saßen dort in der Garage, in Decken gehüllt, wurden in den Arm genommen“, berichtet Bürgermeister Klaus Habermann den Aichacher Nachrichten.

Die Fahrerkabine der BRB wurde eingedrückt. Mitarbeiter der Bayerischen Regiobahn untersuchen die Unglücksstelle.

Lokführer hinterlässt Frau und drei Kinder

Während der Lokführer der Diesellok nach Polizeiangaben zumindest äußerlich unverletzt blieb, starb der 37 Jahre alte Triebfahrzeugführer der BRB: Pavel B. aus dem Raum Eichstätt hinterlässt eine Ehefrau und drei Kinder. Rosenbusch ist erschüttert. „Das war ein sehr erfahrener und netter Kollege, ich kannte ihn auch persönlich“, sagt er. Auch Bayerns DB-Chef Klaus-Dieter Josel ist betroffen: „Den Angehörigen der beiden Verstorbenen möchte ich unser tiefes Mitgefühl aussprechen“, sagt er. Über die mögliche Unglücksursache will Josel lieber gar nichts sagen - anders als sein Kollege von der BOB, Bernd Rosenbusch, der ausdrücklich auch die veraltete technische Ausstattung der Strecke beim Namen nennt.

Staatsanwaltschaft und Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung ermitteln. 200 Meter vor dem Bahnhof gibt es eine Weiche. Wurde sie falsch gestellt? Normalerweise fährt der BRB-Zug immer auf das durchgehende Hauptgleis 2 ein, sagt BOB-Chef Rosenbusch. Am Montagabend indes war das Gleis 2 belegt - durch den leeren Güterzug. Er hatte in Radersdorf nördlich von Aichach Holz abgeladen und war auf der Rückfahrt nach Augsburg. Gegen 21.09 Uhr, also nur sechs bis sieben Minuten vor dem BRB-Zug, traf er in Aichach ein. Nun beginnen die Fragen: Hätte der Güterzug auf Gleis 1 gelotst werden sollen, um so den BRB-Zug auf dem Hauptgleis vorbeizulassen? Denn im weiteren Verlauf ist die Strecke der Paartalbahn Richtung Augsburg nur eingleisig. Oder hätte der BRB-Zug auf Gleis 1 ausweichen sollen? Auch dann wäre das Unglück vermieden worden.

Haftbefehl gegen Fahrdienstleiter

Wurde der Güterzug einfach vergessen? War der Fahrdienstleiter abgelenkt? Solche Fragen kann vermutlich nur der 24 Jahre alte Verantwortliche des Stellwerks Aichach beantworten. Polizei und Staatsanwaltschaft reagieren zügig: Der Mann wird wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung kurzzeitig festgenommen. Am Nachmittag wird der Haftbefehl unter Auflagen außer Vollzug gesetzt, da keine Fluchtgefahr bestehe.

Einige Medien stellen nach dem Aichacher Bahnunglück sogleich Parallelen zur Katastrophe von Bad Aibling auf. Damals waren zwei Meridian-Züge mit hohem Tempo kollidiert, zwölf Menschen starben. 89 wurden verletzt. Schuld an dem Unglück hatte ein Fahrdienstleiter, der in ein Handy-Spiel vertieft war. Er wurde 2016 zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Vergleich mit Beinahe-Unglück in Utting

Doch BOB-Chef Rosenbusch drängt sich eine andere Parallele auf: zu einer Beinahe-Kollision zweier BRB-Züge Ende Februar in Utting (Kreis Landsberg). „Das war fast eins zu eins der gleiche Vorfall.“ Am 22. Februar war in Utting ein Zug der BRB aus Augsburg auf ein Gleis eingefahren, auf dem schon der Zug aus der Gegenrichtung stand - nur die Notbremsung eines Lokführers verhinderte das Schlimmste.

Möglicherweise war der Fahrdienstleiter, der damals suspendiert wurde, durch spielende Schüler im Gleisbereich abgelenkt - was die für Gleisanlagen zuständige DB Netz nicht von der Verantwortung entlastet, eine Nachrüstung der Technik zumindest zu prüfen. Viele kleine Bahnhöfe auf der BRB-Strecke sind nicht auf dem neuesten Stand. Rosenbusch berichtet, dass es sich technisch im Vorhinein verhindern lasse, eine Weiche so zu schalten, dass ein Gleis für zwei Züge gleichzeitig freigegeben wird. Im Fachjargon heißt das Belegteinrichtung oder Gleisfreimeldeanlage. Doch in Utting wie in Aichach gibt es mechanische Hebelstellwerke, die Weichen werden mit Seilzügen geschaltet - nicht gerade Hightech. Nicht gänzlich aus der Welt sind auch Anti-Kollisionssysteme an den Zügen selbst - aber auch das gibt es nirgends.

Rosenbusch will vor allem den Betreiber der Infrastruktur, also die DB Netz AG, nicht aus der Verantwortung nehmen. Über seinen Konzern Transdev werde es kritische Fragen in Richtung Deutsche Bahn geben: „Die müssen uns erklären, wie sie die Sicherheit in solchen kleinen Bahnhöfen gewährleisten“, sagt er. „Da muss technisch nachgerüstet werden.“

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